Frauen lassen sich das nicht gefallen

Kiel will die Frauen rauswerfen - mit diesem Protest haben die Vereinsbosse aber nicht gerechnet

Kiel träumt von der 1. Liga, doch es ist ein exklusiver Traum für die Herren. Die Frauen-Mannschaften sollen aus dem Verein geworfen werden. 

Kiel - Die Herren von Holstein Kiel schnuppern an der Ersten Bundesliga. Kurz vor dem Saisonfinale liegen sie auf Kurs Relegation, könnten den Durchmarsch von der Dritten Liga ins Oberhaus schaffen. Auf der Strecke bleiben dabei die Damen-Teams der Norddeutschen. Die 1. Frauenmannschaft der „Hollstein Women“ spielt in der Regionalliga, die zweite Mannschaft in der Landesliga Holstein.

Das Präsidium des Vereins - alles Männer - entschied nun, „die Kräfte zu bündeln, um sich ganz der Arbeit im Herrenbereich und im männlichen Nachwuchs zu widmen“, wie es auf der Vereinshomepage heißt. Das bedeutet für die Frauenfußball-Abteilung des KSV Holstein: Sie werden ab der kommenden Saison zum VfB Kiel abgeschobene. Die Vereine kooperieren beim Frauenfußball schon länger miteinander. 

Für die Fußballerinnen kam diese Entscheidung völlig überraschend. „Wir wurden mit der Nachricht am Freitagabend überrumpelt. Jetzt müssen wir das erstmal sacken lassen und dann schauen, wie es weitergehen kann“, erklärte der Trainer der 2. Fußballmannschaft, Matthias Lachmann, gegenüber shz.de

Protestaktion mitten auf dem Spielfeld

Nun fand die 2. Damen-Mannschaft eine passende Antwort auf diese Entscheidung. Im Spiel gegen ATSV Stockelsdorf verweigerten die Spielerinnen die Leistung. Als die Stockelsdorferinnen mit den Ball in Richtung des Tores liefen, gab es keine Gegenwehr der Kielerinnen, die in neutralen weißen Trikots auf dem Platz standen. Sie blieben regungslos und wie angewurzelt auf dem Rasen stehen und ließen den Gegentreffer zum 0:1 zu. Als der Schiedsrichter danach das Spiel wieder anpfeifen wollte, versammelten sich die Frauen des KSV Holstein in der Spielfeldmitte zu einer Sitzblockade. Die Auswechselspielerinnen machten bei der Protestaktion ebenfalls mit. Auch mehrere Zuschauer zeigten sich solidarisch. Sie hielten ein Transparent hoch, auf dem stand: „Holsteiner Jungs, Holsteiner Jungs - unsere Mädls sind leider KEINE Holsteiner Jungs“.

Video der Protestaktion:

Die Landespolitik schaltet sich jetzt ein

Mittlerweile hat sich auch die Lokal- und Landespolitik eingeschaltet. Aminata Touré, gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, sowie Lydia Rudow, sport- und gleichstellungspolitische Sprecherin der Grünen Ratsfraktion in Kiel schrieben in einer Stellungnahme: Der Rauswurf der Frauenabteilungen sei „ein Armutszeugnis für die Gleichstellung von Frauen und Männern im Fußball.“ Die Stadt Kiel solle die Förderung des Holstein-Stadions überprüfen. „Es kann nicht sein, dass die Stadt 1.733.400 Euro für den Ausbau des Stadions bereitstellt, aber das Geld nur der Herren-Mannschaft zugute kommt“, so die Grünen-Politikerinnen. 

Auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Lasse Petersdotter, ein Fan der Kieler, schaltete sich über Twitter in die Diskussion ein. Er sei massiv enttäuscht von seinem Verein. 

Rubriklistenbild: © Textkombüse/Facebook

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare