Moskau, 15. Juli, Anstoß: 17 Uhr

WM-Finale 2018: Wer holt unseren Cup? Alle Infos zum Showdown

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Zwei Superstars auf dem Weg zu ihrem ersten WM-Titel: Frankreichs Mbappe und Kroatiens Modric.

Wer reißt der deutschen Nationalmannschaft den Titel „amtierender Weltmeister“ aus den Händen? Frankreich trifft auf Kroatien, das seinerseits in der K.o.-Runde stets in die Verlängerung musste. 

Das WM-Finale am Sonntag ist ein Duell der Gegensätze. Auf der einen Seite die jungen, wilden Franzosen (Kaderdurchschnittsalter: 26,1 Jahre). Auf der anderen Seite die abgezockten und heißblütigen Kroaten (Durchschnittsalter: 28,0 Jahre). Auf der einen Seite Kylian Mbappe (19), Versprechen auf eine goldene Zukunft bei der „Baby bleus“ genannten Équipe tricolore. Auf der anderen Seite Luka Modric (32), Anführer der zweiten goldenen Generation nach der von 1998, die WM-Dritter wurde. Wir beantworten Fragen rund um das Endspiel, das am frühen Abend (17 Uhr) angepfiffen wird.

Hier finden Sie den Live-Ticker zum WM-Finale Frankreich gegen Kroatien

Wie werden die Teams das Finale angehen? Frankreich hat mit Mbappe und Antoine Griezmann auf den Flügeln sowie Stoßstürmer Olivier Giroud formidables Offensivpotenzial. Im Halbfinale gegen Belgien (1:0) agierte das Team von Didier Deschamps aber defensiv und brachte die Führung clever ins Ziel. Kroatien wiederum erzielte beim 2:1 gegen England zwei Tore aus dem Spiel heraus – unüblich bei dieser WM mit den vielen Treffern nach Standards.

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Wird die Physis eine Rolle spielen? „Kroatien brennt, aber wir sind noch längst nicht ausgebrannt“, sagte Tormann Danijel Subasic. Dreimal musste sein Team in den K.o.-Runden in die Verlängerung, gewann zweimal nach Elfmeterschießen. Frankreich hatte zudem einen Tag länger Pause. Ein klarer Vorteil für die Équipe tricolore.

Welche Rolle spielt die Erfahrung? Bei den Franzosen standen sechs Spieler aus der Startelf vor zwei Jahren im EM-Finale (0:1 gegen Portugal). Bei den Kroaten waren acht Mann dabei, als das Team 2016 im Achtelfinale an Portugal scheiterte (0:1 n.V.). Bis auf Benjamin Pavard (22/Stuttgart) spielen alle Franzosen bei Spitzenklubs. Auch im Falle des Rechtsverteidigers wird sich das ändern. 2019 kann er für die festgeschriebenen Ablöse von 35 Millionen Euro verlassen, der FC Bayern hat Interesse, wie tz.de* berichtet. Die Kroaten spielen allesamt im Ausland. Auch sie sind es gewohnt, auf Top­niveau Topleistung zu bringen.

Frankreich vs. Kroatien: Ungleiches Trainerduell zwischen Deschamps und Dalic 

Was für Typen sind die Trainer?

Größer könnten auch hier die Gegensätze nicht sein. Didier Deschamps war als Spieler 1998 Weltmeister, er könnte also nach Franz Beckenbauer und Mario Zagallo als Dritter als Spieler und Trainer den World Cup gewinnen. „Ich bin sicher oftmals zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, sagt der heute 49-Jährige. Der Ex-Mittelfeldspieler war zweimal Champions-League-Sieger (1993 mit Marseille, 1996 mit Juventus). Deschamps galt damals als einer der besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt. Er übernahm les Bleus 2012. Sein Gegenüber Zlatko Dalic (51) ist hingegen in der großen weiten Fußball-Welt eher unbekannt. Er war Spieler auf dem Balkan und arbeitete als Trainer in Saudi-Arabien, eher er im Oktober 2017 die Nationalmannschaft übernahm und noch zur WM führte. „Es ist in unserem Leben eine einzigartige Chance“, sagt Dalic. „Ich bin sicher, dass wir die nötige Stärke und Motivation finden werden.“ Nach Uruguay (3,44 Millionen Einwohner) ist Kroatien (4,19 Millionen) das zweitkleinste Land in einem WM-Finale. „Gemessen an unserer Infrastruktur sind wir ein Wunder“, sagt der Trainer.

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Wie sieht die Bilanz aus? Frankreich gewann dreimal, Kroatien keinmal, zweimal trennte man sich Remis. Im WM-Halbfinale 1998 schlug Frankreich die Kroaten mit 2:1.

Frankreich oder Kroatien: Wer ist Favorit? Prognose und Quoten

Welche Polit-Prominenz ist vor Ort? Staatspräsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte haben ihr Kommen angekündigt. Auch die kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic wird auf der Tribüne ihr Team anfeuern. „Wir werden gewinnen“, sagte sie.

Was ist zu les Bleus noch zu sagen? „Das Frankreich von heute hat viele Farben“, sagt Paul Pogba. Mehr als zwei Drittel des Teams haben einen Migrationshintergrund. Schon das WM-Team von 1998 sollte als „black-blanc-beur“ („schwarz-weiß-arabisch“) für eine Multikulti-Gesellschaft stehen. Dieses Gefühl ging allerdings wieder verloren.

Was ist zu „Vatreni“ (Die Feurigen) noch zu sagen? „Wir sind emotionale Menschen. Und wir besitzen einen, nicht negativ gemeint, gewissen Patriotismus“, sagt Niko Kovac. Nach dem Sieg gegen Argentinien sangen die Spieler wieder einmal „Bojna Cavoglave“. Das Lied stammt von der Band Thompson, deren Frontmann Marko Perkovic zu Beginn der 1990er-Jahre im Unabhängigkeitskrieg kämpfte. Texte der Gruppe sind ultranationalistisch, in ihnen wird häufig die faschistische Ustascha verehrt.

Und für wen ist München? 36.655 Menschen mit kroatischer Staatsbürgerschaft leben hier, 9983 mit französischer.

Bernd Brudermanns

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