1. wa.de
  2. Sport
  3. Fußball

DFB-Pressesprecherin Franziska Wülle vor WM in Katar: „Mannschaft setzt klares Symbol“

Erstellt:

Kommentare

Bei der WM 2022 in Katar wird Franziska Wülle präsent sein als neue DFB-Pressesprecherin. Im Interview spricht die Balverin über Aufgaben, das Gastgeberland und mehr.

Garbeck - Der deutsche Kader für die WM 2022, mit dem Bundestrainer Hansi Flick bei der am 20. November beginnenden Weltmeisterschaft in Katar den Titel holen möchte, steht seit einigen Tagen offiziell fest. Wenn der Tross des Deutschen Fußballbundes (DFB) zunächst in den Oman fliegt, um dort ein Kurztrainingslager inklusive Testspiel zu absolvieren, wird auch Franziska Wülle Balve-Garbeck im Märkischen Kreis in NRW dabei sein.

DFB-Pressesprecherin Franziska Wülle vor WM in Katar: „Mannschaft setzt klares Symbol“

Franziska Wülle ist die DFB-Pressesprecherin – und wird somit regelmäßig in den Pressekonferenzen neben Hansi Flick zu sehen sein. Und nach der heftigen Kritik an der Vergabe des WM-Turniers an das arabische Land aufgrund der dortigen Menschenrechtssituation dürfte die 30-Jährige bei den täglichen Pressekonferenzen sicher nicht nur sportliche Themen moderieren müssen. Julius Kolossa von wa.de de sprach mit Franziska Wülle über ihre bevorstehenden Aufgaben bei der WM 2022 in Katar.

Frau Wülle, Sie sind erst seit wenigen Monaten DFB-Pressesprecherin. Nun wartet die WM in Katar. Wie haben Sie sich eingearbeitet? Was waren Ihre ersten Aufgaben?

Franziska Wülle: Als ich beim DFB angefangen habe, ging es im September direkt in die Vorbereitungen für die beiden Nations-League-Spiele gegen Ungarn und England, die drei Wochen später stattfanden. Dabei habe ich Hansi Flick zu einigen Terminen begleitet. Generell ging es natürlich darum, möglichst viele Menschen kennenzulernen – wie das so ist, wenn man einen neuen Job beginnt.

Wie haben Sie die Mannschaft kennengelernt?

Franziska Wülle: Das war am 19. September bei der ersten Mannschaftsbesprechung der Länderspielphase. Ich habe mich kurz vorgestellt. Dann kam die Ansprache von Hansi Flick, die wahrscheinlich etwas mehr interessiert hat.

Wie laufen die Vorbereitungen für das umstrittene Turnier in Katar?

Franziska Wülle: Wir treffen gerade die letzten Vorbereitungen, denn bereits am Montag geht es für die Mannschaft in den Oman zum letzten Testspiel vor der WM. Da ist es natürlich stressig, gerade weil diese WM eben wichtige Themen neben dem Sport mit sich bringt.

Nationalmannschaft. Bundestrainer Hansi Flick gibt den Kader für die WM in Katar bekannt. Links DFB-Pressesprecherin Franziska Wülle.
DFB-Pressesprecherin Franziska Wülle (links) leitet die Pressekonferenzen mit Bundestrainer Hansi Flick. © Arne Dedert/dpa

Franziska Wülle zur WM 2022 in Katar: DFB und Mannschaft haben sich klar positioniert

Wie werden sich Spieler und Funktionäre positionieren?

Franziska Wülle: Der DFB und die Mannschaft haben sich schon klar positioniert. Die Vergabe der WM an Katar ist in vielerlei Hinsicht problematisch und wurde nicht im Sinne des Sports getroffen. Das wurde uns in den letzten Wochen wieder mehrfach verdeutlicht. DFB-Präsident Bernd Neuendorf setzt sich in vielen Gesprächen mit Verantwortlichen vor Ort und bei der FIFA für die Einhaltung der Menschenrechte ein und fordert ganz konkret einen Entschädigungsfonds für die zu Schaden gekommenen Gastarbeiter sowie Beratungsstellen vor Ort, damit die positiven Gesetzesänderungen in Katar auch im Sinne der Arbeitnehmer umgesetzt werden. Die Mannschaft setzt mit der bunten One-Love-Kapitänsbinde ein klares Symbol für Vielfalt und gegen Diskriminierung.

Wie sieht der Fahrplan bis zur WM aus?

Franziska Wülle: Wir treffen uns am Sonntagabend in Frankfurt. Von dort aus geht es am Montagmittag in den Oman zum letzten Testspiel vor der WM. Am 17. November reisen wir dann weiter in unser Team-Quartier im Norden von Katar und am 23. November steigen wir gegen Japan in die WM ein.

Was sind Ihre Aufgaben während der Weltmeisterschaft?

Franziska Wülle: Ich vertrete die Mannschaft vor Ort. Ganz konkret leite ich die Pressekonferenzen, begleite die Spieler zu Interviews und koordiniere und beantworte die Anfragen der etwa 100 Journalisten, die uns begleiten. Das alles ist aber Teamarbeit. Um die Medienarbeit vor Ort kümmern wir uns mit vier Personen.

Franziska Wülle: WM in Katar bringt wichtige Themen abseits des Sports mit sich

Was sind für Sie die besonderen Herausforderungen dieser Weltmeisterschaft?

Franziska Wülle: Diese WM bringt sehr wichtige Themen abseits des Sports mit sich, zu denen man eine klare Haltung haben und auch zeigen muss. Die Mannschaft reist aber aus sportlichen Gründen nach Katar, weil eine WM das größte Ereignis ist, an dem du als Fußballer teilnehmen kannst. Und sie wird natürlich auch an ihrem sportlichen Erfolg gemessen. Es ist ein Spagat zwischen wichtigen gesellschaftlichen Themen und dem Fokus auf der sportlichen Aufgabe.

Was sind die Erwartungen an die Mannschaft?

Franziska Wülle: Das ist schwierig zu beantworten, weil das sehr individuell ist. Einige Fans schauen sich die WM-Spiele aus Protest gar nicht an. Viele andere wünschen sich natürlich maximalen sportlichen Erfolg. Und dann sind da noch die eigenen Erwartungen.

Welche Erwartungen hat die Mannschaft selbst?

Franziska Wülle: Natürlich fährst du zu einer WM mit dem Ziel, Weltmeister zu werden. Ansonsten bräuchtest du ja gar nicht erst loszufahren. Aber ein Turnier hat seine eigene Dynamik. Ich denke, jeder Spieler möchte in Katar seine beste Leistung abrufen – für die Mannschaft.

Franziska Wülle: Vom WDR zum DFB

Die Garbeckerin Franziska Wülle trat im September beim Deutschen Fußballbund (DFB) die Nachfolge des langjährigen Pressesprechers Jens Grittner an und ist seitdem für die medialen Belange rund um die Nationalmannschaft zuständig. Die 30-Jährige wechselte vom Westdeutschen Rundfunk zum DFB. Beim WDR war sie drei Jahre als Redakteurin vor allem für sportschau.de und die digitale Wintersportberichterstattung der ARD zuständig. Außerdem war sie Chefin vom Dienst bei der Fußball-Europameisterschaft 2021. Franziska Wülle hatte schon nach ihrem Abitur am Walram-Gymnasium in Menden den Wunsch, Sportjournalistin zu werden, und studierte an der Sporthochschule in Köln. Internationale Erfahrungen mit Berichterstattungen sammelte sie bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 und Südkorea 2018. Dann machte sie ihren Master in Leipzig, danach stieg sie beim WDR ein. Beim DFB setzte sie sich in einem anspruchsvollen Bewerbungsverfahren durch und wurde Leiterin der Pressestelle. Bundestrainer Hansi Flick lobt Wülles Social-Media-Skills und ihre strategischen Fähigkeiten: „Die Mannschaft wird sicher von ihrem neuen, frischen Blick auf die Kommunikation mit Fans und Öffentlichkeit profitieren.“

Auch interessant

Kommentare