Der Skandal nimmt kein Ende

FIFA-Ticker: Milliardär will Blatter-Nachfolger werden

+
Joseph Blatter bei der Verkündung der WM-Vergabe 2022 an Katar.

Sydney - Der umfassende Korruptionsskandal im Fußball-Weltverband FIFA zieht weitere Kreise. Hier im News-Ticker behalten Sie den Überblick?

<<AKTUALISIEREN>>

+++ Der scheidende FIFA-Präsident Joseph Blatter bekommt Rückendeckung von einem ehemaligen einflussreichen Berater und Gegenkandidaten. "Ich bin nicht da, um Blatter oder sonst jemanden zu verteidigen", sagte Jérôme Champagne, von 1999 bis 2010 stellvertretender FIFA-Generalsekretär, der Neuen Züricher Zeitung (Freitagausgabe). „"Aber die Geschichte wird Blatter Gerechtigkeit widerfahren lassen - für das, was er für den Fußball geleistet hat." In der Zeit vor Blatter habe es im Fußball-Weltverband keine Entwicklungsprogramme gegeben, sagte Champagne und ging zugleich hart mit europäischen Fußballfunktionären ins Gericht.

+++ DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland ausgeschlossen. "Wir haben uns absolut nichts vorzuwerfen. Ich darf daran erinnern, dass wir die absolut beste Bewerbung hatten", sagte der Chef des DFB im ZDF: "Wir haben die Abstimmung mit 12:11 gewonnen. Wir wissen, dass die acht Europäer für uns gestimmt haben. Woher die anderen vier Stimmen kamen, können wir nur vermuten. Die haben wir mit unserer Bewerbung überzeugt."

+++ Der südkoreanische Auto-Milliardär Chung Mong-Joon (63) bringt sich als Nachfolge-Kandidat von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in Stellung und lotet rund um das Finale der Champions League am Wochenende in Berlin seine Chancen bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) aus.
"Ich werde mit UEFA-Präsident Michel Platini über den Stand der Dinge sprechen - und darüber, was nun zu tun ist", sagte der frühere FIFA-Vizepräsident vor seiner Abreise am Freitag aus Seoul in die deutsche Hauptstadt: "Wir erleben gerade extrem schwere Zeiten bei der FIFA."
Chung hatte am Mittwoch erklärt, dass er über eine Kandidatur für den Chefposten des Weltverbands nachdenke. Stand jetzt soll die Nachfolge Blatters, der als Folge des Korruptionsskandals am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt hat, auf einem Kongress zwischen Dezember 2015 und März 2016 geklärt werden.
Der Südkoreaner, der sein Vermögen als Autofabrikant (Hyundai) gemacht hat, ist bereits vor einigen Jahren als Blatter-Kritiker in Erscheinung getreten. Schon vor den Wahlen im Jahr 2011 galt Chung als möglicher Herausforderer Blatters. Chung nahm aber Abstand von einer Kandidatur, weil er seinen Posten im FIFA-Exekutivkomitee verloren hatte.
Neben Chung gelten Prinz Ali bin Al Hussein, Platini, Michael van Praag, Luis Figo, Scheich Ahmad al Fahad al Sabah, Jerome Champagne, David Gill und Zico als mögliche Kandidaten für die Blatter-Nachfolge. Als Geheimfavorit wird auch der bestens vernetzte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach gehandelt.

FIFA zahlte irischen Verband fünf Millionen Euro

+++ Neuer Sprengstoff im FIFA-Beben: Der Fußball-Weltverband hat sich im Vorfeld der WM 2010 in Südafrika im „Handball“-Fall um den Franzosen Thierry Henry ein juristisches Verfahren mit dem irischen Verband FAI durch die Zahlung von fünf Millionen US-Dollar erspart. Die FIFA bestätigte das am späten Donnerstagabend in einem Statement. „Die FIFA hat ein Agreement mit der FAI geschlossen, um jegliche Möglichkeit einer juristischen Klage abzuwenden“, heißt es darin. Die FIFA habe der FAI zunächst ein Darlehen über fünf Millionen Dollar gewährt, um ein Stadion in Irland zu bauen. Hätte sich Irland für die WM 2014 in Brasilien qualifiziert, wäre die Rückzahlung dieses Darlehens fällig geworden. „Irland hat sich nicht qualifiziert. Deshalb und angesichts der finanziellen Situation der FAI hat die FIFA beschlossen, das Darlehen zum 31. Dezember 2014 abzuschreiben“, heißt es in dem Statement weiter. „Wir hatten das Gefühl, Anlass zu einer Klage gegen die FIFA zu haben, weil wir im Play-off wegen Henrys Aktion ausgeschieden waren“, hatte FAI-Präsident John Delaney zuvor dem Radiosender RTE Radio 1 gesagt. In der Folge sei es zu einem „Abkommen“ mit der FIFA gekommen: „Wir setzten uns donnerstags zusammen und hatten montags einen Deal, der von allen Parteien unterzeichnet wurde. Damit war die Sache erledigt.“ Irland scheiterte im November 2009 in den Play-offs der WM-Qualifikation 2010 an Frankreich, weil Stürmerstar Henry im Rückspiel in Paris vor seinem Zuspiel zum entscheidenden 1:1 durch William Gallas den Ball mit der Hand angenommen hatte, was von den Schiedsrichtern nicht geahndet wurde. Das Hinspiel hatte die Equipe tricolore 1:0 gewonnen. Der irische Verband und die Regierung bemühten sich in der Folge bei der FIFA vergeblich um ein Wiederholungsspiel.

+++ Zwei Tage nach seiner Rücktrittsankündigung hat FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in einem Treffen mit dem neuen starken Mann Domenico Scala einen Handlungsrahmen und einen Zeitplan für den Reformprozess im Fußball-Weltverband festgelegt. „Ich möchte ein umfassendes Reformprogramm. Ich bin mir dabei sehr wohl bewusst, dass nur der FIFA-Kongress diese Reformen verabschieden kann“, wird der 79-jährige Blatter in seinem ersten Statement seit seiner Rücktritts-Ankündigung zitiert: „Darüber hinaus hat das Exekutivkomitee eine besondere Pflicht, die Verantwortung in diesem Prozess auf mehrere Schultern zu verteilen.“ Details wurden zunächst nicht bekannt. Blatter hatte allerdings am Dienstag erklärt, die Wahl seines Nachfolgers solle „so schnell wie möglich“ stattfinden.

+++ Die in der Schweiz festgenommenen Fußball-Funktionäre haben nur geringe Chancen auf eine vorzeitige Freilassung aus der Auslieferungshaft. „Nach unserer Ansicht besteht hohe Fluchtgefahr“, sagte Folco Galli, der Sprecher des Bundesamtes für Justiz, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Außerdem sei Verdunkelungsgefahr gegeben.

+++ In der FIFA-Korruptionsaffäre hält der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) die Vergabe der WM 2006 an Deutschland für sauber. Schily sagte der „Bild“-Zeitung (Freitagausgabe): „Deutschland hat eine in jeder Hinsicht hervorragende Bewerbung für die Weltmeisterschaft 2006 abgeliefert.“ Die habe - mit Unterstützung der Bundesregierung - das Exekutivkomitee der FIFA beeindruckt und überzeugt. Schily hält es für ausgeschlossen, „dass von den für die Bewerbung verantwortlichen DFB-Vertretern versucht worden sein sollte, die Mitglieder des Exekutivkomitees durch unlautere Mittel zu beeinflussen“.

+++ Im Zuge der Korruptions-Ermittlungen um den Fußball-Weltverband untersucht die US-Justiz angeblich auch Vermarktungsverträge für die WM 2014 in Brasilien. Wie die Zeitung „Estadão“ aus São Paulo in ihrer Online-Ausgabe am Donnerstag berichtet, geht es dabei offenbar hauptsächlich um die Geschäftsbeziehungen von FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke und dem früheren brasilianischen Verbandschef und FIFA-Funktionär Ricardo Teixeira. Es bestehe der Verdacht der gegenseitigen Vorteilsnahme. Eine offizielle Bestätigung der US-Justiz oder eine Reaktion von Valcke oder Teixeira lag vorerst nicht vor.

Kürzlich war bekanntgeworden, dass die deutsche Baufirma Bilfinger in einen Korruptionsskandal in Brasilien für die Bereitstellung eines Kontroll- und Überwachungssystems für die WM verwickelt sein soll. Der frühere Verbandschef José Maria Marin gehört zu den in der vergangenen Woche in Zürich festgenommenen Fußball-Funktionären, denen wegen Korruptionsvorwürfen die Abschiebung in die USA droht.

Warner droht mit Beweisen gegen Blatter

+++ Die südafrikanische Polizei hat sich in die Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der Fußball-WM 2010 eingeschaltet und will die Anschuldigungen der amerikanischen Justizbehörden näher untersuchen. Es müsse noch geprüft werden, ob von der Spezialeinheit Hawks offizielle Ermittlungen eingeleitet werden, berichtete der Nachrichtensender eNCA am Donnerstag. Erst nachdem die Ergebnisse der vorläufigen Untersuchungen vorlägen, könne entschieden werden, „ob es komplette formale Ermittlungen“ geben werde, sagte Hawks-Sprecher Hangwani Mulaudzi.

+++ Im Zuge des FIFA-Skandals ist am Mittwoch die Zentrale des venezolanischen Fußball-Verbands FVF in Caracas durchsucht worden. Die Behörden suchten nach Beweisen für die Korruptionsvorwürfe gegen den ehemaligen FVF-Chef Rafael Esquivel, der als einer von sieben hohen Funktionären des Weltverbands in der vergangenen Woche in der Schweiz festgenommen worden war. Die venezolanischen Behörden ordneten zudem eine Sperrung der Bankkonten an, die von Esquivel, inzwischen ehemaliges Mitglied des Exekutivkomitees des Kontinentalverbands für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF), kontrolliert werden.

Jack Warner.

+++ Der von den US-Behörden angeklagte ehemalige FIFA-Vize Jack Warner droht mit brisanten Korruptionsbeweisen gegen den Fußball-Weltverband und Noch-Präsident Joseph S. Blatter. Bei einer TV-Ansprache in seinem Heimatland Trinidad und Tobago sprach der 72-Jährige von „Unterlagen, Dokumente und Schecks“, welche sogar die Einmischung der FIFA in die Präsidenten-Wahl 2010 im Karibikstaat belegen sollen. Kurz darauf wurde der frühere Politiker Warner, der sich in seiner Heimat der Justiz gestellt und gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von rund 350.000 Euro auf freien Fuß gesetzt wurde, bei einer öffentlichen Rede noch deutlicher. „Blatter weiß, warum er zurückgetreten ist. Und ich weiß es auch“, sagte Warner, der von 1997 bis 2011 als FIFA-Vizepräsident einer von Blatters Stellvertretern war: „Ich fürchte um mein Leben. Aber nicht einmal der Tod kann die Lawine jetzt noch aufhalten.“

Polizei untersucht WM-Vergabe 2022

+++ Frank Lowy, Chef des australischen Verbandes FFA, hatte tags zuvor erklärt, die umstrittene Vergabe an Katar sei „nicht sauber“ gewesen. Sein Wissen habe er den Polizeibehörden mitgeteilt. Zudem beschuldigte er den früheren FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner (Trinidad und Tobago) des Diebstahls.

Australien hatte sich neben Katar, den USA, Südkorea und Japan um die WM-Endrunde in sieben Jahren beworben, war aber im Dezember 2010 in Zürich bereits im ersten Wahlgang mit nur einer von 22 möglichen Stimmen ausgeschieden.

500.000 Dollar Rückzahlung gefordert

Frank Lowy wirft Warner vor, 500.000 australische Dollar (knapp 350.000 Euro), die für den Ausbau von Sportstätten in Warners Heimat Trinidad und Tobago überwiesen worden waren, in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Lowy fordert nun die Rückzahlung der finanziellen Zuwendung.

Jack Warner steht auf der FBI-Liste der meistgesuchten Personen, die in den USA wegen Geldwäsche, der Annahme von Bestechungsgeldern und Bildung krimineller Vereinigungen sowie Korruption bei WM-Vergaben und TV-Rechten angeklagt sind. Er soll im Zuge der Vergabe der Weltmeisterschaften 1998 an Frankreich und 2010 an Südafrika in Korruption verwickelt gewesen sein und sich bereichert haben.

Auch WM-Vergabe 1998 und 2010 fraglich

In diesem Zusammenhang hatte am Montag Ex-FIFA-Funktionär Chuck Blazer den US-Behörden als "Whistleblower" gestanden, dass er und andere Funktionäre Bestechungsgelder für ihre Stimme bei der WM 1998 und 2010 angenommen haben.

Warner hat sich in seinem Heimatland bereits gestellt und war nach einer Nacht in Haft gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt worden. Von der FIFA wurde der 72-Jährige vorläufig für alle Aktivitäten im Fußball gesperrt.

Warner: FIFA finanzierte meine Partei

Warner behauptet nun, dass der Fußball-Weltverband seine Independent Liberal Party auf Trinidad und Tobago im Wahlkampf 2010 finanziell unterstützt hat.

Die mächtigsten Männer im deutschen Fußball

Die mächtigsten Männer im deutschen Fußball

sid

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare