DFL zu Hooligan-Krawallen: "Das war keine Fußball-Demo"

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In Köln eskalierte eine Demonstration mit Hooligans. Foto: Caroline Seidel

Berlin (dpa) - Nach den Hooligan-Krawallen in Köln hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) eine Alleinverantwortung des Fußballs zurückgewiesen.

"Das war keine Fußball-Demo, sondern eine rechtsgerichtete politische Kundgebung. Hier haben sich gewalttätige Schläger unter dem Deckmantel des Feindbildes des IS öffentlichkeitswirksam in Szene gesetzt", erklärte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig in einer Mitteilung. "Nicht jeder, der einen Fan-Schal trägt, ist ein Fußball-Fan."

Werder Bremens Vereinschef Klaus-Dieter Fischer teilt diese Meinung. "Immer wieder will hier ein Personenkreis den Fußball ausnutzen, um eine Plattform für ihre menschenverachtenden, demokratiefeindlichen und gewaltverherrlichenden Anschauungen und Ziele zu schaffen", sagte er in einer Mitteilung des Clubs. Mit Fußball-Fans habe dieser Personenkreis nichts zu tun.

Rund 4800 Hooligans und Rechtsextremisten hatten sich am Sonntag in Köln zu einer Demonstration gegen Salafisten versammelt. Es kam zu massiven Ausschreitungen mit vielen Verletzten. Die Krawalle seien wie auch das jüngste Abschneiden rechtsorientierter Parteien bei Wahlen ein "Alarmsignal", sagte Rettig. "Wir brauchen einen Schulterschluss aller positiven gesellschaftlichen Kräfte. Dazu gehört unter anderem auch ein klares Bekenntnis zum Rechtsstaat und Respekt für diejenigen, die für Recht und Ordnung sorgen."

Dabei könne sich die Politik auf die Unterstützung der DFL und deren Vereine verlassen. "Es steht außer Frage, dass sich der Profi-Fußball bei der Bewältigung dieser gesellschaftlichen Probleme einbringt."

Der Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte, Michael Gabriel, zeigte sich von den Krawallen nicht überrascht. "Für Insider war es recht offensichtlich." So habe es zuvor Vernetzungstreffen unter dem Begriff "Hooligans gegen Salafisten" gegeben. Der Slogan sei ein Versuch, Brücken in die Debatten der bürgerlichen Gesellschaft zu schlagen. "Es ist eine ganz große gesellschaftliche Herausforderung, was da passiert ist: nämlich, dass Hooligans, für die Gewalt nicht fremd ist, offen eine rechte politische Agenda verfolgen", sagte Gabriel.

Werder-Chef Fischer betonte, Vorfälle wie in Köln zeigten, dass solchen Strömungen nur gesamtgesellschaftlich begegnet werden könne. "Wir dürfen uns von diesem gemeinsamen Weg des sozialen Engagements, der Prävention und täterorientierten Aufklärung von Gewalt im öffentlichen Raum nicht entfernen", sagte Fischer, der bei Werder auch für die Fan-Abteilung zuständig ist.

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