Ballack fällt für WM aus: Die Bilder, der Tritt, die Reaktionen

München - Schock für Fußball-Deutschland: Michael Ballack fällt für die WM aus. Das DFB-Team muss ohne seinen Kapitän in Südafrika antreten.

Die Kernspin-Untersuchung brachte die ernüchternde Diagnose: Der 33 Jahre alte Kapitän der deutschen Nationalmannschaft fällt wegen eines Risses des Innenbandes und eines Teilrisses des vorderen Syndesmosebandes im Sprunggelenk des rechten Fußes für das Turnier in Südafrika aus.
Dies teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montag nach einer Untersuchung in der Praxis von DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München mit.

Dieses Foul kostet Ballack die WM

Dieses Foul kostete Ballack die WM

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Ballack kann frühestens in acht Wochen wieder mit dem Training beginnen, dann ist die erste WM auf afrikanischem Boden schon vorbei. Das lädierte Gelenk wird zunächst für vier Wochen mit einem Gipsverband komplett ruhig gestellt. Dann muss der 98-malige Nationalspieler für zwei weitere Wochen einen Spezialschuh tragen. Erst danach kann das Rehabilitations-Programm beginnen, teilte der DFB weiter mit. Für Ballack dürfte damit die Hoffnung auf seine letzte Teilnahme an einer WM geplatzt sein.

Die deutschen WM-Trikots von 1954 bis heute

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Brutaler Tritt: "Das sah nach Absicht aus"

Ballack war im englischen Cupfinale, das sein Club FC Chelsea am Samstag gegen Absteiger FC Portsmouth 1:0 gewonnen hatte, vom einstigen Bundesliga-Profi Kevin-Prince Boateng “brutal gefoult“ worden, wie Löw kommentiert hatte. Ballack sprach nach der rüden Attacke sogar vor einem Vorsatz Boatengs, der im WM-Aufgebot des dritten deutschen Gruppengegners Ghana steht. “Das sah schon nach Absicht aus“, hatte Ballack gesagt.

Schon der dritte Leistungsträger-Ausfall

Nach René Adler und Simon Rolfes ist es schon der dritte Ausfall, den Bundestrainer Joachim Löw zu verkraften hat - und natürlich der schockierendste. Michael Ballack war neben Bastian Schweinsteiger fest für die Doppel-Sechs im defensiven Mittelfeld eingeplant. Erste Alternative ist nun Sami Khedira.

Ballack: "Das ist enttäuschend"

Michael Ballack (DFB-Kapitän): Ich bin sauer, ganz klar. Das ist enttäuschend. Wenn man zwei, drei Wochen vor der WM so eine Diagnose erhält, dann ist das bitter. Es ist Fußball, das passiert halt, damit muss man leben. Das muss man sacken lassen.“

Schock-Diagnose in München: Hier humpelt Ballack aus der Praxis

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Weitere Reaktionen

Joachim Löw (Bundestrainer): “Wir waren geschockt, keine Frage. Es heißt jetzt alle Kräfte zu bündeln. Von Resignation kann bei uns keine Rede sein. Wir können nach wie vor ein gutes Turnier spielen. Wir sind überzeugt, dass wir eine gute WM spielen. Er ist ein Weltklassespieler, der gerade in den entscheidenden Spielen eine tragende Rolle bei uns gespielt hat.“

Oliver Bierhoff (DFB-Teammanager): “Das ist ein schwerer Schlag für unser Team. Michael ist als Kapitän und Weltklassespieler enorm wichtig für die Mannschaft. Es tut mir sehr leid für Michael. Wir haben jedoch einen guten WM-Kader und vertrauen darauf, dass alle Spieler mit optimalem Ehrgeiz ins Turnier gehen und versuchen werden, den Ausfall von Michael wettzumachen. Gerade jetzt haben unsere vielen jüngeren Spieler die Unterstützung unserer Fans verdient.“

Theo Zwanziger (DFB-Präsident): “Ich bin unendlich traurig, dass Michael Ballack durch ein solches Foul um seine WM-Teilnahme gebracht wird. Er hat in den vergangenen Jahren unglaublich viel für den deutschen Fußball geleistet und hätte eine Teilnahme an diesem Turnier verdient gehabt. Es ist schwer, so kurz vor seinem 100. Länderspiel diese Nachricht hinnehmen zu müssen. Aber wir bleiben in engem Kontakt mit ihm und helfen, wo immer wir können. (...) Für die Mannschaft muss es ganz klar heißen: Jetzt erst recht! Das Team ist es seinem Kapitän schuldig, eine gute WM zu spielen. Wenn alle ganz eng zusammenrücken und füreinander einstehen, dann schaffen sie das auch.“

Wolfgang Niersbach (DFB-Generalsekretär): “Ich kenne Michael Ballack seit mehr als zehn Jahren und war überzeugt, dass er bei dieser WM Topleistungen zeigt und das Turnier zu einem absoluten Höhepunkt seiner Karriere wird. Umso mehr bedaure ich seinen Ausfall. Wir hätten ihn als Kapitän, Anführer und Persönlichkeit gebraucht. Es ist sicher ein schwerer Schlag für ihn, aber er ist in seiner Karriere schon häufiger mit Tiefschlägen fertig geworden. (...) Michael Ballack ist ein Ausnahmespieler, der nicht eins zu eins zu ersetzen ist. Aber der Bundestrainer hat in seinem Kader viele andere, die Vertrauen verdienen.“

Diese Blicke sagen alles: Löws Reaktion auf Ballacks WM-Aus

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Wolfgang Overath (Präsident des 1. FC Köln und Fußball-Weltmeister von 1974): “Der Junge tut mir richtig leid. Das ist schon brutal. Eine WM zu spielen und vielleicht den Titel zu holen - das ist für jeden Fußballer das Größte. Und er hat ja schon bei der WM 2002 Pech gehabt mit dem Finale. Es ist mit Sicherheit ein ganz großer Verlust, aber auch eine Chance für die Mannschaft - nach dem Motto: Jetzt gibt es eine Trotzreaktion, wir rücken noch enger zusammen. Diese Chance gibt es. Aber klar ist, dass er als Leader auf dem Feld und auch sonst kaum zu ersetzen sein wird.“

Jupp Heynckes (Trainer Bayer Leverkusen, Fußball-Weltmeister von 1974): “Das ist bitter und tragisch. Sein Ausfall ist ein Riesen- Verlust für die Nationalmannschaft. Vor allem für ihn persönlich ist es schlimm. Es war wahrscheinlich seine letzte Chance, nochmals an einer WM teilzunehmen. In Ballack fehlt dem Team ein Weltklassespieler.“

Bernd Heynemann (Ehemaliger FIFA-Schiedsrichter): “Das ist eine Nachricht, die nicht nur ihn, sondern die gesamte Nationalmannschaft hart trifft.“

Theo Zwanziger (DFB-Präsident: “Ich bin unendlich traurig, dass Michael Ballack durch ein solches Foul um seine WM-Teilnahme gebracht wird. Er hat in den vergangenen Jahren unglaublich viel für den deutschen Fußball geleistet und hätte eine Teilnahme an diesem Turnier verdient gehabt. Es ist schwer, so kurz vor seinem 100. Länderspiel diese Nachricht hinnehmen zu müssen. Aber wir bleiben in engem Kontakt mit ihm und helfen, wo immer wir können. (...) Für die Mannschaft muss es ganz klar heißen: Jetzt erst recht! Das Team ist es seinem Kapitän schuldig, eine gute WM zu spielen. Wenn alle ganz eng zusammenrücken und füreinander einstehen, dann schaffen sie das auch.“

Felix Magath (Trainer FC Schalke 04): “Das ist eine ganz bittere Nachricht für Michael persönlich. Ich habe ihm ein gutes Turnier zugetraut und auch gegönnt. Natürlich ist dieser Ausfall auch für die deutsche Nationalmannschaft ein herber Verlust.“

Thomas Schaaf (Trainer Werder Bremen): “Michael Ballack ist ein Profi, der dem Spiel der deutschen Mannschaft seinen Stempel aufdrückt. Das ist ein herber Verlust.“

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund): “Das ist ein herber Verlust für die Nationalmannschaft. Durch die Verletzung von Michael Ballack werden die Pläne des Bundestrainers heftig durcheinander gewirbelt. Ballack ist der Eckpfeiler, an dem sich alle ausgerichtet haben. Er hat in Chelsea eine tolle Saison gespielt. Mir persönlich tut es sehr leid für ihn. Bastian Schweinsteiger wird in die Rolle hineinwachsen müssen und auch können. Er spielt eine hervorragende Saison. An weiteren Planspielen des Bundestrainers will ich mich nicht beteiligen.“

Dirk Bauermann (Basketball-Bundestrainer): “Das ist natürlich bitter, vor allem weil Michael Ballack die absolute Führungsperson in der Mannschaft ist. Das einzig Positive ist, dass es jetzt passiert ist und nicht erst wenige Tage vor WM-Beginn. So bitter es ist, als Trainer hat man jetzt noch die Gelegenheit, zu reagieren und nach Lösungen zu suchen. Auch die Mannschaft kann sich jetzt noch darauf einstellen.“

Timo Boll (zehnfacher Tischtennis-Europameister): “Das war anscheinend ein sehr hartes Foul, ich habe es nicht gesehen. Damit muss man im Fußball mehr als im Tischtennis rechnen. Es ist schade, auch für Ballack selbst. Aber er wird das verkraften. Als Sportler muss man darüber wegkommen, auch wenn es weh tut, aus der Ferne die Daumen zu drücken.“

Ralf Rangnick (Trainer 1899 Hoffenheim): “Das ist natürlich für alle Beteiligten ein Schock. Für Michael, weil es wohl seine letzte WM gewesen wäre, aber auch für Jogi Löw und die ganze Mannschaft. Wenn man so etwas drei Wochen vor der WM erfährt, ist das natürlich ein Schock, da kann man gar nichts anderes zu sagen. Mit Michael fällt der Kapitän und absolute Leader der Mannschaft aus, das ist ganz bitter.“

Rubriklistenbild: © dpa

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