Fußball

Weiter abwarten oder abbrechen? FLVW äußert sich, das erwarten die Fußballer

Zuletzt vor fünf Monaten auf dem Platz: Patrick Overesch (am Ball) vom B-Kreisligisten SV Drensteinfurt II. Foto: Kleineidam
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Zuletzt vor fünf Monaten auf dem Platz: Patrick Overesch (am Ball) vom B-Kreisligisten SV Drensteinfurt II.

Gibt es eine konkrete Entscheidung oder wird weiter abgewartet, wie sich die Pandemie entwickelt? Es könnte sein, dass der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) für Gewissheit sorgt. 

Drensteinfurt/Rinkerode/Walstedde – Für diesen Montag (29. März 2021) hat der FLVW zu einer Online-Pressekonferenz eingeladen. Das Thema: „Die aktuelle Situation im westfälischen Sport.“ Der Verband dürfte sich zu den Beschlüssen der jüngsten Bund-Länder-Beratungen und deren Auswirkungen auf den Amateurfußball äußern. Die heimischen Vereine sind gespannt auf die Neuigkeiten aus Kaiserau und haben eine ganz klare Meinung.

„Ich erwarte, dass die Saison abgebrochen wird“, sagt Jan Wiebusch. Der Obmann des Landesligisten SV Drensteinfurt kann sich „nicht vorstellen, dass man die Saison weiterlaufen lässt. Der erhoffte Rückgang der Corona-Zahlen lässt ja auf sich warten.“ Tendenziell würden diese gleich bleiben oder nur noch schlimmer. „Selbst die Regionalliga Nordost bricht jetzt ab. Wieso sollte die Saison im Amateursport dann wieder gestartet werden?“

Dominik Heinsch, Trainer der zweiten Mannschaft des SVD (Kreisliga B), erwartet nicht viel Neues. „Ich denke, die Zusammenfassung wird sein: ,Wir können nichts machen außer abwarten‘“, sagt der 32-Jährige. Er ist sich sicher, „dass wir diese Saison nicht mehr zu Ende spielen. Ich lese ständig, wie andere Verbände alles abbrechen. Ich weiß nicht, auf was der FLVW wartet!“ Klar gebe es rechtliche Probleme, sagt Heinsch, „aber jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand sollte das so akzeptieren“.

Der Trainingsbetrieb ist uns wichtiger.

Daniel Budde

Der Verband sei in einer Zwickmühle, sagt Daniel Budde, Koordinator für den Männerfußball bei Fortuna Walstedde. Der FLVW müsse den Spielbetrieb anbieten. Auf den Internetseiten des Verbandes steht dazu: „Die Organisation des Spielbetriebs ist satzungsgemäße Kernaufgabe des FLVW, weswegen der Verband – soweit es möglich ist – den Spielbetrieb für seine Mitgliedsvereine anbieten muss.“

Die Fortunen wollen natürlich, dass möglichst bald alle wieder Sport treiben können – „in vernünftigem Rahmen“, sagt Budde. Der Spielbetrieb sei dabei zweitrangig. „Der Trainingsbetrieb ist uns wichtiger als dass wir wieder gegen andere Mannschaften spielen, wobei sich wieder Wege überkreuzen würden.“

Auch Budde geht davon aus, dass es an diesem Montag keine klaren Aussagen geben wird. „Wir haben keine Erwartungen“, sagt der frühere Spieler der ersten Walstedder Mannschaft. Er plädiert wie Wiebusch und Heinsch für einen vorzeitigen Abbruch. „Die Jungs haben jetzt fast sechs Monate Pause, im April werden es sieben sein. Dann sollen innerhalb von vier oder fünf Wochen so viele Spiele durchgeführt werden, damit die Saison gewertet werden kann.“ Das könne nicht funktionieren. Die Kreisliga-A-Fußballer von Fortuna könnten einen Abbruch und eine Annullierung der Ergebnisse verkraften. „Für uns geht es eh um nichts mehr“, sagt Budde.

Kein Kontaktsport für Senioren möglich

Die 21 Landesverbände, die ihrerseits in Kreise gegliedert sind, gehen unterschiedlich mit der Lage um. Der Hamburger Fußball-Verband (HFV) hat die Saison Anfang März als erster abgebrochen. Auf einem außerordentlichen Verbandstag votierten die Vereine mit großer Mehrheit für eine Annullierung. Auf- und Absteiger gibt es nicht, die Staffeln werden 2021/22 mit der unveränderter Einteilung starten.

Die Verantwortlichen des FLVW hofften bislang darauf, dass bis zum 30. Juni zumindest 50 Prozent aller Spiele in einer Liga ausgetragen werden, um die Saison werten zu können. Das wird aufgrund der Corona-Notbremse, die NRW mit dem heutigen Tag – auch für den Bereich Sport – bei Inzidenzen über 100 zieht, immer unwahrscheinlicher. Bis zum 18. April einschließlich wird auf keinen Fall Kontaktsport für Senioren erlaubt sein – und damit auch kein Mannschaftstraining. Einig waren sich die Vertreter des Verbandes und der 29 FLVW-Kreise, dass den Vereinen nach der enorm langen Zwangspause eine angemessene Zeit zum Training unter Wettkampfbedingungen (mit dem gesamten Team und mit Kontakt) gewährt werden müsse. Rund vier Wochen seien dafür vorgesehen. Heißt: Vor Mitte Mai, viel wahrscheinlicher noch vor Juni, wird die Saison auf keinen Fall fortgesetzt. Und da das Spieljahr 2020/21 laut FLVW definitiv am 30. Juni endet – am 5. Juli starten in Nordrhein-Westfalen die Sommerferien –, wäre es in den meisten Ligen nahezu unmöglich, auf die Hälfte aller Spiele zu kommen.

So sieht es in den Ligen aus

In der Landesliga 4, in der neben dem SV Drensteinfurt 17 weitere Vereine vertreten sind, fehlen bis zur Marke von 50 Prozent beispielsweise noch 94 Partien. Im Schnitt müsste jedes Team also noch 10,4 Spiele bestreiten. In sechs bis sieben Wochen wäre das eventuell zu schaffen, in einem Monat auf keinen Fall.

In der Kreisliga A Beckum mit Fortuna Walstedde fehlen noch 64 Begegnungen, um die Saison werten zu können. Durchschnittlich müsste jede Mannschaft also noch 8,5 Spiele absolvieren.

Viel besser sieht es in der Kreisliga A2 Münster aus, in der der SV Rinkerode antritt. Weil der Staffel nur zwölf Teams angehören, müssten nur noch 27 Partien bestritten werden, um auf die 50 Prozent zu kommen. 4,5 Spiele im Schnitt pro Mannschaft sind in einem Monat definitiv zu schaffen – natürlich nur, falls das mutierte Virus nicht weiter dazwischenfunkt.

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