Fußball

Darum hat Oliver Logermann seine Entscheidung „kurzzeitig bereut“

Oliver Logermann hat mit den Fußballern des SV Drensteinfurt den Aufstieg in die Landesliga geschafft – erstmals in der Geschichte des Vereins. Foto: Kleineidam
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Oliver Logermann hat mit den Fußballern des SV Drensteinfurt den Aufstieg in die Landesliga geschafft – erstmals in der Geschichte des Vereins.

Erstmals steigt die erste Mannschaft des SV Drensteinfurt in die Fußball-Landesliga auf. Trotz der starken Saison war Oliver Logermann im Winter genervt. „Da habe ich meine Entscheidung, den Vertrag zu verlängern und das frühzeitig bekannt zu geben, kurzzeitig bereut“, sagt der Trainer im Interview.

Drensteinfurt – Mit einem Schnitt von 2,45 Punkten pro Spiel haben sich die Fußballer des SV Drensteinfurt Platz eins und damit den Aufstieg in die Landesliga gekrallt. Es ist die beste Ausbeute seit dem Sprung in die Bezirksliga im Jahr 2012. Die Saison 2018/19 hatte der SVD mit 66 Punkten aus 32 Spielen (2,065 Zähler pro Partie) beendet. Matthias Kleineidam sprach mit dem Trainer Oliver Logermann (35) über die Gründe für den Erfolg, das prägendste Spiel der Saison, den engagiertesten Spieler, personelle Veränderungen und seine Zukunft als Coach.

20 Spiele, 16 Siege, nur drei Niederlagen: Wie fällt die Bilanz aus?

Der Aufstieg ist verdient – auch wenn wir die Saison gerne sportlich beendet hätten. Wenn man unsere Bilanz sieht, hätten die Chancen nicht schlecht gestanden, dass wir es auch so gepackt hätten mit dem Aufstieg. Die Bilanz ist sehr ordentlich, wenn man bedenkt, dass wir am Anfang der Saison ein kleines Tief und viele Urlauber hatten und zwei Spiele in Folge verloren haben. Ansonsten war das schon sehr, sehr konstant, was wir gezeigt haben. Das muss man wirklich so sagen. Von daher ziehe ich ein sehr positives Fazit.

Du hast die überraschende 1:2-Niederlage Anfang September in Sönnern, eine Woche nach dem 0:2 gegen Bockum-Hövel, angesprochen. War das auch euer prägendstes Spiel der Saison?

Das definitiv – in negativer Hinsicht. Wir waren ziemlich geknickt nach dem Abpfiff. Auf der anderen Seite lernt man aus so einem Spiel. Ich glaube, dass die Jungs eine ganze Menge Lehren draus gezogen haben und wir so ein Spiel heute nicht noch mal verlieren würden.

Tabellenfünfter in deiner ersten Saison, Dritter in deiner zweiten und nun Erster: Hättest du gedacht, dass du als Cheftrainer – und das mit gerade mal 35 Jahren – so erfolgreich bist?

Ich habe mir es immer gewünscht, dass es relativ schnell geht. Wir haben uns kontinuierlich gesteigert, aber klar: Ich hatte damals, als ich in Drensteinfurt gestartet bin, schon eine Menge Respekt vor der Aufgabe, weil ich ja auch nicht in kleine Fußstapfen von Ivo (Kolobaric/Anmerkung der Redaktion) getreten bin. Insgeheim war es schon immer mein Ziel, dass ich irgendwann mit dem Verein in die Landesliga aufsteige, nachdem ich die Trainerstelle angenommen habe.

--- Stimmen der Spieler zum Aufstieg ---

Fußball ist Mannschaftssport. Trotzdem: Welche Spieler haben dich mit ihrer Leistung auf dem Platz und ihrem Engagement neben dem Platz besonders beeindruckt?

Neben dem Platz auf jeden Fall Dennis Popil. Das ist ein Drensteinfurter Junge, der so ein bisschen die gute Seele bei uns ist. Er kümmert sich um alles Mögliche. Er macht die Mannschaftskasse, hat einen kurzen Draht zur Vereinswirtin, kümmert sich um Getränkebestellungen und legt Klamotten für uns raus. Dennis hat sich sportlich mit Sicherheit auch noch mal deutlich weiterentwickelt – vor allem im Trainingsbetrieb. Ich hoffe, dass er es ein bisschen mehr auf dem Platz umgesetzt bekommt und torgefährlicher wird. Da traue ich ihm noch einiges zu. Ich glaube, er ist in Sachen Entwicklung noch nicht am Ende. Ansonsten will ich ungern jemanden herausheben, aber klar: Die 20 Tore von Diogo (Castro) haben uns schon sehr geholfen, er ist ein absoluter Führungsspieler wie Daniel Ziegner. Auch Chrissi Lübke, den wir dazubekommen haben, hat gut gestanden. Insgesamt bin ich mit der Leistung der gesamten Truppe einverstanden gewesen. Keiner hat mich enttäuscht im Laufe der Saison.

Was hat dich in der vergangenen Saison am meisten an deiner Mannschaft gestört?

Die Vorbereitung im Winter. Da habe ich meine Entscheidung, den Vertrag zu verlängern und das relativ frühzeitig bekannt zu geben, ehrlich gesagt kurzzeitig bereut. Da haben mich die Jungs ziemlich geärgert. Wir hatten ein großes Ziel vor Augen, vier Punkte Rückstand auf Bockum-Hövel und direkt das erste Spiel nach der Winterpause in Bockum-Hövel. Da ging es um alles oder nichts. Zum Glück haben wir das Spiel gewonnen – aber mit Sicherheit nicht, weil wir eine gute Vorbereitung gespielt haben. Da gehörte eine Menge Glück dazu. Da war ich mächtig angefressen in der Zeit.

Raphael Northoff und Martin Lambert verstärken den Kader, Keeper Tobias Kofoth geht zurück zum TuS Ascheberg. Gibt es sonst noch Veränderungen und was Spruchreifes?

Tim Bothen wird nicht weitermachen – auf eigenen Wunsch aber auch. Es steht noch nicht fest, ob er weiter Fußball spielt, weil er beruflich relativ viel um die Ohren hat. Mit Martin haben wir, glaube ich, einen ganz guten Ersatz gefunden. Eric Schouwstra geht leider in die zweite Mannschaft. Er will mehr Spielanteile haben und sieht, dass das schwieriger wird in der Landesliga. Ansonsten bleibt der Kader unverändert. Aus der A-Jugend bekommen wir zwei Jungs dazu, die fest zum Kader gehören werden: Leo Steinert und Max Diepenbrock. Beide ziehen wir hoch.

Ivo Kolobaric war acht Jahre Trainer der ersten Mannschaft, du gehst im Sommer in deine vierte Saison beim SVD. Wie lange könnte die Zusammenarbeit anhalten?

Ich gucke gerne von Jahr zu Jahr. Ich habe im Winter, als ich verlängert habe, gesagt, dass die nächste vielleicht meine letzte Saison beim SVD wird. Allerdings hat sich die Situation durch den Aufstieg in die Landesliga ein bisschen verändert. Ich habe immer gesagt, solange ich das Gefühl habe, dass ich die Jungs noch erreiche und wir uns weiterentwickeln, habe ich noch Spaß in Drensteinfurt. Ich komme mit den Jungs nach wie vor gut klar, wir haben eine ganze Menge aufgebaut. Momentan fühle ich mich pudelwohl. Jetzt fehlt uns natürlich ein halbes Jahr Fußball. Vielleicht erhöht das die Chancen, dass ich noch ein Jahr dranhänge. Ich weiß, was ich an dem Verein habe. Auf der anderen Seite bin ich ja auch nicht mit dem Verein verheiratet, und irgendwann werde ich was anderes machen, vielleicht im Münsteraner Bereich.

Die Sportanlagen dürfen wieder genutzt werden. Wann sieht man die erste Mannschaft denn wieder auf dem Fußballplatz?

Vorerst nicht. Wir dürfen nicht duschen usw. Bei uns ist es schon ein bisschen besonders. Es ist nicht so wie bei anderen Mannschaften, die nur aus Einheimischen bestehen. Dann wäre es einfacher zu händeln. Wir aus Münster haben nur zwei oder drei Autos, müssten in voll besetzten Autos fahren. Und dann nach dem Training durchgeschwitzt mit fünf Leuten in einem Auto zu sitzen, ist nicht Sinn und Zweck der Sache. Und wir wissen momentan ja noch nicht mal genau, wann es wieder losgeht. Ich hoffe, dass wir am 9. Juni ein bisschen mehr wissen, wenn die Empfehlung zum Saisonabbruch abgesegnet wird, und glaube, die Vorlaufzeit wird lang genug sein. Wenn wir wissen, wann es voraussichtlich losgeht, werden wir uns dementsprechend vorbereiten. Die Vorbereitungszeit wird wahrscheinlich ein bisschen länger ausfallen als gewöhnlich.

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