Handball

„Erwartungen total erfüllt“: Hollenberg über seine neun HSG-Jahre

Volker Hollenberg war neun Jahre Trainer der HSG Ascheberg/Drensteinfurt. Foto: Siemund
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Volker Hollenberg war neun Jahre Trainer der HSG Ascheberg/Drensteinfurt.

Drensteinfurt – Neun Spielzeiten war Volker Hollenberg Trainer der HSG Ascheberg/Drensteinfurt. Im WA-Interview blickt der 54-Jährige auf seine Zeit bei der Handball-Spielgemeinschaft zurück und zieht Bilanz. „Es hat schon richtig Spaß gemacht“, sagt Hollenberg, übt aber auch Kritik.

Auch wenn die Saison nicht regulär beendet, sondern wegen der Covid-19-Pandemie abgebrochen wurde – die Handballer der HSG Ascheberg/Drensteinfurt haben einen großen Schritt nach vorne gemacht. Nach dem Abstieg aus der Bezirksliga im Jahr 2017 sowie den Plätzen acht und zehn in den vergangenen beiden Spielzeiten sprang diesmal Platz fünf in der Kreisliga Münster (Staffel 2) für die Mannschaft von Volker Hollenberg heraus. Durch die Quotientenregelung zog die HSG, die 16 der geplanten 24 Partien absolvierte, noch an Adler Münster vorbei. Im WA-Interview zieht Hollenberg Bilanz und blickt auf seine neun Jahre als Trainer der Männer zurück. Zur neuen Saison wird der 54-Jährige aus Lüdinghausen Coach des TV Kattenvenne im Kreis Steinfurt.

16 Spiele, zehn Siege, sechs Niederlagen: Wie fällt die Saisonbilanz aus?

Der neutrale Beobachter würde sagen, das ist positiv. Als Trainer sagt man ja, es hätte besser laufen können. Vermeidbar waren die Niederlagen, die wir auswärts kassiert haben bei vier Gegnern, die deutlich unter uns in der Tabelle stehen: in Vreden, in Ochtrup, in Gronau und im letzten Spiel in Havixbeck. Das durfte nicht passieren. Wir dürften nicht sechs Niederlagen, sondern nur zwei haben. Teilweise war die Mannschaft nicht komplett, letzten Endes hat es aber auch an der Einstellung, am Glauben, am Willen gefehlt. Es wäre drin gewesen, die Saison gnadenlos durchzuziehen. Dann ständen wir jetzt mit vier Minuspunkten ganz oben. Es ist schon eklatant, wenn wir zu Hause alles gewinnen, jede Mannschaft schlagen und teilweise supertollen Handball spielen und auswärts nicht. In Roxel und Senden kann man verlieren. Zu Hause gegen Senden haben wir es wieder geradegebogen. Ich glaube, wir hätten auch gegen Roxel die Möglichkeit gehabt, es wieder geradezubiegen.

Wie ärgerlich sind die erwähnten hauchdünnen Niederlagen, wenn man bedenkt, dass zwei Punkte mehr für eine Bezirksliga-Wildcard gereicht hätten?

Ganz bitter natürlich für Ascheberg/Drensteinfurt. Das ist vielen noch gar nicht klar: Wenn wir das letzte Spiel in Havixbeck gewonnen hätten, hätten wir aufgrund der Quotientenregelung auch eine Wildcard gekriegt. Und das Spiel zu verlieren (26:27/Anmerkung der Redaktion), war schon richtig schwer. Aber es ist wie es ist, dadurch spielt die HSG in der nächsten Saison weiter in der Kreisliga. Dass wir in eigener Halle fast alles relativ deutlich gewonnen haben, zeigt ja auch, dass wir nicht darüber sprechen müssen, dass wir mit Glück hätten noch was reißen können. Die Mannschaft hatte absolut das Potenzial, zusammen mit Roxel an der Tabellenspitze zu stehen.

Hätte die Spielgemeinschaft die Chance, in der nächsten Saison eine Liga höher zu spielen, überhaupt wahrgenommen?

Das kann ich nicht beurteilen. Ich habe mit keinem Verantwortlichen persönlich gesprochen. Ich habe mich mal kurz per SMS mit Oliver Sevenich (Torwart) ausgetauscht. Ich glaube aber, dass die neue Bezirksliga so, wie sich die Staffeln zusammensetzen werden – aus der jetzigen Bezirksliga haben alle ihre Wildcard in Anspruch genommen –, vom Niveau her nicht überragend gewesen wäre. Die HSG hätte mit Sicherheit die Möglichkeit habt, in der Bezirksliga mitzumischen. Das hätte den jüngeren Spielern noch mal einen Kick gegeben.

Noch mal zur schwachen Auswärtsbilanz: Mitte Januar gab es eine 31:32-Niederlage beim Tabellenvorletzten Vorwärts Gronau II, sechs Tage später einen 32:22-Sieg beim Tabellenzweiten Kinderhaus II. Wie erklärst du dir die starken Leistungsschwankungen?

Gerade auswärts war es so, dass wir nicht in der Lage waren, die Ausfälle wichtiger Spieler zu kompensieren. In Gronau zum Beispiel hat Finn Risthaus gefehlt. Da haben sich alle erst mal blöd angeguckt: Was machen wir jetzt ohne Finn? Wir haben ja Tore genug geworfen, kriegen aber mehr als 30 rein gegen so einen Gegner. Das heißt: Es lag nicht am Fehlen des Rückraumlinken, sondern daran, dass der Rest der Mannschaft nicht an den Sieg geglaubt hat. Und solch ein Spiel hatten wir auch ohne Matze (Matthias) Lohmann und eins ohne Alex Kramm. Auch wenn es Schöneres gibt als auswärts gegen Ochtrup, Gronau und Vreden zu spielen – wir hätten gewinnen müssen mit den Teams, die wir zur Verfügung hatten. Kurioserweise haben unsere Torhüter zu Hause Bombenleistungen gebracht und auswärts auch nicht in dem Maße.

Welche Spieler haben in der abgelaufenen Saison positiv überrascht?

Wer sowieso auf einem guten Weg ist, ist Finn Risthaus, der aus der A-Jugend hochgekommen ist. Er müsste sich – und das wird auch kommen in den nächsten Monaten und Jahren – von der Persönlichkeit noch mehr einbringen als Rückraumlinker. Er ist ein guter Handballer, und von daher ist die Erwartungshaltung auch da, dass er hier und da mal einen Ton sagt. Das muss mehr werden. Finn hat mich aber wirklich positiv überrascht. Weiterhin Alexander Kramm, der es trotz seines hohen Alters schafft, auf dem Niveau zu spielen. Und Matze Lohmann hat gegenüber der Saison zuvor noch mal draufgelegt, was die Abwehrarbeit angeht. Er hat erstmalig, seitdem er Handball spielt, im Mittelblock agiert. Das hat er super gemacht. Ich finde insgesamt hat jeder Spieler einen Schritt nach vorne gemacht. Die Truppe war schon gut. Wären die blöden Auswärtsspiele nicht gewesen.

Wie ärgerlich ist das abrupte Ende für dich?

Absolut richtig, auf einmal war alles vorbei. Die ganze Coronavirus-Thematik habe ich am Anfang in dem Umfang gar nicht so begriffen, was da alles dranhängt. So was hat meine Generation ja noch nicht mitgemacht. Von Woche zu Woche wurde einem mehr bewusst: Mensch, das ist eine heikle Geschichte. Handball trat völlig in den Hintergrund. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir eine Verabschiedung oder was auch immer stattfinden wird, auf irgendeine Art und Weise noch hinkriegen. Dafür kenne ich die Ascheberger zu gut, das werden sie auf keinen Fall unter den Tisch fallen lassen.

Neun Spielzeiten hast du die Männer der HSG Ascheberg/Drensteinfurt trainiert. Was bleibt hängen aus dieser Zeit?

Als ich zur HSG gewechselt bin, nachdem ich fast 14 Jahre in Senden als Trainer gewesen war, habe ich gehofft und hatte die Erwartung, dass es dort mindestens so familiär zugeht wie in Senden. Und genau das ist auch eingetreten. Ganz unaufgeregt sind die Leute, bodenständig. Nach drei verlorenen Spielen wurde nicht sofort Zirkus gemacht, sondern immer geguckt: Was geht, wo kommen wir her, wo wollen wir hin? Kate Mühlenbäumer (langjährige Abteilungsleiterin) sagte seinerzeit: Für Ascheberg sei nicht in Stein gemeißelt, dass das Team in der Bezirksliga spielt, es werde auch mal Dellen geben. Und die hatten wir auch vor drei Jahren, als wir aus der Bezirks- in die Kreisliga abgestiegen sind. Aber solche Dellen haben fast alle Vereine, und da muss man einfach ruhig bleiben. Das machen sie sensationell bei der HSG, das muss ich echt sagen. Das Drumherum ist natürlich auch cool. Wie viele Leute sich engagieren – da steckt schon eine Menge Herzblut drin. Von daher wurden meine Erwartungen total erfüllt und auch überfüllt. Es hat schon richtig Spaß gemacht.

Was traust du der HSG in den nächsten Jahren zu?

Ich kenne Heinz Huhnhold als Trainer mittlerweile ganz gut und glaube schon, dass er aus der Truppe alles rausholen wird. Automatisch ist es so: neuer Trainer, neue Reize. Die Truppe wird sich weiter steigern, davon bin ich überzeugt – immer davon abhängig, ob das Personal so zusammenbleibt.

Wann ist der Entschluss gereift, zum TV Kattenvenne zurückzukehren?

Erstmalig, dass ich meine Zeit bei der HSG beenden könnte, gab es den Gedanken im Dezember nach der völlig überflüssigen Niederlage in Ochtrup. Da kamen die ersten Zweifel auf. Ich habe an dem Abend noch ganz kurz mit dem Mannschaftsrat gesprochen und am Dienstag auch beim Training und habe gesagt: ,Mensch, da muss sich was ändern, wir schmeißen sonst eine gute Saison weg.‘ Nach zwei weiteren Gurkenspielen auswärts hatte ich das Gefühl, dass das, was ich anstrebe, was ich an Input gebe, nicht mehr so aufgenommen wird. Aus meiner Sicht hätten alle erkennen müssen, welch riesige Chance es in dieser Saison gab. Mitte Januar habe ich dann für mich entschieden, dass ich nicht weitermache. Da hatte ich aber noch nichts Neues. Der Kontakt zu Kattenvenne kam zustande, weil dort der Trainer Florian Schulte (geht zurück nach Havixveck) seinen Abschied angekündigt hatte und der Verein auf der Suche nach einem Nachfolger war. Ich habe früher selbst in Kattenvenne gespielt, kenne die DNA des Vereins. Es gibt Heimspiele vor 300 Zuschauern, und wenn sie nach Ostwestfalen fahren, nehmen sie auch noch zwei Busse mit. Es ist schon richtig geil, wie viele Leute da im Hintergrund arbeiten und alles mit Leben füllen. Außerdem ist meine Heimat in Ladbergen (zehn Kilometer entfernt von Kattenvenne). Meine Eltern wohnen dort, meine Geschwister auch. Daher sind wir sowieso oft genug in der Ecke. Das reizt mich einfach. Als alles klar war, habe ich Mitte Februar Carsten Gburek (Abteilungsleiter bei der HSG) informiert. Dann war das Thema für alle transparent.

Das letzte Spiel war am 8. März, das nächste in der Liga ist nicht vor September. Wie überbrückst du die Zeit?

Offiziell wollen wir am 1. Juni beginnen, das ist der Pfingstmontag. Je nachdem, was in Kattenvenne möglich ist, bin ich dabei, Trainingspläne zu schreiben. Wir könnten erst individuell, dann in Kleingruppen was machen. Wie das mit den Hallenzeiten wird, müssen wir abwarten. Es gibt aber auch ein gutes Umfeld mit einem Beachvolleyballplatz direkt an der Halle, wo man gut was machen kann.

Der TV Kattenvenne profitiert als Vorletzter der Landesliga-Staffel 2 davon, dass aufgrund der Ausnahmesituation keine Teams absteigen. Hätte das Team den Klassenerhalt auch aus eigener Kraft geschafft?

Bei dem Restprogramm wäre es schwer geworden, gar keine Frage. Aber sie hätten die Chance gehabt, von daher halte ich die Regelung für fair. Es ist eine junge Truppe ähnlich wie bei der HSG, die rennt und rennt, mit einem super Keeper hintendrin.

Rückkehr zum TV Kattenvenne

1985, im Alter von 19 Jahren, wechselte Volker Hollenberg als Spieler vom TSV Ladbergen zum TV Kattenvenne. „In dem Jahr sind die Kattenvenner in die Verbandsliga aufgestiegen“, erinnert sich Hollenberg. Bis 1991 spielte er beim TVK, drei Jahre in der Verbandsliga. „Es ging hoch bis Wilhelmshaven.“ Die Heimspiele fanden samstagabends vor 600 Zuschauern in der damals neuen Rotthalle in Ladbergen statt, weil die Halle in Kattenvenne zu klein war. (mak)

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