„Deutlich zu wenig geleistet“: Jungfermann zieht zum Abschied Bilanz

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Dominik Grünhagel (links) kam wie Luis Bertels und Michael Vogel auf 18 Einsätze für den SV Rinkerode – bei 19 Ligaspielen.

Rinkerode – Auch wenn der ganz große sportliche Erfolg ausgeblieben ist – Roland Jungfermann blickt alles in allem zufrieden auf seine drei Jahre als Trainer des Fußball-A-Kreisligisten SV Rinkerode zurück.

In der ersten Saison wurde sein Team Vizemeister und verpasste den Bezirksliga-Aufstieg knapp. In der zweiten sprang Platz sechs, in der letzten, die unterbrochen ist und höchstwahrscheinlich abgebrochen wird, aber nur Rang zwölf heraus.

Für Jungfermann ist die Spielzeit abgehakt. „Es macht keinen Sinn, jetzt noch mal anzufangen“, sagt der 54-Jährige, der zur neuen Saison zur Warendorfer SU in die Kreisstadt wechselt. Sollte der Verbandstag – die Entscheidung fällt am 9. Juni – der Empfehlung des Verbands-Fußball-Ausschusses wider Erwarten nicht folgen, gäbe es ein „Riesentheater“, ist er sich sicher.

Die Bilanz des SVR – 19 Spiele in der Kreisliga A2 Münster, sechs Siege, neun Niederlagen – sei „ein bisschen dünn“, sagt Jungfermann. Aber „dafür gibt es genügend Gründe: ein hoher Qualitätsverlust an Spielern vor der Saison und Personalmangel. Wenn alle Spieler dagewesen wären, wäre die Qualität ausreichend und die Mannschaft gut genug gewesen.“ Die Rinkeroder hätten in vielen Spielen improvisieren müssen. „Wir mussten Personalrochaden und Positionswechsel machen, sodass das Ganze nicht auf stabilen Füßen stand.“

Dass es bei einer Fortsetzung der Saison noch mal eng geworden wäre im Kampf gegen den Abstieg, glaubt Jungfermann nicht. „In der Rückrunde wären wir ein bisschen besser aufgestellt gewesen.“ Durch die Neuzugänge Alexander Kiel und Stefanos Vasilaras „hätten wir in der Offensive nachgelegt und mehr Durchschlagskraft gehabt“. Auch Nico Kreimer und Julian Vogt, die in der Hinserie nicht regelmäßig zur Verfügung standen, wären in der Rückrunde deutlich häufiger dabei gewesen. Jan Schulze Eißing wäre in der Schlussphase wieder dazugestoßen. „Das hätte uns gutgetan. Und das hätte die Mannschaft ganz gerne unter Beweis gestellt“, sagt Jungfermann.

Schulze Eißing überzeugt

Der Name Schulze Eißing fällt auch bei der Frage, welche Spieler ihn in der abgelaufenen Saison positiv überrascht hätten. „Jan hat in der Hinrunde die beständigste und beste Leistung abgerufen. Er war immer top in den Spielen“, lobt Jungfermann den Rinkeroder.

Negativ überrascht habe ihn ein Stück weit die Mannschaft. „Natürlich gibt es immer Gründe, mal zu fehlen. Die Spieler haben sich über die Personalsituation beschwert, haben es aber nicht geschafft, ihre Kameraden am Kragen zu packen und zu sagen: Du lässt uns jetzt gerade mal wieder hängen, du bist gerade mal wieder nicht da, du versuchst nicht alles abzurufen!“ Der Mannschaft fehle eine Hierarchie.

Jungfermann ist der Meinung: „Jeder hat eine Verantwortung, wenn er Mannschaftssport betreibt. Wenn ich mich irgendwo anschließe, habe ich mich dort auch zu 100 Prozent einzubringen. Die Erwartungshaltung an die Trainer ist immens hoch geworden, aber das Abrufen der Leistung und Zuverlässigkeit wird immer geringer. Das ist eine Diskrepanz, die es den Trainern und den Vereinen schwer macht.“ Und in dieser Hinsicht, findet der Münsteraner, habe die Mannschaft „deutlich zu wenig geleistet“.

Duelle mit Bösensell

Jungfermanns letzte Spiel war das 0:3 am 8. März gegen Bösensell – ein Gegner, gegen den sechs der jüngsten sieben Duelle verloren gingen, darunter das 3:4 nach Verlängerung im Entscheidungsspiel um die Meisterschaft am 30. Mai 2018. „Gerade im ersten und auch im zweiten Jahr waren es immer sehr schöne Duelle, auch wenn wir meist verloren haben“, sagt der Coach. Vorne habe Bösensell, das als Spitzenreiter in die Bezirksliga aufsteigt, Qualität. „Sie haben auch eine gewisse Robustheit und Konstanz in ihren Leistungen.“ Dennoch sei der SVB keine Übermannschaft gewesen. „Auch im letzten Spiel, in dem neun Leute aus dem Kader fehlten, haben wir nicht schlechter Fußball gespielt und trotzdem 0:3 verloren“, merkt Jungfermann an. Er habe auch gerne gegen Roxel II und Altenberge II gespielt, „weil das Mannschaften sind, die einem alles abverlangt haben“.

Drei Spielzeiten war der 54-Jährige Trainer in Rinkerode. Was bleibt hängen aus dieser Zeit? Der SVR „ist ein sehr herzlicher Verein, mit vielen Menschen, die unheimlich viel Arbeit leisten und für die Mannschaft tun“, sagt Roland Jungfermann. Als Beispiele nennt er Abteilungsleiter Burkhard Weber, den sportlichen Leiter Andreas Watermann, Peter Zillmann im Jugendbereich und Christian Lackhoff, der sich nicht nur als Betreuer der ersten Mannschaft engagiert. „Ich habe nie das Gefühl gehabt, dass Druck aufgebaut wurde – auch in schwierigen Phasen, die es zweifelsohne in den letzten zwei Jahren gab. Es kam nie ein falsches Wort rüber.“

Um sich wieder nach oben in der Tabelle zu orientieren, müsse der SVR versuchen, „zwei, drei erfahrene Spieler zu bekommen, die die junge Mannschaft führen und ihr in den Arsch treten, wenn es mal nicht so läuft“. Aus Jungfermanns Sicht ist es ohnehin eine große Herausforderung für Rinkerode, oben mitzuspielen und guten Fußball anzubieten – „für die Möglichkeiten, die es dort gibt“. Den Sprung in die Bezirksliga zu realisieren – so wie im Jahr 2013 –, sei eine „Mammutaufgabe“.

Abruptes Ende tut weh

Das abrupte Ende beim SVR ist für Jungfermann natürlich bitter. „Es ist nicht schön und tut weh, so einen Abschluss zu haben. Aber das trifft ja nicht nur mich, sondern viele Trainer und Spieler, die bei anderen Vereinen aufhören. Ich bin mir sicher, dass wir in irgendeiner Form was machen werden. Die Frage ist, wann das möglich ist.“

Jungfermann würde sich freuen, wenn er beim SVR nicht allzu schnell in Vergessenheit gerät. „Ich hoffe, dass ich und meine beiden Co-Trainer in der Zeit, Julian Spangenberg und Lennart Lüke, was hinterlassen, wo man sagen kann, die Mannschaft hat was mitgenommen.“

Was er mit der Warendorfer SU, die in der Kreisliga A1 Münster Tabellenvierter wurde, vorhat, „kann ich noch gar nicht genau beurteilen“. Der Verein habe Ambitionen, keine Frage, sagt Jungfermann. „Ambitionen habe ich auch, ich will auch jedes Spiel gewinnen.“ Zwei starke Mannschaften würden die Staffel A1 verlassen. „Vereine wie Sassenberg, Warendorf und Sendenhorst werden sicherlich als Favoriten gehandelt“, sagt Roland Jungfermann: „Wir werden mal gucken, ob wir dem gerecht werden können.“

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