Fußball

„Lehrreich“: Trainer Tenbrink über seine ersten Monate bei Fortuna

Trainer Michael Tenbrink mit Robin Vinnenberg – einem Spieler, der in der vergangenen Saison auf elf Liga-Einsätze kam und in dieser noch kein Mal gespielt hat.
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Trainer Michael Tenbrink mit Robin Vinnenberg – einem Spieler, der in der vergangenen Saison auf elf Liga-Einsätze kam und in dieser noch kein Mal gespielt hat. Foto: Kleineidam

Mit nur zwei Siegen aus sechs Spielen stehen die Fußballer von Fortuna Walstedde in der Kreisliga A Beckum auf Tabellenplatz neun. Michael Tenbrink ist trotzdem recht gelassen. „Ich bleibe dabei, dass noch gar nichts passiert ist“, sagt der Trainer im WA-Interview. Außerdem spricht er über seinen Start bei Fortuna und blickt auf die nächsten Monate.

Walstedde – Michael Tenbrink hat eine klare Meinung. Der Trainer der Kreisliga-A-Fußballer von Fortuna Walstedde ist dafür, auch im Dezember nicht zu spielen und die Meisterschaft erst im neuen Jahr fortzusetzen. „Ein Cut wäre konsequent. Dann gäbe es nicht mehr dieses Hickhack“, sagt der 51 Jahre alte Ahlener. Im Interview mit dem WA spricht der selbstständige Verhaltenstrainer auch über seinen Start bei Fortuna, zieht eine sportliche Zwischenbilanz und blickt auf die nächsten Monate.

Wie waren die ersten vier Monate als Trainer der Fortunen – die Ergebnisse mal nicht berücksichtigt?
Lehrreich. Dinge, die ich erwartet hatte, habe ich teilweise vorgefunden, teilweise aber auch nicht. Menschlich und charakterlich, muss ich ehrlich sagen, sind die Mannschaft und das Umfeld klasse. Die Vorbereitung war von der Bereitschaft und der Beteiligung auch sehr gut, die Jungs haben prima mitgezogen. Da gibt es überhaupt nichts zu beanstanden – auch, was die letztjährigen Ergebnisse und Platzierungen anbetraf. Nur hat sich die Mannschaftsstruktur geändert, und pünktlich zum Saisonbeginn fing es an mit den Ausfällen. Es gibt ein paar Jungs, die weggebrochen sind aufgrund von Verletzungen, ein paar, die wieder herangekommen sind und sich wieder verletzt haben, und welche, die chronisch verletzt sind. So hat sich die ganze Statik gehörig verändert. Es gab kein Fundament von vier, fünf, sechs Spielern. Ich musste Woche für Woche gucken, dass ich Trainingsinhalte daraufhin abstimme, dass es auf drei, vier Positionen in der Startelf Wechsel gibt und auch Jungs spielen, die in der vergangenen Saison ein bisschen hinten dran waren. Deswegen war es lehrreich und für mich ein spannender Prozess. Was funktioniert? Was kann ich voraussetzen? Wem kann ich was zutrauen?
Zum Sportlichen: Nach sechs Spielen hat Fortuna sieben Punkte und ist Tabellenneunter. Wie fällt die Zwischenbilanz aus?
Wenn man die Umstände berücksichtigt, die ich erwähnt habe, ist es okay. An manchen Tagen geht es gut wie zu Hause im Pokal gegen Oelde (5:3/Anmerkung der Redaktion) und in der Liga in Oelde (4:0-Sieg), als wir es richtig ordentlich hingekriegt haben. Und an machen Tagen geht es nicht so gut wie zum Beispiel gegen Lette (2:5).  Ich glaube, wenn wir frühzeitig mit fitten oder relativ fitten Spielern – den Northoffs auf den Außenpositionen, Brillowski und Robin Lange im zentralen Bereich und Joel Lange – gespielt hätten, hätten wir den einen oder anderen Punkt mehr und es sähe besser aus. Aber es ist, wie es ist. Im Nacken hängen mir einfach noch die drei verlorenen Punkte vom Heimspiel gegen Vellern (0:1). Das ist was, über das ich heute noch nicht hinwegkomme. Das Spiel darf Vellern nie gewinnen. Hätten wir die drei Punkte mehr, wären wir bei zehn und Tabellensechster. So sind wir ein bisschen in der Schieflage. Das ist für mich, und ich denke mal für die Jungs auch, nicht befriedigend – wohlwissend, dass noch nicht viel passiert ist. Wenn überhaupt noch was passiert.
Gutes Stichwort. Für den Dezember stehen drei Spiele auf dem Plan: gegen den SuS Ennigerloh, in Stromberg und bei Aramäer Ahlen. Gehst du davon aus, dass auch die ausfallen werden?
Ja. Ich bin in regelmäßigem Kontakt mit anderen Trainern – auch im Jugendbereich. Unter anderem nach Hamm und Ahlen, zu Rot Weiss Ahlen. Wir sind eigentlich alle d’accord, dass es wenig zielführend wäre, die Saison im Dezember fortzusetzen. Wir hatten das Training konsequenterweise schon eingestellt, bevor rausgegeben wurde, die Sportvereine sollten das Training einstellen. Wenn es bis Ende November so bliebe, wäre die Mannschaft fünf, sechs Wochen aus dem Trainingsbetrieb raus. Dann würde es keinen Sinn machen, am 6. Dezember gegen Ennigerloh zu spielen. Aus Trainersicht müsste man erst mal zwei, drei Wochen eine Mini-Vorbereitung machen.
Vier Nachholspiele und insgesamt 22 Partien sind bis Juni zu absolvieren. Kann das funktionieren?
Theoretisch schon, wenn man sechs, sieben englische Wochen reinpackt. Aber so wie ich es verstanden habe, ist man – was ich auch richtig finde – geneigt zu sagen, wir machen bis Februar, März eine Pause und gucken, wie sich die Dinge entwickeln. Dann hätte man noch vier Monate Zeit, die verbleibenden acht Spiele durchzukriegen, um in die Wertigkeit zu kommen.
Also hältst du es am wahrscheinlichsten, dass nur die Hinserie ausgetragen und gewertet wird?
Ich halte es nicht nur am wahrscheinlichsten, sondern auch für die effektivste und sinnvollste Lösung. Auch aus der Sicht des Menschen Michael Tenbrink wäre ein Cut am besten und konsequent. Dann gäbe es nicht mehr dieses Hickhack. Jeder wüsste Bescheid, jeder könnte sich um seine Familie, seine Gesundheit, seinen Beruf, seine Existenz kümmern.
Was ist für Walstedde nach oben noch möglich?
Ich bleibe dabei, dass noch gar nichts passiert ist. Ich erhoffe mir, dass wir uns den einen oder anderen Platz verbessern. Das müsste drin sein. Wichtig ist aber, dass sich langsam ein Gerüst in der Mannschaft findet, das stabil ist. Dass man Woche für Woche größtenteils mit dem gleichen Personal planen kann und nicht mehr ständig Umstellungen vornehmen muss.
Wie es diese Saison sportlich weitergeht, ist ungewiss. Hast du dir denn schon Gedanken über die nächste Spielzeit gemacht?
Nein. Bislang war ja von vorne bis hinten nichts ansatzweise normal in dieser Saison. Deswegen habe ich noch genügend zu tun damit, die Eindrücke zu sammeln und zu analysieren. Vielleicht habe ich anfangs auch zu viel verlangt. Daher gucke ich noch nicht auf die nächste Saison.
Also wird es die Gespräche mit den Verantwortlichen von Fortuna im Winter geben?
Ich weiß es nicht, wann der Verein das vorhat. Aus meiner Sicht gibt es aktuell nichts Essenzielles. Unterhalten haben wir uns aber schon darüber, was perspektivisch neue Spieler betrifft. Wer eventuell angesprochen werden soll und wer das macht. Bislang bin ich immer auf offene Ohren beim Vorstand gestoßen. Es wird offen miteinander umgegangen, positiv wie negativ können Dinge angesprochen werden. Das klappt bis jetzt wunderbar. Deswegen macht es mir Spaß. Alles weitere wird man sehen.

--- Die Kreisliga A Beckum ---

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