Voltigieren

Sieg bei Westfälischen Meisterschaften für Goroncy „etwas ganz Besonderes“

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Westfälischer Junior-Meister: Philip Goroncy, Voltigierer aus Drensteinfurt.

Drensteinfurt – Turnerisch-gymnastische Übungen – für Philip Goroncy kein Problem. Der 16-Jährige setzt noch einen drauf. Er führt die Übungen auf dem Pferd aus. Der Drensteinfurter voltigiert seit fast einem Jahrzehnt und darf sich seit Kurzem Westfälischer Meister der Junioren nennen.

Wie die meisten Jungen hat sich Philip Goroncy in seiner Kindheit im Fußball ausprobiert. „Es hat mich nicht gereizt“, erinnert er sich, „ich war nur kurz beim SV Drensteinfurt.“ Er interessierte sich schon früh für Pferde. „Wir hatten immer Pferde auf dem Hof“, sagt der 16-Jährige, der mit seinem Vater, seinem Bruder und den Großeltern in der Bauerschaft Averdung wohnt. „Erst wollte ich anfangen zu reiten, aber meine Mutter hat gesagt, ich solle es erst mal mit Voltigieren probieren.“ Der Grund: „Beim Reiten hat man selbst die Kontrolle übers Pferd, beim Voltigieren turnt man mit dem Pferd, aber die Kontrolle hat der Longenführer“, erklärt Philip. Was für ihn das Reizvolle an dem Sport ist? „Die Zusammenarbeit mit dem Pferd ist nicht ein-, sondern vielseitig, und es gibt viele unterschiedliche Übungen.“

Im Alter von sieben Jahren wurde er Mitglied beim RV Drensteinfurt. Dort trainierte er eifrig auf den Vereinspferden, sammelte Wettkampferfahrungen und feierte Erfolge. Die größten waren Platz drei bei den Westfälischen Meisterschaften mit der Mannschaft 2017 und die Teilnahme am Fünf-Länder-Vergleichswettkampf (5LVW) im gleichen Jahr. Der RVD startete im saarländischen Heiligenwald für das zweitplatzierte Team Westfalen.

Seit Ende 2018 beim RFV Herbern

2018 fuhr Philip zweigleisig. Zum einen trainierte er beim RFV „von Nagel“ in Herbern mit, zum anderen mit der Gruppe weiter in Drensteinfurt. „Der Fokus liegt mittlerweile auf dem Einzelvoltigieren“, sagt der Schüler, der nach dem Abschluss an der Realschule St. Martin in Sendenhorst und den Sommerferien ans Kardinal-von-Galen-Gymnasium Hiltrup wechselt, um sein Abitur zu machen.

Ende des vergangenen Jahres wechselte Philip nach Herbern, weil dort die Möglichkeiten größer seien als beim RVD. Zum Training fährt er gemeinsam mit seinem Coach Theo Hölscher aus Ameke, abgeholt wird er nach den Einheiten in der Reithalle in Herbern von seinem Vater (Fritz Goroncy) oder seinem 19 Jahre alten Bruder (ebenfalls Fritz). „Mein Bruder ist recht neutral, was das Voltigieren angeht, und fährt auch mit zu Turnieren. Mein Vater ist sehr interessiert und bei den Turnieren immer dabei, wenn es die Zeit zulässt.“

Vier Trainingseinheiten pro Woche 

Apropos Zeit: Viermal pro Woche wird trainiert, pro Einheit eineinhalb bis zwei Stunden. „Zweimal Einzel-, zweimal Gruppentraining“, präzisiert Philip. Das Juniorteam Herberns, die erste Mannschaft, nimmt üblicherweise auf S-Niveau an den Turnieren teil, ein Start bei Meisterschaften sei aktuell aber nicht möglich, weil das Pferd zu Beginn des Jahres gestorben ist. „Die Pferdesuche ist schwierig“, erklärt der 16-Jährige. „Wir haben zwar ein neues, aber das muss noch antrainiert werden.“

Die Erfolge in seiner ersten Saison als Einzelstarter können sich sehen lassen. Beim Preis der Besten Ende Mai in Warendorf, der neben den deutschen Meisterschaften der wichtigste Nachwuchswettbewerb bei den Pferdesportlern ist und der ersten Sichtung für die Europameisterschaften dient, schaffte es Philip nach der erfolgreichen Regionalsichtung in der Altersklasse U18 vor über 200 Zuschauern auf den dritten Platz. Dabei musste er verletzungsbedingt auf sein Pferd „Camarro S“, das Hölscher gehört, verzichten. Antje Döhnert vom Reitverein Wehdem-Oppendorf stellte kurzerhand ihr Pferd „Hendrikx“ zur Verfügung.

DM-Start Mitte September

Mit dem startete der junge Stewwerter auch bei den Westfälischen Junior-Meisterschaften in Brakel (Kreis Höxter) – und sicherte sich auf Anhieb den Sieg. Drei Konkurrenten ließ Philip hinter sich. Zum Vergleich: Am Titelkampf der Voltigiererinnen nahmen 22 Sportlerinnen teil. Nach seinem Sieg in Brakel nominierte der Pferdesportverband Westfalen den 16-Jährigen für die Deutschen Jugendmeisterschaften, die vom 12. bis 15. September in Krumke (Sachsen-Anhalt) stattfinden werden. Für die Nominierung sind nicht nur Erfolge wichtig, sondern es sind auch gewisse Kriterien zu erfüllen.

„Der Sieg bei den Westfälischen Meisterschaften in meiner ersten Einzel-Saison ist schon etwas ganz Besonderes“, freut sich Philip – und fiebert dem nächsten Höhepunkt in Krumke bereits entgegen. Dort wird der Kreis der Rivalen etwas größer sein. „Zehn bis zwölf Herren werden starten“, schätzt der Drensteinfurter, der dem zweiten Bundeskader der Junioren angehört.

Start bei EM „wäre cool“

Große sportliche Ziele hat Philip (noch) nicht. „Die Konkurrenz ist stark“, begründet er. „Bei der Europameisterschaft zu starten, wäre cool, aber ich will mich nicht unter Druck setzen.“ Auch beruflich hat der Schüler noch nichts Konkretes ins Auge gefasst. „Vielleicht ein Studium, aber ich habe ja noch drei Jahre Zeit“, sagt er.

In seiner Freizeit trifft er sich mit Freunden, geht ins Freibad. Aktuell nutzt er die Ferien, um im Garten- und Landschaftsbaubetrieb seines Vaters mitzuhelfen. „Und ich kann mehr trainieren“, sagt er. „Man muss im Voltigieren viel trainieren, um herauszustechen.“ Das ist Philip Goroncy bislang ganz gut gelungen.

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