Fußball

1000 Spiele geleitet: Berkemeier erfahrener Schiedsrichter mit „dickem Fell“

Seit mittlerweile 30 Jahren ist Peter Berkemeier von Fortuna Walstedde Schiedsrichter. Rund 1000 Fußballspiele hat er gepfiffen.
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Seit mittlerweile 30 Jahren ist Peter Berkemeier von Fortuna Walstedde Schiedsrichter. Rund 1000 Fußballspiele hat er gepfiffen.

So richtig Lust hat er nicht mehr. Doch einfach aufhören kann er auch nicht. Seit mittlerweile 30 Jahren ist Peter Berkemeier Schiedsrichter. Rund 1000 Fußballspiele hat der Walstedder bislang gepfiffen – und dabei viel erlebt, viel gelacht und sich einiges anhören müssen.

Walstedde – Zunächst war Peter Berkemeier selbst aktiver, aber kein begnadeter Fußballer, wie er selbst sagt, und lief für Fortuna Walstedde auf. „Ich habe mir zweimal das Schienbein gebrochen und darum aufgehört. Es hat keinen Sinn gemacht“, blickt der 53-Jährige zurück.

Dass er 1991 Schiedsrichter wurde, war dem Zufall geschuldet. „Ich wollte das eigentlich gar nicht.“ Berkemeier brachte eine Fußballerin von Fortuna, die kein Auto hatte, von Stewwert zum Anwärterlehrgang nach Beckum. „Ich habe sie begleitet und den Schein gleich mitgemacht“ – an sechs Abenden. „Am letzten hat sie abgesagt und ich die Prüfung bestanden.“

Relativ schnell leitete der damals 24-Jährige Partien in der Kreisliga A. Im zweiten Jahr war er bereits in der Bezirksliga im Einsatz. „Dort habe ich 17 Jahre gepfiffen“, sagt Berkemeier und ergänzt: „Das war eine schöne Zeit mit guten und attraktiven Spielen.“ Als Assistent agierte er auch an der Linie – in der Landes- und in der Westfalenliga. „Wir haben lustige Sonntage verbracht als Gespann.“ Doch die Zeiten hätten sich geändert. „Wenn ich heute nach dem Spiel eine Wurst angeboten kriege, bin ich schon zufrieden.“ Zuletzt wurde er hauptsächlich für Begegnungen in den Kreisligen A Unna/Hamm und Beckum angesetzt.

Schätzungsweise 1000 Spiele gepfiffen

Vor Beginn der Pandemie hat der gebürtige Walstedder, der als Tischler arbeitet und im Lambertusdorf als „Pitto“ bekannt ist, mehr als 30 Spiele pro Saison geleitet. Insgesamt kommt er nach 30 Jahren schätzungsweise auf circa 1000 Einsätze als Schiedsrichter. War ein besonderes Spiel darunter? „Du erinnerst dich in erster Linie an Spiele, wo es spektakulär, außergewöhnlich war“, sagt Peter Berkemeier. In Erinnerung geblieben ist unter anderem ein Spitzenspiel in der Bezirksliga mit Davaria Davensberg vor über 1000 Zuschauern. „14 Gelbe und drei Gelb-Rote Karten in einem Spiel – das gab es auch mal.“

Von Fehlern freisprechen kann sich natürlich auch Berkemeier nicht. Er habe auch Entscheidungen getroffen, die sich im Nachhinein als falsch herausstellten. „Wenn du zu früh Gelbe Karten zeigst, dann kann dir das Spiel aus der Hand gleiten.“

Du musst dir einiges gefallen lassen. Im Dortmunder Kreis lernst du immer was dazu, dort gibt es Exemplare, die alles besser wissen.

Peter Berkemeier

Brenzlige Situationen, was Bedrohungen und Gewalt gegenüber Schiedsrichtern betrifft, habe es bei ihm in all den Jahren nicht gegeben. „Ich habe ein dickes Fell“, sagt der 53-Jährige. Dennoch kritisiert er das Verhalten der Vereine und Zuschauer den Unparteiischen gegenüber. „Du musst dir einiges gefallen lassen. Im Dortmunder Kreis lernst du immer was dazu, dort gibt es Exemplare, die alles besser wissen“, berichtet er und betont: „Wenn man verbal beleidigt, muss man sich nicht wundern, dass es keine neuen Schiedsrichter gibt.“ Berkemeier wünscht sich mehr Zuvorkommenheit: „Einfach mal ein freundliches Wort – das tut ja nicht weh!“

Als Schiedsrichter-Obmann ist er mit dem Ist-Zustand bei Fortuna Walstedde zufrieden. „Auf jeden Fall.“ Der Sportverein hat vier Referees Neben Berkemeier gehören Bernd Maack und Kenan Büyükyonca aus Ahlen sowie Frank Deselaers aus Hamm, ehemaliger Trainer der zweiten Seniorenmannschaft, zum Team. „Man kann sich auf sie verlassen“, sagt Berkemeier. Junge Leute für den Job an der Pfeife zu begeistern, sei aus vielerlei Gründen dagegen schwierig.

--- Die Schiedsrichter beim SV Rinkerode ---

Vom Verein gibt es einmal im Jahr eine Art Aufwandsentschädigung für die Schiedsrichter. „Meist zu Weihnachten“, sagt der Obmann. „Sie müssen sich ja auch die Kluft kaufen. Aber du kannst besser den Schiedsrichtern Geld geben als an den Kreis zu zahlen.“ Mit Ordnungsgeldern, die pro Quartal fällig werden, wenn ein Verein zu wenig Unparteiische stellt, hat Fortuna nichts oder nur wenig zu tun. Umso wichtiger sei es, die Leute bei Laune zu halten. „Wir müssen sie unterstützen, da soll es nicht an einem Abendessen scheitern.“ Zurzeit hat das Quartett von Fortuna nur wenig Kontakt. Über Whatsapp gar nicht. „Wir telefonieren ganz westfälisch“, sagt Berkemeier.

Zuletzt war er im Oktober des vergangenen Jahres kurz vor dem erneuten Lockdown im Einsatz – als Schiedsrichter eines Duells im FLVW-Kreis Gütersloh. „Da war ein bisschen Pfeffer drin“, sagt Berkemeier. Trotzdem vermisst er während der Corona-Pause nichts. Auf die Frage, ob ihm etwas fehle, antwortet er: „Eigentlich nicht so viel. Und ich befürchte, dass es mehrere so sehen.“

Söhne spielen für Fortuna

Die freie Zeit seit dem Herbst nutzt der Walstedder unter anderem für Gartenarbeit. Seine Familie – die beiden Jungen werden 2021/2022 in der A-Jugend von Fortuna spielen – freut sich, dass sie sonntags mehr zusammen unternehmen kann. Ehefrau Anja hatte sich längst daran gewöhnt, dass ihr Mann an den Wochenenden – manchmal aus samstags – mehrere Stunden unterwegs war. „Ich kenne es nicht anders“, sagt sie. Wobei Peter Berkemeier anmerkt: „Das Pfeifen kam, bevor ich meine Frau 1993 kennengelernt habe.“

Eigentlich wollte der 53-Jährige längst als Schiedsrichter aufhören und Jüngere für die Arbeit als Referee motivieren. „Mir reicht es eigentlich“, sagt er. „Man hat ja auch noch andere Hobbys.“ Berkemeier engagiert sich im Bürgerschützenverein Walstedde (siehe Infokasten) und geht ab und zu angeln.

Vogelbauer, 2013 König und seit 2017 Oberst

Peter „Pitto“ Berkemeier engagiert sich nicht nur als Schiedsrichter für den Sportverein Fortuna Walstedde, sondern auch schon lange für den Bürgerschützenverein Walstedde. Seit 1997 baut er den Vogel fürs traditionelle Schießen. „Wenn du das einmal anfängst, wirst du es nicht mehr los“, sagt er. 2013 regierten Peter und Anja Berkemeier als Königspaar, seit 2017 ist der Walstedder Oberst der Bürgerschützen.

Peter Berkemeier als Oberst der Bürgerschützen Walstedde

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