Mit Manuel Neuer in der Westfalenauswahl: Fortunas Trainer Sascha Boenki

Sascha Boenki ist 34 Jahre alt, wohnt seit 2018 in Walstedde und engagiert sich für die Fortuna. Foto: Kleineidam
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Sascha Boenki ist 34 Jahre alt, wohnt seit 2018 in Walstedde und engagiert sich für die Fortuna.

Walstedde – Zugezogenen wird oft vorgeworfen, sie würden sich kaum integrieren. Ein gutes Gegenbeispiel ist Sascha Boenki. Der 34-Jährige, der mit seiner Frau Veronika seit 2018 in Walstedde wohnt, fühlt sich wohl im Lambertusdorf – und engagiert sich seit dieser Saison als Trainer bei Fortuna.

In seiner Jugend lief Boenki selbst auf – und zwar für namhafte Vereine. Als C- und B-Junior trug er die Trikots von Borussia Dortmund und Arminia Bielefeld und spielte eigenen Angaben zufolge unter anderem in der höchsten U17-Liga. Zudem gehörte der Rechtsfuß, der in der Viererkette als Außenverteidiger agierte, drei Jahre zur Westfalenauswahl (U15, U16, U17). Einer seiner Teamkollegen war Anfang der 2000er Jahre Manuel Neuer. Der heutige Nationaltorwart vom FC Bayern München war damals Keeper beim FC Schalke 04.

Als Seniorenfußballer kämpfte Boenki für den SV 26 Heessen (heute SVE Heessen) in der Landesliga um Punkte. Während des Studiums zog er nach Bochum und ging im Ruhrgebiet seinem Hobby nach, im Anschluss kickte er wieder für Heessen.

Aus Bockum-Hövel zog der Informatiker, der für eine Bank in Münster arbeitet, im Sommer 2018 nach Walstedde – ins Eigenheim. Seine Frau stammt gebürtig aus Ibbenbüren, mit ihr lebt er seit zehn Jahren zusammen.

Schwere Verletzung beendet Laufbahn

Mitglied bei Fortuna ist Boenki ebenfalls seit 2018. „Es ist das Einfachste, Leute kennenzulernen, wenn man sich einer Fußballmannschaft anschließt“, sagt er. Er schloss sich der Zweitvertretung an, sein Trainer war Peter Janssen. „Ich wurde herzlich aufgenommen.“ Extrem viel Zeit ließ er sich bis zu seinem ersten Einsatz. Am vierten Spieltag der Kreisliga B Beckum gab er im Auswärtsspiel bei DJK Vorwärts Ahlen II sein Debüt für die Walstedder. Doch das dauerte nicht lange. „Ich habe mir die Achillessehne gerissen und gerade mal zehn Minuten gespielt“, erinnert sich Boenki an sein erstes und zugleich auch letztes Spiel für die Fortunen am 2. September 2018. Immerhin gewann sein Team nach einem 0:2-Rückstand noch 3:2.

Urlaub fällt wegen Verletzung flach

Zu allem Übel zog er sich die Verletzung eine Woche vor dem geplanten Urlaub zu. Seine Frau hatte ihn noch gewarnt. „Ich habe gesagt: Lass es sein, mache dein erstes Spiel nach dem Urlaub!“, erzählt Veronika Boenki. Ihr Mann wurde bereits einen Tag nach der Partie operiert, zog für ein paar Tage wieder bei seinen Eltern ein und ließ sich „ein bisschen“ von seinem Vater pflegen. Sie flog stattdessen mit ihrer Schwiegermutter für zehn Tage nach Ägypten.

Seine Laufbahn als aktiver Fußballer gab Sascha Boenki zwangsweise auf. Doch jeden Abend auf der Couch sitzen, das konnte er auch nicht. „Nach einem Dreivierteljahr habe ich gemerkt, dass irgendetwas fehlt.“ Weil er Lust hatte, eine Mannschaft im Jugendbereich zu trainieren, rief er Hermann Tiggemann an. Beim Geschäftsführer der Fortunen rannte er offene Türen ein.

Ohne Schein, aber mit Erfahrung

Seit dem Sommer 2019 kümmert sich Boenki um die U13 – ohne Trainerschein, aber mit durchaus viel Erfahrung. „Die D- und die C-Jugend ist das goldene Lernalter, von daher war der Einstieg bei den D-Junioren für mich perfekt“, sagt der 34-Jährige. „Ich versuche, sehr viel taktisch zu machen, und will, dass wir als Mannschaft funktionieren.“

Die Zusammenarbeit mit dem Co-Trainer Paul Junfermann sowie den Betreuern Christian Oberwald, Dominik Pollmeier und Thomas Rohling, deren Söhne in der U13 spielen, funktioniere gut. „Das Team ist super“, sagt Boenki. Die Betreuer und die Eltern erledigen die Aufgaben drumherum, also das Organisatorische, „ich kann mich voll und ganz auf Fußball konzentrieren.“

Zehn Partien stehen noch aus

Die Herbstrunde schlossen Fortunas D-Junioren – der Kader umfasst zwölf Spieler – mit vier Siegen und sechs Niederlagen ab. Die Meisterrunde verpassten sie als Tabellensiebter. „Wir hätten drei Monate mehr Zeit mit den Jungs gebraucht“, erklärt Boenki. „In der Winterpause haben wir dann gut und hart gearbeitet. Die Ansage war ganz klar: Wir wollen weiter oben stehen.“

Mit einem torlosen Remis gegen Germania Lette startete die U13 vor vier Wochen in die Sonderrunde. „Dann kam Corona“, sagt Boenki. Am 12. März war die letzte Trainingseinheit mit Hagel, Wind und Regen, einen Tag später setzte der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) den Spielbetrieb wegen Covid-19 aus. Zehn Partien hat Fortunas Nachwuchs noch zu absolvieren. Umso bitterer ist die Unterbrechung der Saison, dem womöglich sogar ein Abbruch folgt. „Die Runde fängt gerade erst an, und die Jungs haben Bock, Fußball zu spielen, dürfen das, was sie am liebsten tun, aber nicht mehr machen“, sagt der Coach. Allerdings unterstreicht er auch: „Sicherheit geht vor.“

Boenki legt viel Wert auf Disziplin

Sich selbst beschreibt Sascha Boenki als „ruhigen Trainertyp“. Er erkläre lieber zehnmal als einmal zu schreien. „Als Spieler habe ich extrem viel Druck mitbekommen. Das will ich auf keinen Fall weitergeben.“ Die nötige Konsequenz sei aber wichtig, „damit die Jungs mir nicht auf der Nase herumtanzen. Ich fordere, dass sie sich beim Training konzentrieren, und muss schon mal einschreiten, wenn es nicht klappt. Disziplin gehört eben auch dazu, darauf lege ich viel Wert.“

Alles in allem sagt Boenki, der seit Januar Vater einer Tochter ist: „Der Verein hat es mir leicht gemacht, mich zu integrieren. Ich habe mich vom ersten Moment an wohlgefühlt.“ Auch Veronika Boenki, die Handballerin war und hin und wieder auf dem Fußballplatz vorbeischaut, profitiert vom Engagement ihres Mannes. Sie sagt: „Ich merke, dass er ausgeglichener ist, wenn er rauskommt.“

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