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Ruhe nach „Paukenschlag“ - Oliver Logermann genießt fußballfreie Zeit

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Von: Rainer Gudra

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Trainer Oliver Logermann steht am Spielfeldrand
Oliver Logermann als Trainer des SV Drensteinfurt. © Kleineidam

Zum Start in die Vorbereitung auf die zweite Serie standen sich jüngst mit dem SV Drensteinfurt und dem BSV Roxel jene Fußballvereine gegenüber, die Oliver Logermann in seiner bisherigen Trainerlaufbahn betreut hat.

Drensteinfurt - Angeschaut hat er sich im Erlfeld das torreiche Testspiel (3:3) allerdings nicht. „Ich genieße im Moment meine fußballfreie Zeit“, sagt der (noch) 37-Jährige, der bis Mitte Dezember 2022 bei den Münsteraner Vorstädtern in der Verantwortung stand und dann beim Landesligisten unerwartet – trotz Vertragslaufzeit bis 2024 – ausgestiegen und seither ohne Trainerjob ist. Zuvor war Logermann von 2012 bis Mitte 2021 für die erste Mannschaft des SVD als Spieler, Co-Trainer und schließlich Cheftrainer aktiv. Größter Erfolg: der Aufstieg in die Landesliga in der Corona-Abbruchsaison 2019/20, dies gemeinsam mit der SG Bockum-Hövel. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich am Anfang nie im Leben gedacht hätte, dass ich so lange bei dem Verein bleibe“, hatte er bei seinem Abschied vom SVD gesagt.

Lage schwer einzuschätzen

Inzwischen ist die Verbindung nicht mehr so intensiv. „Ich habe noch ein bisschen Kontakt mit dem einen oder anderen Spieler, und habe mir das Freitagabend-Spiel gegen Hilbeck angeschaut. Aber die Mannschaft hat sich schon sehr verändert; es hat einen Umbruch gegeben, seit ich dort weg bin“, sagt Logermann. Insofern sei es für ihn auch schwer einzuschätzen, ob der SVD in der Bezirksliga 7 unter Neu-Trainer Peter Lohrmann das Klassenziel erreichen wird. „Ohne Spiele gesehen zu haben: Es ist eine gute Liga und die Aufgabe ganz bestimmt nicht einfach. Ich drücke ihnen die Daumen.“ Dass sein ehemaliger Roxeler Schützling Diogo Castro, ein 32-jähriger Stürmer, in der Winterpause zum SVD gewechselt ist, sieht Logermann sehr positiv: „Jorgo wird der Mannschaft definitiv gut tun.“

Raus aus der Komfortzone

Und auch für seine Ex-Schützlinge aus Münster hofft der frühere Mittelfeldspieler, „dass sie den Turnaround schaffen und nicht absteigen.“ Logermann hatte nach der 0:3-Niederlage bei Westfalia Gemen am 1. Dezember seinen Rücktritt erklärt. „Es kam da relativ viel zusammen, viele Verletzte, kein Spielglück“, sagt er. Und wohl auch einige Spieler, deren Einstellung zur ungewohnten sportlichen Situation nicht passte. Mit dem „Paukenschlag“, wie die Westfälischen Nachrichten seinen Abgang werteten, habe er für neue Impulse sorgen und die Mannschaft aus der Komfortzone herausholen wollen. Als Liga-14. Stehen die Roxeler auf einem Abstiegsplatz – eigentlich da, wo vor der Saison eher Gemen erwartet worden war, das wiederum auf Rang drei liegt. In einem Bereich also, den Logermann mit seinem Team angestrebt hatte. „Es ist eine verrückte Liga, in der jeder jeden schlagen kann“, sagt er.

Mehr Zeit für das Private

Nun ist er erst einmal in der Situation, viel Zeit für das Private zu haben und nicht an vier, fünf Tagen auf oder neben dem Platz stehen zu müssen. „So eine Pause kann auch ganz schön sein. Für die Rückrunde war klar, dass ich nur Sachen machen würde, die auch wirklich passen“, sagt er. Einige Anfragen habe es gegeben, und bei einer sei es für ihn auch zu einer 50:50-Entscheidung gekommen – letztlich gegen den Fußball. „Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent“, sagt Logermann, doch die kann er nach einer Meniskus-OP derzeit nicht leisten. „Ich mache Reha, halte mich selbst ein bisschen fit. Aber wenn ich auf dem Platz stehe, dann will ich auch den einen oder anderen Spaß noch selbst mitmachen: mal einen Tunnel stecken oder so…“

17 U-Spiele für Deutschland

Dass er da zumindest technisch noch mitmachen kann, steht außer Frage. Schließlich absolvierte er 17 Spiele für deutsche U-Nationalmannschaften, das erste davon bei einem Dreiländerturnier in der Schweiz. „Da waren schon ein paar schöne Auslandsreisen dabei“, erinnert sich Logermann, der fußballerisch bei Borussia Dortmund ausgebildet wurde und in den DFB-Teams gemeinsam mit späteren Größen wie Lukas Podolski, Mario Gomez oder René Adler spielte. „Aber mein Körper war für den Profisport nicht gemacht“, sagt er. Kurz vor dem ersten Profivertrag bekam er Leistenprobleme und eine Schambeinentzündung, „da wollte der Verein erst einmal abwarten.“ Und gab ihn an Preußen Münster ab, wo die gleichen gesundheitlichen Probleme erneut aufgetaucht sind: „Ich habe mich dann gegen den Profisport entschieden, bin zu Emsdetten 05 in die Oberliga und habe dort eine Ausbildung begonnen.“ Zwar habe es später noch einige Anfragen aus der 3. Liga gegeben, doch Logermann behielt seine berufliche Laufbahn im Blick und arbeitet heute als Kaufmann bei einer Versicherung in Münster.

Es darf auch ein Bezirksligist sein

Wenn er seinen nächsten Vertrag bei einem Verein unterschreibt, dann muss es nicht zwingend ein Westfalen- oder Oberligist sein. „Wenn das Drumherum passt, kann es auch ein ambitionierter Bezirksligist sein“, sagt er. Und es muss nicht zwingend ein Trainerjob sein – vielleicht einer in der Sportlichen Leitung oder im Scouting. Talente hat er im Blick. Vorteil für ihn: „Dann hätte ich mehr Zeit für die eine oder andere Sache.“

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