SVR-Trainer Jungfermann stellt Einheiten für Spieler zusammen

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Nicht mehr lange Trainer des SV Rinkerode: Roland Jungfermann.

Rinkerode – Nach der Saison, die wegen Covid-19 unterbrochen ist und womöglich abgebrochen wird, verlässt Roland Jungfermann den Fußball-A-Kreisligisten SV Rinkerode. Im WA-Interview spricht der Trainer über die außergewöhnliche Situation. „Die Sicherheit ist ein wenig verloren gegangen“, sagt er.

Wenn Roland Jungfermann mit seinem Hund spazieren geht, sind die beiden zurzeit manchmal allein auf der Straße unterwegs. „Es herrscht tote Hose“, sagt der Trainer des Fußball-A-Kreisligisten SV Rinkerode. Das Gute daran: „Die Münsteraner scheinen sich der Verantwortung bewusst zu sein.“ Die Verantwortung als Coach beim SVR gibt Jungfermann spätestens im Sommer ab, er wechselt nach drei Jahren zur ambitionierten Warendorfer SU. Wird die Saison fortgesetzt, haben die Rinkeroder noch elf Spiele zu absolvieren. Ansonsten gibt es für Jungfermann, der bei den Franziskanerinnen in Münster arbeitet, ein jähes Ende. Im Interview mit dem WA spricht er über die aktuelle Situation, das alternative Sportprogramm beim SVR und darüber, ob es weitergeht oder nicht.

Wie trifft dich die Coronavirus-Pandemie persönlich? Gibt es Fälle im Bekanntenkreis, gibt es beruflich Einschränkungen und was hat sich im privaten Bereich verändert?

Bei uns in der Familie und im Bekanntenkreis ist, was das Virus betrifft, noch nichts vorgefallen. Da ich ja direkt neben einem Krankenhaus arbeite, ist natürlich bei uns im Haus auch sehr viel Vorsicht angesagt. Unsere Ordensschwestern haben eine Ausgangssperre. Sie dürfen sich nur innerhalb des Klosters und auf dem Gelände aufhalten. Überall gibt es Desinfektionsmittel, überall soll man sich die Hände waschen. Das wird schon großgeschrieben. Aber ansonsten schränkt es mich beruflich noch gar nicht ein. Natürlich habe ich im Moment keine Fahrten, bei denen ich die Ordensschwestern von A nach B bringe – in den Urlaub, zu den Ärzten oder zu Exerzitien. Aber ich bin noch in der Haustechnik beschäftigt und betreue weiterhin den Fuhrpark. Privat hat die Kontaktsperre natürlich Auswirkungen. Man darf ja froh sein, wenn man ein Häuschen hat, wenn man sich bewegen kann. Mit unserem Hund kann ich natürlich viel machen. Ich hatte in der vergangenen Woche Urlaub, den ich noch aufgebraucht habe, und habe ein bisschen renoviert, weil unsere Tochter ausgezogen ist. Da war ich beschäftigt. Trotzdem fehlt der Fußball, ganz klar.

Wie sehr schmerzt es denn, dass der Spielbetrieb bis auf Weiteres unterbrochen ist?

Natürlich fehlen der Rhythmus und der normale Tagesablauf. Ein strukturelles Leben bringt einem ja auch eine gewisse Sicherheit. Und die ist im Moment ein wenig verloren gegangen. Es ist ja nicht nur der Fußball, der fehlt, sondern es fehlen auch die sozialen Kontakte, die man sonst hat. Das ist vielleicht noch viel schlimmer. Fußball ist ja nicht nur, zum Training zu fahren, den Jungs zu sagen, was sie zu tun haben, und Gas zu geben, sondern auch abseits des Platzes was zu unternehmen. Das macht es doppelt schwer.

Die üblichen Trainingseinheiten und Spiele fallen aus, was steht stattdessen an? Haben die Spieler Aufgaben für die außergewöhnliche Zeit bekommen?

Ich schreibe den Jungs zweimal in der Woche etwas auf und stelle es in die WhatsApp-Gruppe. Ich gebe ihnen ein paar Laufeinheiten und andere Sachen mit auf den Weg, die sie machen können (ein Beispiel am Ende des Artikels). Ich kann natürlich keinen dazu zwingen und kann es auch nicht überprüfen. Es ist ein Angebot, ein Denkanstoß. Wir legen nahe, eigenverantwortlich zu trainieren, und hoffen auf den sportlichen Ehrgeiz der Spieler.

Wie bleibt die Mannschaft während der Pause in Kontakt – in erster Linie über WhatsApp oder auch telefonisch?

Wenn, dann über WhatsApp. Es ist gerade aber kein großer Austausch in der Gruppe. Was willst du austauschen? Ein paar lustige Bilder und solche Sachen werden mal reingestellt. Dass man großartig kommuniziert, ist nicht der Fall. Die Jungs können sich jetzt auf die Dinge besinnen, die sonst zu kurz kommen. Sie können mehr fürs Abitur, fürs Studium, für die Ausbildung machen.

Eine Einschätzung bitte: Wird die Saison fortgesetzt oder endgültig beendet?

Ganz schwierig. Wenn die Kontaktsperre aufgehoben wird, kann ich mir durchaus vorstellen, dass es mit englischen Wochen weitergeht – eventuell unter Auflagen, dass Ordner gestellt werden und die Zuschauer genügend Abstand halten müssen. Sollte die Saison abgebrochen werden, wäre es für die Mannschaften, die nicht absteigen können, ein positiver Effekt, für viele andere – wie bei uns in der Liga Bösensell – aber dramatisch, wenn die Ergebnisse annulliert würden und sie dadurch nicht aufsteigen. Grundsätzlich ist es müßig, darüber nachzudenken, was passiert. Es gibt so viele mögliche Szenarien. Ich habe auf jeden Fall die Hoffnung, dass die Saison fortgesetzt wird. Es wäre schade, wenn es so zu Ende gehen würde. Ich glaube, dass keiner ahnen konnte, dass sich die Situation so entwickelt. Die Fachleute im Amateurbereich werden versuchen, das Optimum herauszuholen. Eine vernünftige, gerechte Regelung zu finden, ist das Schwierigste überhaupt.

Wird die Saison abgebrochen, wäre das Spiel gegen Bösensell (0:3) das letzte für dich als Trainer des SVR gewesen.

Das wäre schon blöd. Ich habe mich bis jetzt immer ganz gerne bei den Vereinen verabschiedet und bedankt für die Zeit, in der ich da war. Wenn das nun nicht stattfinden würde, wäre es für mich persönlich sehr schade.

Für Dienstag, 7. April, hatte SVR-Trainer Roland Jungfermann seinen Jungs folgendes Trainingsprogramm zusammengestellt:

  • 15 Minuten Dauerlauf
  • dehnen
  • 5 Minuten Dauerlauf
  • aus dem Liegestütz in den Strecksprung, 20-mal
  • 10 Minuten Dauerlauf
  • 5 Minuten Stabilisationsübungen
  • 3 Minuten lockerer Dauerlauf
  • zirka 30 Meter spurten
  • 3 Minuten lockerer Dauerlauf
  • zirka 40 Meter spurten
  • 3 Minuten lockerer Dauerlauf
  • zirka 50 Meter spurten
  • 5 Minuten locker auslaufen

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