Roland Böckmann über Problemfans, Pyrotechnik und Präventivmaßnahmen

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Wird es ein friedliches Derby zwischen dem SC Preußen Münster und dem VfL Osnabrück?

MÜNSTER ▪ Roland Böckmann arbeitet seit dem Jahr 2002 nebenberuflich als Sicherheitsbeauftragter beim SC Preußen Münster. Bei Heimspielen des Fußball-Drittligisten hat der 43-Jährige alle Hände voll zu tun – vor allem an diesem Samstag (Anstoß 14 Uhr) beim Derby gegen den Rivalen VfL Osnabrück.

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„Als Sicherheitsbeauftragter arbeitet man in einer großen Schnittstelle zwischen Fans, Zuschauern, Polizei, Feuerwehr, Rettungskräften, Sicherheitsleuten und Geschäftsstellenmitarbeiter“, erklärt Böckmann. Sein Arbeitstag beginnt an Spieltagen in der Regel mit einem Stadionrundgang um 10 Uhr und endet ungefähr sieben Stunden später, wenn der letzte Zuschauer das Preußenstadion verlassen hat. WA-Mitarbeiter Matthias Kleineidam sprach mit Böckmann über Problemfans, Pyrotechnik und Präventivmaßnahmen.

Vor zwei Wochen kam es beim Heimspiel des Oberligisten Rot Weiss Ahlen gegen Westfalia Herne zu Ausschreitungen. Fans ließen auf den Platz, das Spiel musste unterbrochen werden. Wie bewerten Sie die Ausschreitungen in Ahlen?

Böckmann:Das ist ein absolutes Horrorszenario. Da müssen sich alle Beteiligten die Frage gefallen lassen, ob sie die Situation im Vorfeld richtig eingeschätzt haben.

Gibt es bei Preußen Münster gewaltbereite Gruppierungen innerhalb der Fanszene?

Böckmann: Ja, die gibt es ganz sicher. Wir haben das Problem, dass wir Leute im Stadion haben, die unter bestimmten Umständen zu gewalttätigen Aktionen neigen. Man muss aber unterscheiden zwischen gewaltbereiten und gewaltsuchenden Fans.

Es kommen also auch Personen ins Preußenstadion, die keine Fans sind und eigentlich nur randalieren wollen?

Böckmann:Auf jeden Fall. Aber nur zu ausgesuchten Highlights.Und so eins ist sicherlich das Spiel gegen den VfL Osnabrück. Diese Leute nutzen die große Bühne, um sich zu zeigen, zu provozieren und gezielt auseinanderzusetzen.

Pyrotechnik, Böller oder Handgreiflichkeiten: Kam es in letzter Zeit zu Ausschreitungen im Stadion an der Hammer Straße?

Böckmann:Wir hatten in dieser Saison schon des Öfteren mit Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz zu tun. Dabei ging es um das Zünden von Pyrotechnik. Böllerwürfe und Handgreiflichkeiten gab es bislang keine.

Was unternimmt der Verein, um derartigen Vorfällen vorzubeugen?

Böckmann:Wir reden sehr viel mit den Fangruppierungen. Denn erstens ist das Zünden von pyrotechnischen Gegenständen im Stadion verboten und zweitens kostet es den Verein eine ganze Stange Geld. Wir wollen in den Gesprächen bei den Ultras ein Bewusstsein erzeugen, damit sie das Zünden unterlassen. Natürlich gibt es bei uns auch Eingangskontrollen. Außerdem kann der Verein Strafen verhängen.

Wie geht der SCP denn gegen Krawallmacher im eigenen Fanlager vor?

Böckmann:Mit Stadionverboten, die wir auch aussprechen. Zum Beispiel, wenn jemand bei einer verbotenen Aktion beobachtet oder gefilmt wurde. Momentan gibt es zirka 35 bundesweite Stadionverbote gegen Preußen-Fans, die nicht nur von unserem Verein, sondern auch von anderen verhängt wurden. Zudem gibt es die Möglichkeit, Choreografien oder das Mitbringen von Fahnen zu verbieten oder zumindest einzuschränken.

Wie arbeiten Sie mit den Fanbeauftragten zusammen?

Böckmann:Wir haben einen guten Austausch, kommunizieren viel. Bei Heim- und Auswärtsspielen sind wir ständig zusammen.

Beim Auswärtsspiel in Osnabrück kam es im September 2011 zu schweren Ausschreitungen. Polizisten wurden durch einen Böllerwurf zum Teil schwer verletzt. Am 1. März kommt es zum nächsten Aufeinandertreffen der Rivalen. Welche besonderen Maßnahmen werden vor, während und nach Derbys ergriffen?

Böckmann:Das ist ein Spiel mit erheblichem Sicherheitsrisiko, das vom DFB auch so eingestuft wird. Deshalb bereiten wir uns mit größtmöglicher Sorgfalt auf das Derby vor. Es gibt mehrere Vorbesprechungen. Wir arbeiten eng mit Polizei, Ordnungskräften und den Stadtwerken (deren Busse bringen die Fans zum Stadion/Anm. d. Red.) zusammen und gehen sämtliche Szenarien durch, um richtig reagieren zu können.

Wie viel Geld investieren die Preußen pro Saison in die Sicherheit im Stadion?

Böckmann:Einen mittelgroßen sechsstelligen Betrag. ▪ mak

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