Konferenz des FLVW-Kreises

„Prävention gegen Missbrauch“: 90 Minuten für den Kinderschutz

Irmi Venschott, Präventionsbeauftragte des FLVW-Kreises Münster.
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Irmi Venschott, Präventionsbeauftragte des FLVW-Kreises Münster.

Der FLVW-Kreis Münster hat die lange Pause einmal mehr genutzt, um mit den Vereinen digital ins Gespräch zu kommen. Nach dem allgemeinen Austausch über die aktuelle Lage unter dem Motto „Lasst uns über Fußball reden“ stand das Thema „Prävention gegen den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen“ auf der Agenda. 

Drensteinfurt/Rinkerode/Münster – In 90 Minuten plus Nachspielzeit wurde ausgiebig informiert, im Anschluss wurden alle Fragen der knapp 70 Teilnehmer beantwortet.

Der Kreisvorsitzende Norbert Krevert erläuterte zu Beginn den hohen Stellenwert des sensiblen Themas und untermauerte ambitionierte Ziele: „Der Kreis Münster hat das ehrgeizige Ziel, Themen wie Missbrauch, Gewalt und Rassismus aufzugreifen, um diese gemeinsam mit Ihnen aus unseren Vereinen zu verbannen und diesen keinen Raum zu geben. Und wenn dann doch mal ein Fall auftritt, ist das richtige Handeln ein ganz wichtiger Faktor. Daher sind Abende wie diese so enorm wichtig für die Vereinsarbeit.“

Beauftragte pro Verein

Ab der neuen Saison soll jeder Verein – zum FLVW-Kreis zählen auch der SV Drensteinfurt und der SV Rinkerode – einen Präventionsbeauftragten stellen, damit ein Netzwerk geschaffen wird und sich alle Vereine unterstützen können. „Bei diesem Thema gibt es nur ein Miteinander“, so Krevert.

Der Vorsitzende lobte den „unermüdlichen Einsatz“ von Irmi Venschott, die sich seit 2016 intensiv mit dem Thema „Missbrauch im Sport“ befasse und seit 2019 als Präventionsbeauftragte für den FLVW-Kreis agiert: „Irmi hat es geschafft, ein Tabuthema zu brechen. Es lässt sich nicht messen, wie viele Kinder schon geschützt wurden und noch werden, weil Irmi nicht müde wird, dieses so wichtige Thema immer wieder in den Fokus zu rücken und laut darüber zu reden.“

Präventionsexpertin Venschott

Der Hauptteil des Abends bestand aus dem 45-minütigen Vortrag von Venschott. Sie informierte fachkundig über Warnsignale und Hilfsangebote, aber auch darüber, wie das Tätigkeitsprofil eines Präventionsbeauftragten im Verein aussieht. „Wenn ein Verdachtsfall besteht oder ein Fall eintritt, ist es wichtig, sich externe Hilfe zu holen“, so die Präventionsexpertin. Zudem sei es wichtig, dass Vereine dieses Thema offensiv aufgreifen. „Es geht nicht darum, Trainer und Betreuer unter Generalverdacht zu stellen“, sagte Venschott und führte mahnend fort: „Potenzielle Täter suchen ihre Opfer in Vereinen und da, wo sich Kinder und generell Minderjährige aufhalten. Daher müssen wir alle stets wachsam sein.“ Tipps gab sie auch bei der Auswahl von Personal: „Viele Vereine verlangen ein polizeiliches Führungszeugnis der Übungsleiter, was ich sehr begrüße und allen Vereinen dringend empfehlen möchte.“ Ernüchternd stellte Venschott allerdings auch fest, dass die besten Präventionsmaßnahmen keine Garantie seien, derartige Straftaten zu verhindern. „Glauben Sie mir“, versicherte Venschott, „niemand von Ihnen möchte miterleben, wie belastend es ist, wenn doch mal im eigenen Verein ein Fall von Missbrauch bekannt wird. Da kommt man emotional an seine Grenzen.“

Abgerundet wurde der Abend durch aufschlussreiche Gastbeiträge von Reinhard Zumdick vom Kommissariat für Prävention und Opferschutz sowie von Maike Neuer vom Kinderschutzbund. Beide berichteten von der Arbeit aus der Praxis und welche Unterstützung die Polizei und der Kinderschutzbund anbieten, wenn Verdachts- oder gar Missbrauchsfälle auftreten. Zumdick war mal Trainer der ersten Fußballmannschaft beim SV Drensteinfurt.

Online-Seminar

Damit sich die Präventionsbeauftragten der Vereine entsprechend schulen und qualifizieren können, wird ein Online-Seminar „Ausbildung zum/zur Schutzbeauftragten im Kinder-Jugendbereich für Vereine“ vom Bundesverband für Gewaltprävention „Selbstbewusst & Stark e.V.“ angeboten. Das Seminar findet am Samstag, 20. März, in der Zeit von 9 bis 12 Uhr statt, die Teilnahme kostet 78 Euro. Ab zehn Personen reduziert sich der Beitrag. Nach der Schulung erhalten die Teilnehmer ein Zertifikat und einen Leitfaden. Anmeldungen bis zum 25. Februar per E-Mail an irmi@venschott.net.

„Auch wenn man im Rahmen der virtuellen Veranstaltung die Gesichter der Teilnehmer nicht sehen konnte, so war deutlich spürbar, dass dieses Thema alle Teilnehmer emotional berührt und der Kampf gegen den Missbrauch im Sport einen weiteren Schritt in die richtige Richtung gemacht hat“, sagte Krevert.

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