Frauenfußball

Coach Averkamp im Interview über seinen Abschied und Ambitionen

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Martin Averkamp, hier bei einer Unterbrechung im Bezirksliga-Heimspiel der Walstedderinnen gegen den VfB Börnig, führte die Fußballerinnen der Fortuna mit 14 Punkten aus den elf Partien nach der Winterpause zum Klassenerhalt.

Walstedde - Mit 14 Punkten aus den elf Partien unter seiner Regie hat Martin Averkamp die Bezirksliga-Fußballerinnen von Fortuna Walstedde zum Klassenerhalt geführt. „Alles hat prima geklappt. Ich bin rundum zufrieden“, sagt der 48-Jährige im Interview mit dem WA.

Als Tabellenzehnter und mit exakt der gleichen Punktzahl wie ein Jahr zuvor haben die Fußballerinnen der Fortuna die Saison beendet und den Klassenerhalt geschafft. Damit beginnt im Sommer die fünfte Bezirksliga-Saison für Walstedde. Matthias Kleineidam unterhielt sich mit Martin Averkamp (48 Jahre), der im Winter den Job des entlassenen Daniel Stratmann übernommen hatte, über seine Zeit als Interimscoach, die eklatante Auswärtsschwäche des Teams, seinen Abschied und seine Trainerambitionen.

Mission erfüllt, oder? 

Ja, genau. Alles hat prima geklappt. Ich bin rundum zufrieden, kann ich nicht anders sagen.

Nach 15 Spielen hatte die Fortuna erst 15 Punkte. In den elf Partien, in denen du das Sagen hattest, sind 14 Zähler dazugekommen. Zufrieden mit der Ausbeute? 

Grundsätzlich ist das schon sehr zufriedenstellend. Ich hatte ja vorher gesagt: Zwölf bis 14 Punkte müssen wir holen, dann bleiben wir auf jeden Fall drin. Das haben wir geschafft. Es wäre natürlich schön gewesen, wir hätten auswärts auch mal ein Spiel gewonnen. Zu Hause haben wir dafür überzeugt.

Gibt es denn eine Erklärung dafür, dass die Walstedderinnen in ihren Heimspielen (25 von 39 möglichen Punkten) Bezirksliga-Niveau gezeigt, auswärts (4) aber wie ein Kreisligist gespielt haben? 

Nein, ich kann‘s mir auch nicht erklären. Wir haben uns auf die Auswärtsspiele genauso vorbereitet wie auf die Spiele zu Hause. Das Problem ist einfach: Die Mädels knicken zu sehr ein auswärts, lassen zu schnell den Kopf hängen und liegen dann oft zur Halbzeitpause deutlich hinten. Dass wir gegen jede Mannschaft mithalten können, haben wir zu Hause gezeigt. Selbst gegen den SC Union Bergen aus Bochum (Vizemeister/Anmerkung der Redaktion), bei dem wir 1:7 verloren haben, hatten wir das Hinspiel gewonnen (3:2). 

Was hat dich in deiner Zeit als Übergangstrainer am meisten geärgert? 

Das Unentschieden in Hamm (beim Vorletzten und späteren Absteiger). Dass wir in der 85. Minute mit 3:1 in Führung gehen und dann noch 3:3 spielen. Da hatten wir drei Punkte fest eingeplant. Wir wären sonst mit zwei Siegen ins Jahr gestartet und hätten es danach einfacher haben können.

„Wir dürfen nicht so viele Gegentore kriegen“, hattest du bei deiner Vorstellung als Interimscoach Ende Januar gesagt. Nach der Winterpause sind es noch mehr Gegentreffer geworden – durchschnittlich 2,8 pro Partie (2,4 vorher). Was sind die Gründe? 

Das liegt natürlich an den Auswärtsergebnissen. Da haben wir uns zweimal ordentlich einen abgeholt – beim 1:5 in Wickede und beim 1:7 gegen Bochum-Bergen. Letzteres war absolut gerechtfertigt. Wir hatten wenig Leute an dem Wochenende. Für mich war das die beste Mannschaft, gegen die wir gespielt haben. Das Problem war die Torfolge. Wir haben immer sehr geballt die Tore kassiert. Du spielt 20, 25 Minuten gut mit und dann liegst du innerhalb von kurzer Zeit 0:2, 0:3 hinten. Das kann ich nicht nachvollziehen. Wenn es nicht läuft, bricht die Truppe zu schnell auseinander. Und sie ist defensiv einfach noch nicht stabil genug, hat Probleme mit der Körperlichkeit bei langen Bällen, ist in den Zweikämpfen sehr anfällig. Daran müssen die Mädels arbeiten. Wenn sie das in den Griff kriegen, dann spielen sie auch oben mit, weil sie nach vorne hin so gewaltig gut sind und immer Tore schießen. Wir haben nur ein einziges Spiel gehabt, in dem wir aus dem Spiel heraus kein Tor geschossen haben.

Fällt dir der Abschied schwer? 

Ein klares Jein (lacht). Nein, weil es von vornherein klar war, dass mein Engagement zeitlich begrenzt ist. Ja, weil es super Spaß gemacht hat. Es ist eine ganz tolle Truppe. Was ein bisschen bemerkenswert war: Wir haben uns wirklich vom ersten Moment an super verstanden, die Chemie stimme hundertprozentig. Es war ein ganz toller Zusammenhalt. Daher fällt es schon schwer.

Was traust du deinem Nachfolger Holger Kürpick zu?

Dass er die Mannschaft weiterentwickeln kann, weil sie das auch will und so zusammenbleibt. Es kommen sogar ein, zwei Leute hinzu. Und dann hoffe ich, dass sie sich nicht nur in der Bezirksliga etabliert, sondern auch eine ruhigere Saison spielt. Man darf nicht vergessen, dass wir im Jahr davor eigentlich sportlich abgestiegen waren (Viertletzter geworden, aber die Klasse gehalten, weil der Vizemeister Hammer SpVg zwangsabsteigen musste). Wir haben uns verbessert und sind sportlich dringeblieben. Daran müssen die Mädels jetzt anknüpfen.

Wie sieht es mit deinen Ambitionen als Trainer aus? 

Im Moment gibt es erst mal nichts, mal abwarten. Lust hätte ich wohl, was zu machen. Aber ich bin total hin- und hergerissen. Weil du sonntags immer unterwegs bist, leidet anderes. Jetzt erst mal wieder in den Alten Herren kicken und dort ein bisschen Betreuer machen.

Wenn du wieder einsteigen würdest, lieber bei den Männern oder bei den Frauen? 

Das wäre mir egal.

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