Tennisklubs hoffen auf einen Kerber-Kick

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Mit Schampus feierte Angelique Kerber ihren Erfolg bei den Australian Open – den größten ihrer Karriere.

Drensteinfurt/Rinkerode/Walstedde - Können die heimischen Tennisvereine vom Triumph Angelique Kerbers profitieren?

Angelique Kerber ist die neue Tennis-Königin Deutschlands. Mit ihrem überraschenden Triumph im Finale der Australian Open gegen Serena Williams hat sie für den ersten Grand-Slam-Sieg einer deutschen Spielerin seit 17 Jahren (Steffi Graf/1999) gesorgt. Der WA hat bei den heimischen Tennisvereinen nachgefragt, ob die neue Weltranglistenzweite einen Hype ausgelöst hat und inwieweit die kleinen Klubs davon profitieren können.

Gerhard Herrmann, der Geschäftsführer des TC Drensteinfurt, hofft natürlich auf einen Kerber-Kick für die Sportart, die seit Jahren mit sinkenden Aktivenzahlen kämpft. Im Bereich des Westfälischen Tennis-Verbandes (WTV) verringerte sich die Mitgliederzahl laut Herrmann zuletzt um 1,7 Prozent pro Jahr. Der Stewwerter hat das Endspiel im Urlaub in Österreich vor dem Fernseher verfolgt. „Ein ganz tolles Match“, sagt Herrmann. Im Verein unterhalte und freue man sich über den Erfolg, „aber ich befürchte, dass der große Schwung ausbleibt“. Nur wenn Kerber (28 Jahre) oder andere deutsche Spielerinnen wie die Nachwuchshoffnung Anna-Lena Friedsam (22) weiter für Furore sorgen, könne es einen nachhaltigen Effekt geben – „aber das wird ein bisschen dauern“. An die Glanzzeiten von Boris Becker (sechs Grand-Slam-Turniere gewonnen) und Steffi Graf (22 Siege) würden Kerber und Co sowieso nicht heranreichen können. Der TCD hat zurzeit 287 Mitglieder, darunter 100 Kinder und Jugendliche. Vor fünf Jahren waren es Herrmann zufolge noch rund 340 Mitglieder. Verlängerte Schulzeiten und die vielen Angebote im Sport würden den Tennisvereinen Probleme bereiten, sagt der Geschäftsführer. „Wir kämpfen mit Tennis-AGs gegen den Mitgliederschwund.“

Gegen den Trend stemmt sich der TC Rinkerode. Dort schrumpft die Zahl der Mitglieder – momentan sind es 210 – nicht. „Allerdings könnten wir im Jugendbereich mehr Mitglieder vertragen“, sagt der 1. Sportwart Frank Pinnekamp. 54 Kinder und Jugendliche sind Mitglied, durch verschiedene Aktionen an den Schulen und im Kita-Bereich seien aber 70, 80 im Training. „Jugendliche sind durch solche Erfolge eher zu begeistern. Wir erhoffen uns, dass der Zulauf in diesem Jahr höher ist als in den vergangenen.“ Allerdings ist auch Pinnekamp skeptisch, was die Nachhaltigkeit des Triumphs von „Sympathieträgerin“ Kerber angeht. Nachdem Sabine Lisicki 2013 das Finale von Wimbledon erreicht hatte, sei die Euphorie schnell wieder abgeebbt.

Die Tennisabteilung von Fortuna Walstedde hatte 2011 noch 140 Mitglieder. Die Zahl ist mittlerweile auf 91 gesunken. Umso mehr freut sich der 1. Vorsitzende Werner Pollmüller über derartige Erfolge. „Wenn Tennis im Fernsehen zu sehen ist, profitieren wir immer davon“ – auch wenn die Spiele der Australien Open „nur“ bei Eurosport und nicht im Öffentlich-Rechtlichen liefen. Und ein Finalsieg gebe grundsätzlich einen Schub für den Sport, so Pollmüller. Auch die Fortunen leiden unter Nachwuchsmangel. Zurzeit spielen 17 Kinder und Jugendliche in Walstedde im Verein Tennis. „Ganz gut“, so der Abteilungsvorsitzende, laufe die Tennis-AG an der Grundschule. Um die etwa 20 Mädchen und Jungen kümmert sich der 1. Jugendwart Guido Joka. „Jedes Jahr wechseln fünf, sechs davon in die Abteilung“, erläutert Pollmüller. Außerdem bieten die Fortunen Schnupperkurse an. Und „im Jugendbereich harmonieren wir mit dem TC Drensteinfurt hervorragend“, sagt Werner Pollmüller, der selbst in einem Herrenteam des TCD spielt.

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