Fußball

Anfangs war es Neuland für den Routinier Jörg Raabe-Staljan

Sein Debüt als Trainer des A-Kreisligisten Rinkerode gab Jörg Raabe-Staljan Ende Juli beim Test gegen Telgte.
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Sein Debüt als Trainer des A-Kreisligisten Rinkerode gab Jörg Raabe-Staljan Ende Juli beim Test gegen die SG Telgte.

Seit dieser Saison sind Jörg Raabe-Staljan und Sven Kuschel als gleichberechtigtes Trainerduo für die erste Fußballmannschaft des SV Rinkerode verantwortlich. Die Zusammenarbeit funktioniere reibungslos, sagt Raabe-Staljan. Seine Laufbahn begonnen hat der 52 Jahre alte Ex-Spieler als Co-Trainer der Minikicker.

Rinkerode – Für Jörg Raabe-Staljan kam es anders als geplant. „Meine Ambitionen waren nie, Seniorentrainer zu werden. Das muss ich ehrlich sagen.“ Eigentlich hatte der ehemalige Spieler gemeinsam mit Sven Kuschel überlegt, irgendwann mal im Jugendbereich eine ambitionierte, überkreisliche Mannschaft zu trainieren. „Deswegen habe ich auch einen Trainerschein gemacht“, sagt Raabe-Staljan. Doch dann kam im Winter 2019/20 die Anfrage des SV Rinkerode, nachdem der damalige Coach Roland Jungfermann bekannt gegeben hatte, dass er den Verein verlässt. Raabe-Staljan und Kuschel gaben ihr Okay und sind seit dem Sommer als gleichberechtigtes Duo für einen „kompletten Neuaufbau“ beim A-Kreisligisten zuständig.

Wie er die ersten Monate als Trainer der ersten Mannschaft erlebt hat? „Wir haben so viele neue Spieler bekommen. Insgesamt hatten wir mit den A-Jugendlichen elf neue Leute im Sommer“, sagt der 52-Jährige. Es sei interessant und spannend gewesen, die alle zu integrieren. „Und für mich selber war es ja auch Neuland. Das hat echt Spaß gemacht.“ Zu der Zeit sei die Trainingsbeteiligung auch noch sehr hoch gewesen. „Mit zwei Trainern waren wir direkt gut aufgestellt. Du kannst zwei Gruppen machen, kannst alle sehen, keiner kann sich verstecken. Man lernt sich auch schnell gut kennen“, erzählt Raabe-Staljan von seinen ersten Erfahrungen als Seniorencoach.

Die Zusammenarbeit mit Sven Kuschel funktioniert reibungslos. „Ich gehe mit Sven fast immer konform, wir sind meist einer Meinung“, sagt Raabe-Staljan, der seit fast 20 Jahren in Rinkerode wohnt, verheiratet ist und fünf Kinder hat, darunter drei Töchter. „Klar gibt es Sachen, die er anders sieht als ich, aber wir einigen uns immer irgendwie. Das ist auch wichtig.“

Seinen ersten Trainerschein hat Raabe-Staljan vor drei Jahren gemacht, seit Kurzem ist er im Besitz der B-Lizenz. Die Ausbildung sei interessant und Corona-bedingt „sehr geballt“ gewesen. „Im März war ich beim Trainerlehrgang in Kaiserau, der wurde aber erst mal unterbrochen“, berichtet er. Im September konnte die Ausbildung beendet werden.

Start als Co-Trainer der Minikicker

Trainer einer Mannschaft war Jörg Raabe-Staljan über den „üblichen Weg“ geworden. „Ich habe vor acht Jahren angefangen – erst mal als Co-Trainer der Minikicker. Weil mein Sohn Jarno in der Mannschaft gespielt hat, habe ich ausgeholfen. Nach drei Monaten war ich Haupttrainer, und dann bin ich irgendwie hängen geblieben. Seitdem bin ich Trainer bei der gleichen Mannschaft.“ Aktuell coacht er die C2 der JSG Rinkerode/Albersloh, sein Sohn ist Torwart.

Trainer der U15- und der U17-Mädchen war Raabe-Staljan beim SVR ebenfalls und kümmerte sich dabei auch um seine jüngste Tochter Kim-Marie. Sie hat in der vergangenen Saison noch für Rinkerode gespielt und ist zur DJK GW Amelsbüren gewechselt. Mit Kim-Marie läuft Jörg Raabe-Staljan zwischendurch auch mal, um während des Lockdowns nicht einzurosten. Berufsbedingt muss er sich sowieso fit halten, er arbeitet als Polizeibeamter bei der Kriminalpolizei Münster. Und Mitglied bei den Alten Herren des SVR ist der ehemalige Bezirksliga-Fußballer (siehe Infokasten) natürlich auch.. „Wenn wir mal spielen, spiele ich mit“, sagt Raabe-Staljan. „Wir wollen auch mal wieder ein bisschen mehr spielen demnächst.“ Die Rinkeroder werden eine Spielgemeinschaft mit GW Albersloh bilden, „damit wir wenigstens eine Truppe stellen können“.

Selbst lange aktiv

Bei Borussia Münster hat Jörg Raabe-Staljan die komplette Jugend als Fußballer durchlaufen. Jeweils fünf Jahre lief er für die Senioren von Grün-Weiß Albersloh und der SG Sendenhorst auf. Für Sendenhorst spielte er unter Trainer Willi Kofoet (verstorben) in der Bezirksliga. Teamkollegen waren unter anderem Wolfram Buttermann und Werner Budt, die heute den Alten Herren der SG angehören. „Wir waren echt gut“, erinnert sich Raabe-Staljan gern an seine Zeit in Sendenhorst. Zum Abschluss seiner Laufbahn als Aktiver trug er von 2006 an drei Jahre das Trikot des SV Rinkerode. Sein Coach war Burkhard Weber, der heute Fußball-Abteilungsleiter ist. „Ich habe immer auf der Sechs gespielt“, sagt Raabe-Staljan, der mit 40 Jahren aufgehört hat.

Mit der ersten Mannschaft steht das Duo Kuschel/Raabe-Staljan in der Tabelle der Kreisliga A2 Münster auf Platz sieben. Nach oben ist noch viel möglich, von unten droht aber auch Gefahr. „Ich wäre schon mal froh, wenn wir die Klasse halten würden.“ Unter den nur zwölf Mannschaften seien mit der Warendorfer SU und Wacker Mecklenbeck zwei, die die Meisterschaft unter sich ausmachen würden. „Die anderen müssen sehen, dass sie nicht unten reingeraten“, sagt Raabe-Staljan. „Wir haben jetzt drei Spiele gewonnen und neun Punkte. Ich hätte lieber zwölf gehabt, und die hätten wir auch verdient gehabt. Wir waren in den Spielen, die wir verloren haben, nicht immer die schlechtere Truppe.“ Aasee II (1:3-Niederlage) habe dem SVR „echt den Zahn gezogen, die waren galliger“, doch gegen Ottmarsbocholt (1:2) „hätten wir auch einen Punkt holen können“.

Drei Spielzeiten lief Jörg Raabe-Staljan für die erste Mannschaft des SVR auf – und traf 2007 unter anderem auf den SV Drensteinfurt II mit Benedikt Töns (rechts).

Das Problem aus Sicht des 52-Jährigen: „Die Mannschaften von oben kommen noch.“ In der Hinrunde treffen die Rinkeroder noch auf Mecklenbeck, Hiltrup II , Warendorf und Selm. Alle Gegner stehen im Klassement besser da. „Es kann schnell nach unten gehen, wenn es mal nicht so läuft“, meint Raabe-Staljan. Chancenlos sei sein Team gegen die Konkurrenten von oben jedoch keineswegs. „Gerade gegen bessere Gegner habe ich zumindest früher immer gerne gespielt, weil ich mir von Anfang an bewusst war: Man muss Vollgas geben, sonst geht gar nichts.“

2020 kann man sportlich gesehen echt abhaken.

Jörg Raabe-Staljan

Über den Zeitpunkt, wann die Ende Oktober unterbrochene Meisterschaft fortgesetzt wird, kann Raabe-Staljan nur spekulieren: „Wenn man die Zahlen gerade so sieht, könnte es echt eng werden. Es muss ja auch eine Vorlaufzeit geben, um sich vernünftig vorzubereiten.“ Daher glaubt der Coach des SVR nicht, dass es in der nächsten Zeit etwas wird. Aus seiner Sicht ist es „schade, dass die Saison unterbrochen ist“, aber natürlich ist die Gesundheit aller prioritär. Raabe-Staljan hofft auf ein baldiges Ende der Corona-Krise: „2020 kann man sportlich gesehen echt abhaken. Es zog sich wie ein Kaugummi durchs ganze Jahr.“

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