Fußball

Fortunas Trainer Holger Kürpick hatte eine andere Vorstellung

Holger Kürpick ist seit dem vergangenen Jahr zum zweiten Mal Coach der Fußballfrauen von Fortuna Walstedde. Foto: Kleineidam
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Holger Kürpick ist seit dem vergangenen Jahr zum zweiten Mal Coach der Fußballfrauen von Fortuna Walstedde.

16 Punkte aus 18 Spielen holten die Bezirksliga-Fußballerinnen von Fortuna Walstedde. „Das ist nicht das, was wir uns vorgestellt hatten“, gibt Trainer Holger Kürpick im Interview mit dem WA zu. „Wir wussten aber, dass es eine schwere Saison wird.“ 

Walstedde – Der Trainer war neu, doch wie in den zwei Spielzeiten zuvor kämpften die Fußballerinnen von Fortuna Walstedde gegen den Abstieg – mit Erfolg. Die Saison wurde wegen der Covid-19-Pandemie erst unter-, dann abgebrochen, kein Team muss nächstes Jahr eine Liga tiefer spielen. Fortunas Frauen standen am Ende auf dem zwölften Tabellenplatz der Bezirksliga 6. Der hätte auch so zum Klassenerhalt gereicht. Im Interview mit dem WA äußert sich Holger Kürpick über sein erstes Jahr als Walstedder Coach nach seiner Rückkehr, darüber, was ihn besonders gestört hat, und spricht über die Zukunftsplanungen.

18 Spiele, nur vier Siege, dafür zehn Niederlagen: Wie fällt die Bilanz aus?

Mit der Bilanz können wir zufrieden sein, da wir ja über dem Strich stehen. Sicherlich sind 16 Punkte aus 18 Spielen nicht das, was wir uns vorgestellt hatten. Wir wussten aber, dass es eine schwere Saison wird, und unter diesen Gegebenheiten haben wir das gut gemeistert. Im ersten Jahr als Trainer ist es zunächst schwierig, die Mannschaft kennenzulernen, seine Ideen vorzustellen und dann auch umzusetzen. So etwas braucht Zeit. Diese hatten wir ja gar nicht, denn bei einer 16er Liga und vier Absteigern hatten wir nur ,Endspiele‘. Leider mussten wir auch immer wieder Rückschläge verkraften, dadurch dass wir personelle Ausfälle hatten und so keine Konstanz ins Training und in die Spiele bekamen. Wir müssen die Saison aufarbeiten und daraus lernen.

Hättet ihr den Klassenerhalt auch aus eigener Kraft geschafft?

Diese Mannschaft hat so viel Potenzial, dass wir das auch aus eigener Kraft geschafft hätten. In der Winterpause haben wir gut trainiert und waren auch gut drauf, obwohl man das beim 0:5 gegen Aasee nicht am Ergebnis gesehen hat, aber am Auftreten der Mannschaft. So war es auch in Steinbeck, wo wir in der Endphase wieder Punkte verschenkt haben. Das war des Öfteren der Fall. Natürlich hätten auch viele andere Ergebnisse stimmen müssen, aber es wäre bis zum letzten Spieltag spannend gewesen, und wir hätten die Big Points in den entscheidenden Spielen geholt.

75 Gegentore bedeuten den schlechtesten Wert in der Staffel. 0:9 in Mecklenbeck, 1:8 bei Horstmar/Leer, 0:10 gegen Recke – was lief schief in der Defensive?

75 Gegentore in 18 Spielen sind mehr als eindeutig und viel zu viele. Das sind 20 bis 25 Gegentore zu viel. 31 geschossene Tore sind dagegen okay. Diese Gegentorflut lag nicht allein an der Defensive beziehungsweise der Abwehr, sondern schon am gesamten Team. Da fehlte des Öfteren die Absprache in der Rückwärtsbewegung. Ballverluste in der Vorwärtsbewegung waren ein Knackpunkt, mangelnde Einstellung nach Rückständen und immer wieder wechselndes Personal kamen hinzu. Wie man sieht, gab es viele Gründe.

Welche Spielerin hat den besten Eindruck hinterlassen?

Ich möchte keine einzelne Spielerin hervorheben – besonders nicht in einer Mannschaftssportart. Als Team muss man harmonieren, sowohl auf als auch neben dem Platz. Sicherlich ist zu erwähnen, dass Amanda Kock ihre Rolle als Kapitänin zusammen mit Franziska Homann, perfekt ausgeübt hat. Für Amanda war es das erste Mal, als Kapitänin eine Führungsrolle zu übernehmen. Positiv ist noch zu erwähnen, dass der Mannschaftsrat gut funktioniert hat. Er hat sich auch um Dinge gekümmert, um mich als Trainer zu entlasten.

Steigt Wacker Mecklenbeck II verdient auf?

Ja, weil das Team eine überragende Runde gespielt hat. Die Mecklenbeckerinnen haben einfach die individuelle Klasse und es auch perfekt umgesetzt. Sie und der TuS Recke waren mit Abstand die besten Gegner, gegen die wir gespielt haben. Recke hätte es auch verdient, doch es kann nur einer aufsteigen. Mecklenbeck war konstanter und den entscheidenden Tick besser. Recke ist für mich in der kommenden Saison der Top-Favorit auf die Meisterschaft, wann immer diese auch beginnen wird.

Was hat dich in der vergangenen Saison am meisten an deiner Mannschaft gestört?

Dass sich einige nach einem Rückstand zu schnell hängen gelassen und nicht mehr gefightet haben, wie man es sich in einer Mannschaftsportart beziehungsweise generell wünscht. Dass die Trainingsbeteiligung nicht gut war, ist kein Geheimnis. Gestört hat mich letztendlich, warum die Mädels nicht am Training teilnehmen konnten. Außerdem störte mich, dass vor der Saison nicht gut genug kommuniziert wurde, wie, weshalb und warum jede einzelne Spielerin in der Saison zur Verfügung steht. Dadurch war der Kader zu klein und der Handlungsspielraum war nicht mehr gegeben, um reagieren zu können.

Ihr hattet zwischendurch arge personelle Probleme. Wird Fortuna auch nächste Saison eine Frauenmannschaft stellen?

Wie bereits erwähnt wurde im Vorfeld der Saison nicht gut genug kommuniziert, sodass es aus unterschiedlichen Gründen immer wieder zu personellen Engpässen kam. Das darf nicht passieren. Das muss im Vorfeld besser geregelt sein. In der neuen Saison wird es auf jeden Fall eine Frauenmannschaft geben. Wie die genau aussieht, steht aber noch nicht fest. Vielleicht kann es auch sein, dass wir uns mit einem anderen Verein zusammentun. Das ist aber alles noch in der Planung.

Wer steht ab Sommer nicht mehr zur Verfügung? Wer kehrt nach einer langwierigen Verletzung zurück? Gibt es Neuzugänge?

Die Planungen für die neue Saison laufen bei uns auf Hochtouren. Durch die Coronavirus-Pandemie gerät natürlich vieles ins Stocken, was uns einige Probleme bereitet. Daher kann ich noch nicht so viel sagen. Fest steht nur, das Vanessa Behrendt aufhört, wobei sie in dieser Saison schon selten zum Einsatz kam. Amanda Kock verlässt uns studienbedingt Richtung München. Sie bekommt ein Zweitspielrecht, um uns bei einigen Spielen zu unterstützen. Dann hoffen wir, dass Lisa Jürling aus ihrer langwierigen Verletzung zurückkehrt und wieder einsatzbereit ist. Mehrere weitere Spielerinnen sind in der Schwebe, da sie nicht wissen, wo es sie beruflich beziehungsweise studienbedingt hinzieht.

Du warst nach zehn Jahren zur Fortuna zurückgekehrt. Was hat sich im Verein verändert?

Der Aschenplatz ist weg, dafür gibt es einen Kunstrasenplatz und somit noch bessere Trainingsbedingungen als früher. Das ist die einzige Veränderung, sonst ist alles wie früher. Doris leitet noch das Vereinsheim, Hermann ist täglich am Platz, um zu kontrollieren, ob alles okay ist. Im Materialraum herrscht immer noch Chaos und Unordnung. Der Dorfverein ist immer noch ein familiärer Verein, bei dem der Vorstand hervorragende Arbeit leistet. Der Mädchen- und der Frauenfußball sind im Verein akzeptiert und werden vom Vorstand und vielen anderen Leuten gut unterstützt.

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