Fußball

SG-Trainer Kürpick: „Im Moment wollen sie es durchprügeln“

Holger Kürpick ist seit dem Sommer 2019 Trainer von Fortunas Fußballfrauen. Seit dieser Saison läuft das Team als SG Walstedde/Heessen auf.
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Holger Kürpick ist seit dem Sommer 2019 Trainer von Fortunas Fußballfrauen. Seit dieser Saison läuft das Team als SG Walstedde/Heessen auf.

Mindestens sieben Nachholspiele und insgesamt 25 Partien könnten von Januar bis Juni auf die Fußballerinnen der SG Walstedde/Heessen zukommen. „Das kann nicht funktionieren“, sagt Trainer Holger Kürpick im Interview. „Ich habe von vornherein gesagt, dass die Liga zu groß ist.“

Walstedde – Das hat Holger Kürpick in seiner Laufbahn als Trainer noch nicht erlebt. Es ist November und sein Team hat in der Meisterschaft erst vier Partien absolviert. Bereits sieben müssten die Frauen der SG Walstedde/Heessen nachholen und insgesamt noch 28 absolvieren, wenn die Saison regulär beendet werden soll. Dass dieser Fall eintritt, ist aktuell schwer vorstellbar. Im Interview mit dem WA spricht der 45-Jährige aus Welver, der seit dem Sommer 2019 im Amt ist, über die vielen Absagen, zieht eine (sportliche) Zwischenbilanz der neuen Spielgemeinschaft und blickt auf die Zeit nach der erneuten Zwangspause im Amateurfußball.

Euer letztes Spiel war am 4. Oktober, Gegner der Hammer SC. Wie nervig war es, dass ständig Partien abgesagt wurden?
Das ist schon nervig, wenn der Fußball, den man jahrelang ausübt, so abrupt wegbricht. Aber es ist schon verständlich und vernünftig, dass der Fußballkreis Unna/Hamm so entschieden hat, bevor es zum generellen Lockdown für den Amateurfußball kam. Die Gesundheit geht einfach vor – so sehr der Fußball, das Zusammensein und das Vereinsleben auch fehlen.
Das Duell mit dem VfL Kamen war eigentlich für den 1. Spieltag geplant und ist nun zum vierten Mal neu angesetzt worden – für den 5. Februar. Hast du so was schon mal erlebt?
Dass ein Spiel zweimal ausgefallen ist, kam schon häufiger vor. Das war aber witterungsbedingt und in der Zeit von November bis Februar. Aber in dem Ausmaß habe ich es noch nicht erlebt.
Für den Dezember stehen für die SG drei Spiele auf dem Plan: gegen den SuS Rünthe, bei Westfalia Wethmar und gegen die SG Bockum-Hövel. Gehst du davon aus, dass auch die ausfallen werden?
Ja, da gehe ich von aus. Ich denke mal, dass die Verantwortlichen sagen werden, dass dieses Jahr kein Spiel mehr stattfindet. Dann können sie im Dezember gucken, wie sich die Infektionszahlen bis zum Ende des Jahres entwickeln.
Mindestens sieben Nachholspiele und insgesamt 25 Partien von Ende Januar bis Mitte Juni: Wie soll das funktionieren?
Das kann nicht funktionieren. Im Moment wollen sie es ja irgendwie durchprügeln und setzen die Spiele direkt neu an. Ich habe von vornherein gesagt, dass die Liga zu groß ist. Es war ja zu erwarten, dass es zu einer Flut an Absagen kommt und es sich in die Länge zieht. Realistischer wäre, dass nur die Hinrunde zu Ende gespielt und gewertet wird. Dann könnten sie sagen, ab dem 1. März oder so geht es wieder los, und jeder Verein könnte sich drauf vorbereiten.
Hätte der FLVW-Kreis lieber zwei Staffeln bilden sollen?
Ja, eine für die Hammer Mannschaften und eine für die aus dem Kreis Unna. Und danach noch mal eine Vierer-Runde um den Aufstieg oder so.
Nach gerade mal vier Spielen hat die SG sieben Punkte auf dem Konto. Zufrieden mit der Ausbeute?
Gegen Germania Lohauserholz I (0:5 zum Saisonauftakt/Anmerkung der Redaktion) kannst du auf jeden Fall verlieren. Das Team wird ohne Niederlage bleiben, wenn sie überhaupt weiter spielen dürfen (lacht). Gegen Nordbögge (7:0, das Spiel wurde nach der ersten Halbzeit auf Wunsch des Gegners abgebrochen) mussten wir gewinnen. Gegen Lohauserholz II (0:0) haben wir ganz klar zwei Punkte verschenkt, weil wir über 90 Minuten auf ein Tor gespielt haben. Und gegen den Hammer SC (6:1), einen guten, aber ersatzgeschwächten Gegner, war es ein gutes Spiel von uns. Mit den sieben Punkten bin ich zufrieden, das liegt im Rahmen.
Wie läuft es allgemein mit der Spielgemeinschaft?
Man merkt schon, dass aufgrund der Corona-Pandemie das Vereinsleben fehlt – sowohl in Walstedde am Platz als auch in Heessen. Das muss man ganz klar sagen. Wir durften keine Feier im Vereinsheim machen, nach den Spielen nicht zusammensitzen. Das fehlt einfach alles. Daher ist alles ein bisschen schleppend.
Gegen den Hammer SC gehörten 16 Spielerinnen zum Kader – darunter 15, die schon in der vergangenen Saison für Fortuna gespielt haben. Aus Heessen war nur Sara Mehringskötter dabei. Wird sich das ändern?
Für Außenstehende sieht es ein bisschen so aus, als ob nur die Walstedder Mannschaft übrig geblieben ist. Von Heessener Seite ist es so, dass Tina Engelen in der Regel mittrainiert und zur Verfügung steht, wenn mal Not am Mann ist. Sie möchte einfach kicken und hat einen kurzen Weg von ihrer Haustür zum Platz in Heessen. Sara Mehringskötter ist zwar ein bisschen öfters da, hat aber einen Mann, der auch mal auf Montage ist, Kinder und Schichtdienst bei der Polizei. Vivien Baer war nur im Sommer da, ist bis Ende November an der Abendschule und danach wieder voll dabei. Vielleicht brauchen wir Zeit, dass es erst mal ein bisschen anlaufen muss, dass es nach einem Jahr besser aussieht und die eine oder andere noch dazukommt.

--- Die Kreisliga Unna/Hamm ---

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