Hauke Bintig ist ein erfolgreicher Springreiter

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Der 14-jährige Hauke Bintig, hier auf seinem Pferd „Pontoromo“, ist ein erfolgreicher und ehrgeiziger Springreiter.

Walstedde - Hauke Bintig aus Walstedde ist ein erfolgreicher Springreiter. Der 14-Jährige startet bereits in S-Prüfungen.

Wenn seine Klassenkameraden in den Ferien noch schlafen, trainiert er bereits. An Tagen, die richtig heiß werden, bereits ab 5 Uhr. Und dann drei bis vier Stunden. Und das jeden Tag. „Pro Pferd 45 bis 60 Minuten“, sagt Hauke Bintig. Der 14-Jährige ist Springreiter - ein erfolgreicher und ehrgeiziger.

Mit fünf Jahren drehte der Walstedder die ersten Runden auf dem eigenen Hof in der Bauerschaft Herrenstein. „Wendy“, sein erstes Pferd, hatte er von einem Bekannten zur Verfügung gestellt bekommen. Vater Holger Bintig, früher selbst Springreiter, passte auf, dass nichts passiert. Zunächst ritt Hauke für einen Verein aus Senden. Sein erster Wettbewerb auf einem Turnier war eine Führzügelklasse.

Danach „bin ich weniger geritten“. Stattdessen spielte Hauke Fußball bei Fortuna Walstedde. Allerdings nur zwei, drei Jahre, ehe ihm Knieprobleme zu schaffen machten. Er stieg wieder aufs Pferd. „So bin ich zum Springreiten gekommen“, erzählt der Schüler des Galilei-Gymnasiums Hamm. Auf der eigenen Reitanlage - die Halle ist etwa 800 Quadratmeter groß, der Platz 1200 Quadratmeter - hat er genug Platz, um „Grand Courage“, „Pontoromo“, „Curt“ und „Balubeta“ zu trainieren.

„Balubeta“, eine elfjährige Fuchsstute, die die Bintigs von einem Bekannten aus Italien bekommen haben, „liegt ihm sehr gut“, sagt Mutter Andrea. Auch wenn Hauke für sein Hobby in der Schule schon mal belächelt wurde - sie steht ebenso voll und ganz hinter ihrem Sohn wie ihr Mann Holger. Der gibt zu, dass er „erst mal schlucken musste“, als er die Begabung seines Sohnes erkannte. „Ich hatte nicht das Talent, das Hauke hat.“ Der Heilpraktiker ist nicht nur Trainer, sondern auch Züchter. „Ich habe sehr viel von Heinrich Sandhowe aus Ascheberg lernen können, der züchterisch ein genialer Mann gewesen ist“, sagt Holger Bintig, dessen Tagesablauf sich auf Familie, Beruf und Pferde beschränkt. Auch an den Wochenenden - geschätzt 40 im Jahr - sind die Bintigs meist unterwegs.

Der Lohn dafür sind die Erfolge, die Hauke einfährt, und Momente, wie wenn die Nationalhymne erklingt. „Es gibt keinen in seiner Altersklasse, der einen solchen Erfolg mit selbst gezogenen Pferden hat“, ist Holger Bintig sichtlich stolz. Hauke, seit Mai 2011 Mitglied des RV St. Georg Werne (einer der größten Vereine im Pferdesportverband Westfalen), komme in diesem Jahr bereits auf 5000 Ranglistenpunkte. Mit einem Mädchen aus Zeiskam (Rheinland-Pfalz) liegt der 14-Jährige damit an der Spitze der Wertung.

Geld- und Sachpreise, darunter Pokale und Schleifen, hat der Walstedder zuhauf gewonnen. Im vergangenen Jahr absolvierte er sein erstes S-Springen. Beim Hallenturnier in Rhynern sprang er auf Platz zwei, beim Außenturnier kostete ihn ein Fehler am letzten Sprung den Sieg. Statt Erster wurde er nur Vierter. „Das war sehr ärgerlich“, sagt Hauke, der seine S-Erfolge mit verschiedenen Pferden feierte. Vor drei Wochen setzte er sich in Hagen am Teutoburger Wald im ersten Umlauf des Nationenpreises (M-Niveau) mit seinem Schimmel „Grand Courage“ in der Einzelwertung der Altersklasse Children gegen Starter aus zwölf Nationen durch - ohne Fehler in 63,45 Sekunden. Außerdem gewann der Gymnasiast beide Qualifikationen für die Westfälischen Meisterschaften. Die finden vom 15. bis zum 19. Juli in Freudenberg im Siegerland statt.

Sein Debüt bei den Deutschen Jugendmeisterschaften gab Hauke im vergangenen Jahr. Im südpfälzischen Zeiskam absolvierte er ein L- und zwei M-Springen, verpasste das Finale aber. „Da war ich schlecht - auch durch die Aufregung“, gibt der Nachwuchsreiter zu. „Vor dem Wettkampf ist er so blass, so nervös gewesen“, erinnert sich Vater Holger. Er ist sich allerdings sicher: „Hauke hat aus Niederlagen mehr gelernt als aus Siegen.“ Das will er an diesem Wochenende beweisen. Beim Reit- und Springturnier in Münster-Roxel möchte er sich erneut für die Deutschen Jugendmeisterschaften (11. bis 13. September in Zeiskam) qualifizieren. „Die Konzentration liegt auf einer Prüfung“, sagt Hauke. „Am besten reite ich im M-Springen, das ich 2014 gewonnen habe, eine Null. Dann müsste es klappen mit der Quali.“ Die Entscheidung trifft der Landestrainer.

Ziel ist das Goldene Reitabzeichen

Haukes Vorbilder sind Carsten-Otto Nagel, mit dem er sogar mal kurz gesprochen hat, und Daniel Deußer - zwei erfolgreiche deutsche Springreiter. „Wenn sie im Fernsehen zu sehen sind, dann gucke ich auch.“ Für seine sportliche Zukunft hat sich der Walstedder vorgenommen, „möglichst früh“ das Goldene Reitabzeichen zu schaffen, das nur aufgrund von Erfolgen im Turniersport verliehen wird. Für das Abzeichen muss Hauke zehn Siege in Springprüfungen der Klasse S feiern, darunter mindestens einen in der Klasse S**.

Als Anreiz dafür, das Abitur zu machen, verspricht Holger Binting seinem Sohn, mit ihm ein Jahr lang mit dem Lkw zu Turnieren in Spanien und anderen Ländern zu fahren. Doch zunächst wird weiter täglich zu Hause trainiert. Zeit, sich mit Freunden zu treffen, bleibt übrigens auch - zumindest zurzeit. „In den Ferien geht das.“

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