Fußball

Serie startet: Kai Bolsmann trainiert einziges Mädchenteam beim SVD

Erst Co-Trainer, jetzt Coach: Seit dieser Saison trainiert Kai Bolsmann die Mädchen des SV Drensteinfurt alleine.
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Erst Co-Trainer, jetzt Coach: Seit dieser Saison trainiert Kai Bolsmann die Mädchen des SV Drensteinfurt alleine.

Vor 50 Jahren beschloss der DFB-Bundestag, sein Verbot des Damenfußballs von 1955 zu kippen. Der WA berichtet in einer Serie über den Frauen- und Mädchenfußball in der Stadt Drensteinfurt. Diesmal geht es um die einzige Mädchenmannschaft beim SVD: die U15. Trainer Kai Bolsmann ist 19 Jahre.

Drensteinfurt – Frauen- und Mädchenfußball werden oft stiefmütterlich behandelt. Der SV Drensteinfurt stellte zuletzt in der Saison 2010/11 eine Frauenmannschaft, die Zahl der Mädchenteams ist auf ein Minimum gesunken. Lediglich die C-Juniorinnen halten die Stellung. Aus der U15 wird demnächst aber die U17. Trainer der Truppe ist Kai Bolsmann. Er ist sozusagen der Hahn im Korb.

Der 19-Jährige ist in Drensteinfurt aufgewachsen. Von klein auf spielte er Fußball. Er fing bei den Minikickern an, pausierte zwischendurch aber zwei, drei Jahre. „Ich glaube, in der E- und D-Jugend habe ich nicht mitgemacht, aber in der C-Jugend wieder angefangen“, blickt Bolsmann zurück. In der vergangenen, wegen der Pandemie abgebrochenen Saison lief er für die A-Junioren des SVD auf.

„In diesem Jahr bin ich von der Schule ins Arbeitsleben umgestiegen und habe neben dem Trainersein nicht mehr so viel Zeit gefunden, auch noch selber zu spielen“, erklärt Bolsmann, der aktuell einen Bundesfreiwilligendienst in der Kardinal-von-Galen-Grundschule in Drensteinfurt absolviert. Er gehört zwar zum Kader der dritten Mannschaft, hat aber noch kein Spiel absolviert. „Ich war bis jetzt auch noch bei keinem Training.“ Der Bundesfreiwilligendienst endet im August 2021. Wie es für ihn danach weitergeht, ist noch ungewiss. „Studium oder Ausbildung – mal gucken“, sagt der Stewwerter.

Ausbildung ohne jegliche Erfahrung

Seit drei Jahren engagiert er sich als Trainer. „2017 habe ich mit einigen Freunden an einer Ausbildung zur Trainer-C-Lizenz teilgenommen, um später mit einem Kumpel eine Mannschaft zu übernehmen“, sagt Bolsmann – und fügt hinzu: „Ich habe den Trainerschein gemacht ohne jegliche Erfahrung als Trainer.“

Zunächst coachte er zwei Jahre lang die D2-Junioren des SVD. Im Anschluss legte er bis zum Herbst vergangenen Jahres eine Pause ein. „Ich habe einfach nur selber Fußball gespielt.“ Weil er des Öfteren die Mädchen gepfiffen hat, als Peter Pokorny junior noch Trainer war, kam der Kontakt zu den Juniorinnen zustande. Ende November 2019 stieg Bolsmann als Co-Trainer der U15-Mädchen ein, Coach war Reiner Merke aus Ahlen. Als der aufhörte, übernahm Kai Bolsmann die Mannschaft im Sommer.

„Ich mache es komplett alleine, habe keinen Co-Trainer oder so. Es geht auch eigentlich ganz gut“, sagt er und lobt seine Spielerinnen im Alter von 13 bis 16 Jahren: „Die Mädchen sind super umgänglich. Bei Jungs, die auch in dem Alter waren und ich trainiert habe, war das ganz anders. Die Mädchen seien viel unkomplizierter. „Sie sind sehr eigenständig, daher brauche ich auch ehrlich gesagt keine Hilfe.“ Allerdings – das gibt er auch zu – biete sich keiner mit Erfahrung an, sich als weiterer Trainer bei den Mädchen zu engagieren.

Immer weniger Teams

Die Zahl der Mädchenmannschaften beim SV Drensteinfurt hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen. In den Saison 2013/14, 2014/15 und 2015/16 hatte der Verein jeweils fünf Teams gestellt. 2014/15 und 2015/16 gingen die B-Juniorinnen und C-Juniorinnen als JSG Albersloh/Drensteinfurt auf den Platz, außerdem gab es die D-, E- und F-Juniorinnen. 2016/17 waren es immerhin noch vier Mannschaften: die C-, D-, E- und F-Juniorinnen. In den Spielzeiten 2017/18 (D- und E-Juniorinnen) und 2018/19 (C- und E-Juniorinnen) reduzierte sich die Zahl auf zwei Teams. Aktuell gibt es nur noch eine Mädchenmannschaft.

Immerhin hat sich der Kader vergrößert. „Es war eine relativ schwierige Situation. Letztes Jahr waren es elf Mädchen, wir hatten deutliche personelle Probleme. Das war happig“, sagt Bolsmann. In dieser Saison sind fünf Mädchen hinzugekommen, sodass ihm seit Oktober 16 Spielerinnen zur Verfügung stehen. Unter anderem hatte Henrike Kuhlmann, ehemalige Co-Trainerin von Pokorny, die Werbetrommel für die Truppe gerührt. „Sie ist einfach zu Zuschauerinnen hingegangen und hat gefragt, ob sie Bock hätten anzufangen“, freut sich Bolsmann.

Die U15-Juniorinnen des SVD starteten Anfang September in der Kreisliga Münster als Siebener-Mannschaft und spielten außerhalb der Wertung, weil mehrere Mädchen zu alt für die Altersklasse sind. Konkurrenten in der Gruppe 3 waren die JSG Herbern/Ascheberg, die JSG Ottmarsbocholt/Senden, die DJK GW Amelsbüren, der SC Gremmendorf und die DJK RW Alverskirchen. Zum Auftakt gab es zwei Siege: einen deutlichen (13:0 gegen Gremmendorf) und einen knappen (3:2 in Alverskirchen). „Wir haben am Anfang super gespielt. Danach ging es ein bisschen bergab“, berichtet Bolsmann. „Die Saison war ein bisschen holprig.“ Zum einen habe es immer drei bis vier Verletzte gegeben. „Dass du jedes Mal mit einer anderen Startformation spielen musst, macht sich schon bemerkbar“, sagt der 19-Jährige. Zum anderen habe Corona „einiges schwieriger gemacht“. Konstant zu trainieren, sei ein Problem gewesen.

Die Jungen werden gefördert, die Mädchen sind eher links liegen gelassen worden.

Kai Bolsmann

Den beiden Erfolgen folgten ein knappes 2:3 gegen den verlustpunktfreien Tabellenführer Herbern/Ascheberg, ein 1:3 in Amelsbüren und ein 1:7 im vorerst letzten Spiel Mitte Oktober in Herbern. „Herbern hat eine sehr starke Mannschaft“, so Bolsmann. Die restlichen fünf Partien, die innerhalb von nur 17 Tagen stattfinden sollten, wurden alle Corona-bedingt abgesagt.

Zum neuen Jahr wird es einen Altersklassenwechsel geben. „Weil zu viele älter als C-Jugend sind, müssen wir ab dem Winter U17 und mit neun Spielerinnen von Sechzehner zu Sechzehner spielen“, erklärt der Fan von Borussia Mönchengladbach. Bange ist ihm davor nicht. „Mit 16 Mädchen geht das. Es sind aber einige dabei, die noch nie Fußball gespielt haben. Wenn die Mannschaft noch größer werden würde, wäre das natürlich schön.“

Schön wäre es aus seiner Sicht auch, wenn dem Mädchenfußball beim SVD etwas mehr Beachtung geschenkt würde. „Vorher ist mir das nicht so aufgefallen“, sagt Kai Bolsmann. Aber seitdem er Trainer der Mädchenmannschaft ist, habe er bemerkt, dass der Verein sich auf den Fußball im Männer- und Jungenbereich konzentriere. Bolsmann meint: „Die Jungen werden gefördert, die Mädchen sind eher links liegen gelassen worden“ – gerade deshalb, weil es keine Frauenmannschaft als Perspektive im SVD gebe. Von daher sei die Ausbildung der Mädchen „eher egal“.

50 Jahre Frauenfußball

In diesem Herbst ist es 50 Jahre her, dass der Frauenfußball aus seinem Schattendasein getreten ist. Am 31. Oktober 1970 beschloss der DFB-Bundestag, sein Verbot des „Damenfußballs“ von 1955 zu kippen. Einen knackigen DFB-Slogan gibt es zum Jubiläum: „Früher nicht erlaubt. Heute verboten gut.“ In der Nachkriegszeit war es genau dieser DFB, der seinen Mitgliedern untersagte, Frauenteams zu gründen oder auch nur auf Vereinsanlagen spielen zu lassen. Der WA berichtet im ersten Teil der Serie über das einzige Mädchenteam beim SV Drensteinfurt.

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