Fußball

Oliver Logermann über seine neuneinhalb Jahre beim SV Drensteinfurt

2012 im Spiel gegen den TSV Handorf (0:4-Niederlage): In seiner ersten Halbserie erzielte Oliver Logermann gleich 13 Tore für den SV Drensteinfurt.	Foto: Kleineidam
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2012 im Spiel gegen den TSV Handorf (0:4-Niederlage): In seiner ersten Halbserie erzielte Oliver Logermann gleich 13 Tore für den SV Drensteinfurt.

Als 26-Jähriger kam er, mit 36 ist er gegangen. Neuneinhalb Jahre war Oliver Logermann beim SV Drensteinfurt – erst als Spieler, dann als spielender Co-Trainer und schließlich als Chefcoach. Anfang 2012 war er zum damaligen A-Kreisligisten gewechselt, nun zieht er Bilanz.

Drensteinfurt – Als 26-Jähriger kam er, mit 36 ist er gegangen. Neuneinhalb Jahre war Oliver Logermann beim SV Drensteinfurt – erst als Spieler, dann als spielender Co-Trainer und schließlich als Chefcoach. Anfang 2012 war er zum damaligen A-Kreisligisten gewechselt und steuerte im ersten halben Jahr gleich 13 Tore zum Aufstieg in die Bezirksliga bei. Die letzten vier Saisons beim SVD fungierte Logermann als Chefcoach. Sein größter Erfolg mit der ersten Mannschaft ist der Landesliga-Aufstieg 2020, der allerdings nicht so ausgiebig wie erhofft gefeiert werden konnte. Über den unterhielt sich Matthias Kleineidam mit dem Münsteraner ebenso wie über seine gesamte Zeit in Drensteinfurt, besondere Spiele und seine neue Aufgabe beim BSV Roxel.

89 Ligaspiele – die annullierte Saison mitberücksichtigt – hat der SVD mit dir als Chefcoach absolviert. Gib mal einen Tipp ab: Wie viele Siege und wie viele Niederlagen gab es unter deiner Regie in der Meisterschaft? Ein Hinweis: Die Quote ist echt gut.
Gute Frage. Die Bilanz sollte auf jeden Fall positiv sein – auch wenn sie am Ende ein bisschen gelitten hat. Denn die Saisons als Trainer sind relativ erfolgreich gewesen. Ich würde mal grob schätzen so 40 Siege, 25 Unentschieden und 25 Niederlagen (Anmerkung der Redaktion: Es waren 50 Siege, 16 Unentschieden und 23 Niederlagen).
Die Siegquote entspricht 56 Prozent. Dein Vorgänger Ivo Kolobaric hatte in seinen acht Jahren als Trainer 52 Prozent der 242 Spiele gewonnen. Den hast Du also getoppt.
Dafür hat Ivo uns ein-, zweimal geschlagen. In der letzten Saison hat er uns aus dem Pokal rausgehauen (1:3 beim A-Ligisten DJK SV Mauritz).
73 Tore hast Du in der Meisterschaft für Drensteinfurt erzielt – im ersten Halbjahr 2012 gleich 13 und in den sechs Saisons, in denen du Spieler warst, immer zwischen neun und 14. Auch keine schlechte Bilanz, oder?
Es ist eine ganz ordentliche Bilanz, aber die finde ich gar nicht so wichtig. Wichtig ist nicht, wer die Tore schießt oder nicht. Das ist irrelevant. Im Endeffekt geht es darum, dass die Mannschaft gewinnt und erfolgreich ist.
Neuneinhalb Jahre warst Du beim SVD. Das ist eine ungewöhnliche lange Zeit. Warum hast Du dich hier so wohlgefühlt?
Ich muss ehrlich sagen, dass ich am Anfang nie im Leben gedacht hätte, dass ich so lange bei dem Verein bleibe. Dass ich nach Drensteinfurt gegangen bin, hatte persönliche und berufliche Gründe. Ich wollte ein bisschen kürzertreten. Es war schon eine sehr, sehr lange Zeit. Zum einen ist mir der Verein einfach sehr ans Herz gewachsen. Das Umfeld ist gut. Es gibt ganz viele nette Leute, die Anlage ist auch einfach toll. Mit Ivo hatte ich schon damals ein super Verhältnis, als er Trainer gewesen ist. Und man hat mich als Trainer auf diesem Niveau in Ruhe arbeiten lassen. Ich hatte schon das Gefühl, dass sich der Verein von Jahr zu Jahr weiterentwickelt hat. Solange das so gewesen ist, hatte ich Lust weiterzumachen.
Waren die Saisons 2011/12 und 2019/20 wegen der Aufstiege die schönsten beim SVD?
Das würde ich nicht sagen. Auch die Bezirksliga-Saisons, in denen wir nicht aufgestiegen sind, fand ich alle sehr gut, weil auch da eine Weiterentwicklung stattgefunden hat. Klar sind Aufstiege schön – gerade der erste als Spieler, als ich erst ein halbes Jahr dabei war und mit meinen Toren einen ganz guten Anteil am Erfolg hatte. Ein Aufstieg auf dem Platz ist natürlich schöner als einer am grünen Tisch wie 2019/20.
Gibt es ein Spiel, das besonders in Erinnerung geblieben ist?
Als ich Spieler unter Ivo war, waren die Spiele am oder direkt nach dem Schützenfest-Wochenende immer schlecht. Als ich Trainer war, waren die Schützenfest-Spiele dagegen immer besonders. Ich erinnere mich auch wirklich an alle. Wir hatten Lohauserholz als Gegner, der nicht verlegen wollte, obwohl es gegangen wäre, und haben 1:0 gewonnen. Da herrschte schon eine besondere Stimmung, da habe ich noch selber mitgespielt, glaube ich. Dann hatten wir das Spiel gegen Mastholte zu Hause, das wir 4:0 gewonnen haben, und das gegen Freckenhorst (3:1). Das waren eigentlich schon die coolsten Spiele. Natürlich war auch das Spiel in Bockum-Hövel im vergangenen Jahr besonders, als wir in der 92. Minute das 1:0 gemacht haben – das entscheidende Tor zum Aufstieg. Das ist noch präsent, weil es noch nicht so lange her ist. Ein Highlight war auch der Sieg im Pokal-Achtelfinale gegen den TuS Hiltrup (Westfalenligist) 2019. Negativ sind auch ein, zwei Spiele hängen geblieben. Ich erinnere mich an eines gegen Cappel. Damals war ich gerade Trainer und wir haben ziemlich schlechten Fußball gespielt. Da habe ich schon an meinen Trainerfähigkeiten gezweifelt. Und dann hatten wir in der Aufstiegssaison noch ein Spiel in Sönnern, als wir 1:0 geführt und in der Nachspielzeit zwei Tore kassiert haben.
Welchen Spieler wirst Du am meisten vermissen?
Auch viele Jungs sind mir in all den Jahren ans Herz gewachsen. Es ist eine tolle Gemeinschaft gewesen, darauf lege ich allgemein viel Wert. Einen besonderen Spieler herausheben möchte ich nicht.
Beim Testspiel gegen Regionalligist Preußen Münster warst Du als Zuschauer dabei. Wirst Du dich weiterhin ab und zu beim SVD blicken lassen?
Wenn die Möglichkeit besteht, versuche ich definitiv, mal rumzukommen. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch so, dass ich, wenn wir mit Roxel mal ein freies Wochenende haben, mir einen künftigen Gegner von uns angucke. Gegen Preußen war es sehr schön. Ich habe viele alte Bekannte getroffen und vom Spiel gar nicht so viel gesehen.
Kannst Du dir ein Testspiel gegen den SVD im Winter vorstellen?
Auf jeden Fall. Das wird irgendwann sicher anstehen.
Was traust Du deinen Nachfolgern Volker Rüsing und Daniel Stratmann zu?
Es ist natürlich ein Neuanfang. In der Truppe gab es einen großen Umbruch. Es sind immer noch viele gute Jungs dabei. Natürlich sind ein paar Führungsspieler weggebrochen, aber es ist nicht alles zusammengebrochen. Es wird nicht ganz einfach, aber ich hoffe schon, dass der SVD mit dem Abstieg nichts zu tun haben wird und sich der Verein auf Dauer in der Bezirksliga etabliert. Das sollte das Ziel sein, und das traue ich der Mannschaft auch definitiv zu. In der Bezirksliga wird auch guter Fußball gespielt, das sollte man nicht unterschätzen.
Wie hast Du dich beim Landesligisten BSV Roxel eingelebt?
Sehr gut. Ich habe mich auf Anhieb sehr wohlgefühlt. In Roxel sind die Strukturen ähnlich wie in Drensteinfurt. Es gibt ein sehr familiäres Umfeld mit tollen Leuten, die gute Arbeit machen. Ich habe auch eine tolle Truppe mit vielen guten Charakteren, einem tollen Co-Trainer, einem Athletiktrainer und einem Physiotherapeuten vorgefunden. Das ist schon schön, da wird einem viel abgenommen. Sportlich muss man sagen, dass Roxel natürlich noch ein bisschen ambitionierter ist als der SVD. Es ist Feuer im Training, es gibt einen ordentlichen Konkurrenzkampf.
Welche Ziele verfolgt ihr?
Die anderen Mannschaften in der Landesliga haben auch ordentlich was gemacht. Aber wir wollen mit dem Kader, den wir haben, schon oben mitmischen und unter die ersten fünf. Wenn es mehr wird, nehmen wir es gerne mit. Bönen ist nach wie vor der Aufstiegsaspirant Nummer eins mit den Möglichkeiten, die der Verein hat. Auch andere Teams wie Dorsten-Hardt und Borken haben ordentlich aufgerüstet.

Bilanz als Trainer

Saison 2017/18: 5. Platz Bezirksliga 7, 15 Siege/fünf Unentschieden/zehn Niederlagen, 52:47 Tore

Saison 2018/19: 3. Platz Bezirksliga 7, 19/9/4, 69:42

Saison 2019/20 (abgebrochen): 1. Platz Bezirksliga 7, 16/1/3, 58:19

Saison 2020/21 (annulliert): 18. Platz Landesliga 4, 0/1/6, 6:18

War vier Saisons Cheftrainer beim SV Drensteinfurt: Oliver Logermann.

Tore für den SVD

Saison 2011/12: 13 Tore

Saison 2012/13: 12 Tore

Saison 2013/14: 12 Tore

Saison 2014/15: 11 Tore

Saison 2015/16: 9 Tore

Saison 2016/17: 14 Tore

Saison 2017/18 1 Tor

Saison 2020/21: 1 Tor

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