Wally Kiskämper erinnert sich

Frauenfußball beim SV Rinkerode in den 80er- und 90er-Jahren

Die Gründungsmannschaft des SV Rinkerode 1979/80: (stehend von links) Trainer Werner Sadowski, Torhüterin Elisabeth Sadowski, Monika Päuler, Elisabeth Kisse, Doris Buxtrup, Elisabeth Deventer, Carola Dabbelt und Angelika Buxtrup sowie (kniend) Wally Kiskämper, Reinhild Ontrup, Gabriele Kneilmann, Mechthild Grothues und Mechthild Deventer.
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Die Gründungsmannschaft des SV Rinkerode 1979/80: (stehend von links) Trainer Werner Sadowski, Torhüterin Elisabeth Sadowski, Monika Päuler, Elisabeth Kisse, Doris Buxtrup, Elisabeth Deventer, Carola Dabbelt und Angelika Buxtrup sowie (kniend) Wally Kiskämper, Reinhild Ontrup, Gabriele Kneilmann, Mechthild Grothues und Mechthild Deventer.

Der Frauenfußball in Rinkerode geht auf das Jahr 1969 zurück. Die Mannschaft ging aus einer Jungkolping-Mädchengruppe hervor. 1979 schlossen sich die Frauen erneut und endgültig dem SVR an. Wally Kiskämper erinnert sich gerne an die Zeit damals. Sie war Gründungsmitglied, Trainerin und Spielerin.

Rinkerode – Sie hatten eine Vorahnung. Als die Fußballfrauen des Sportvereins Rinkerode (SVR) 1999 im Pfarrzentrum ausgiebig das 20-jährige Bestehen der Mannschaft feierten, war ihnen bewusst, dass mangels Personal das Ende naht. „Wir wussten schon, das 25-Jährige schaffen wir nicht mehr“, sagt Wally Kiskämper. Die 60-Jährige erinnert sich gerne an die Zeit damals. Sie war Gründungsmitglied, Spielerin und Trainerin des Teams, das in die Bezirksliga aufstieg, Kolpingmeister wurde und besondere Partien in der Schweiz bestritten.

Der Frauenfußball in Rinkerode geht auf das Jahr 1969 zurück. Die Mannschaft ging aus einer Jungkolping-Mädchengruppe hervor. „Das schien damals für den Diözesanverband etwas prekär zu sein“, steht im Heft zum 20-jährigen Bestehen von 1999 (siehe Infokasten unten). 1970 habe der Verband angefragt, ob Pressemitteilungen stimmten, dass die Kolpingsfamilie Rinkerode eine Damenfußball-Mannschaft auf die Beine stellen wolle. Es stimmte. „Bernhard Arning hat es in die Wege geleitet, dass die Damen unter dem Dach der Kolpingsfamilie spielten“, blickt Kiskämper zurück.

Ehepaar als Trainerduo

Das Team schloss sich erstmals dem SVR an, um in der Kreisliga an Punktspielen teilnehmen zu können. 1971 bestritt die Mannschaft auf dem Betzenberg in Kaiserslautern sogar ein Vorspiel zu einer Bundesliga-Begegnung des FCK. Allerdings fehlte es an Nachwuchs, sodass die Teilnahme an der Meisterschaft endete. In den Folgejahren absolvierte die Mannschaft gelegentlich Freundschaftsspiele – besonders für wohltätige Zwecke.

1977 stellten Werner und Elisabeth Sadowski eine Mannschaft zusammen. Zu der gehörte auch Kiskämper, die im Davertdorf geboren wurde und mit 16 Jahren anfing, Fußball zu spielen. „Bernhard Arning hat mich mit meinem Bruder spielen sehen und angesprochen.“ Kiskämper war nicht nur Gründungsmitglied, sondern rührte auch fleißig die Werbetrommel für die Mannschaft, die sich fortan einen Namen machte. Nach mehrmaliger Vizemeisterschaft wurde sie deutscher Kolping-Meister und nahm an internationalen Duellen teil. „Wir waren in der Schweiz“, sagt Kiskämper. Dort kam es zum Duell mit dem Meister des Kolpingwerks aus dem Nachbarland.

Wally Kiskämper gehörte zur Mannschaft, die sich 1979 dem SVR anschloss. Zunächst war die gebürtige Rinkeroderin Spielerin, von 1988 an auch Trainerin. „Wir haben viel Spaß gehabt“, sagt die 60-Jährige.

Im Jahr 1979 schlossen sich die Frauen erneut und endgültig dem SVR an. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten formierte das Ehepaar Sadowski ein Team, das stets an der Tabellenspitze der Kreisliga mitmischte. Bis 1988 fungierten die Sadowskis als Trainer.

Im zehnten Jahr des offiziellen Bestehens beim SVR übernahmen Wally Kiskämper, die weiterhin auch als Spielerin auf dem Platz stand, und Mechthild Wiewer die Betreuung und schafften mit der Truppe 1989 den Aufstieg. „Wir haben das Team übernommen und sind direkt aufgestiegen. Das war unser größter Erfolg“, sagt Kiskämper. Die Feier fand bei Nees‘ im Keller statt.

Den Aufstieg in die Bezirksliga schaffte der SV Rinkerode 1989.

In den folgenden Jahren kämpften die Frauen durchgehend in der Bezirksliga um Punkte. „Wir mussten ziemlich weit fahren, bis nach Erwitte/Anröchte oder Meschede. Der ganze Sonntag war verplant“, sagt Kiskämper. Dafür seien die Frauen „sehr gut“ unterstützt worden. Eine Fangemeinschaft fuhr mit. Die Frauen des SVR starteten aber nicht nur in der Meisterschaft, sondern durften, weil sie Kolpingmitglieder waren, auch weiter an den deutschen Kolping-Meisterschaften teilnehmen. Insgesamt dreimal, unter anderem 1991, sicherten sich die Rinkeroderinnen den Titel.

„Wir haben viel Spaß gehabt. Wir waren beim SVR-Karneval, haben nach den Heimspielen gerne in der Kabine gesessen und die Geselligkeit gepflegt und jedes Jahr im Sommer eine Abschlussradtour mit Spielen und Zelten gemacht“, erinnert sich Kiskämper und spricht von einem „super Zusammenhalt“ damals. „Jeder konnte sich auf jeden verlassen.“ Das war auch wichtig. Denn „wir hatten leider höchstens 15 Spielerinnen im Kader und sind auch mal nur zu neunt angetreten. Wir mussten uns durchkämpfen.“ Von den Fußballern des SVR seien sie „strikt getrennt“ gewesen. Berührungspunkte habe es kaum gegeben.

„Früher nicht erlaubt. Heute verboten gut.“

In diesem Herbst ist es 50 Jahre her, dass der Frauenfußball aus seinem Schattendasein getreten ist. Am 31. Oktober 1970 beschloss der DFB-Bundestag, sein Verbot des „Damenfußballs“ von 1955 zu kippen. Einen knackigen DFB-Slogan gibt es zum Jubiläum: „Früher nicht erlaubt. Heute verboten gut.“ In der Nachkriegszeit war es genau dieser DFB, der seinen Mitgliedern untersagte, Frauenteams zu gründen oder auch nur auf Vereinsanlagen spielen zu lassen. 

Auf der Trainerposition gab es bei der Frauenmannschaft im Laufe der Zeit natürlich Wechsel. Kiskämper coachte die Truppe auch mit Hubert Wiewer, der im Anschluss alleine das Sagen hatte. Letzter Trainer war Udo Nees. Der heutige 1. Vorsitzende des SVR engagierte sich von 1996 bis 2000 und trainierte dabei seine Frau Heike. Unter Nees spielte die Mannschaft noch zwei Saisons in der Bezirksliga und nach dem Abstieg 1998 noch zwei Jahre in der Kreisliga. Zu der Zeit – sie war Ende 30 – spielte Wally Kiskämper nicht mehr regelmäßig, sondern half „nur“ noch aus. Personelle Probleme zwangen die Frauen im Jahr 2000 zur erneuten Aufgabe.

Spielgemeinschaft mit Hiltrup

Vor viereinhalb Jahren startete der SVR noch einen Versuch. In Kooperation mit dem TuS Hiltrup startete das Team in der Saison 2016/17 als SG Rinkerode/Hiltrup und wurde Tabellensechster in der Kreisliga A2 Münster. Trainer waren Ralf Angerstein und Christian Fliß, dessen Töchter Rieke und Jule auch in der Mannschaft spielten. 2017/18 reichte es zu Platz fünf, danach endete das Kapitel schon wieder.

Wally Kiskämper schaut Fußball heute nur noch im Fernsehen. Spiele der 1. und 2. Bundesliga, der Nationalmannschaften und der Champions League – „alles, was so gezeigt wird“, sagt sie. Besonders gern verfolgt sie Partien des Rekordmeisters. „Ich bin immer schon Bayern-Fan.“ Mit ihren ehemaligen Teamkolleginnen hat die 60-Jährige noch heute „sehr viel Kontakt“, wie sie sagt. „Viele wohnen ja in Rinkerode.“

Feier und Heft zum 20-Jährigen 1999

Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens der Frauenmannschaft wurde im Jahr 1999 nicht nur gefeiert, sondern auch ein Heft mit dem Titel „Klarer Sieg der SVR-Damen – 20 Jahre Damenfußball in Rinkerode“ herausgebracht. Die 48 Seiten waren vor allem mit Zeitungsartikeln und Fotos gefüllt. Im Vorwort, das anscheinend mit großer Genugtuung verfasst wurde, stand Folgendes: „Nicht alle haben damals daran geglaubt, dass diese nicht gerade frauenfreundliche Sportart so lange sowohl der Kolpingsfamilie Rinkerode als auch dem Sportverein Rinkerode erhalten bleiben würde. Oft wurden wir belächelt und nicht so ganz ernst genommen. Doch wer uns in den 20 Jahren begleitet hat, konnte und musste erfahren, dass Fußballspielen – auch bei Frauen – viel Spaß und Freude bereiten kann und dass dabei Freundschaften aufgebaut und vertieft werden können. Und nicht zuletzt hat der Aufstieg in die Bezirksliga 1989 bestätigt, dass wir sportlich einiges zu bieten hatten und haben.“

Der Artikel ist Teil einer Serie des Westfälischen Anzeigers (Ausgabe Drensteinfurt) über den Mädchen- und Frauenfußball in der Stadt Drensteinfurt.

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