Interview

Fortunas Coach Chart über Enttäuschung, Mankos und Veränderungen

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Der 59-jährige Hammer Eddy Chart ist seit drei Jahren Trainer der ersten Mannschaft von Fortuna Walstedde.

Walstedde - Blau-Weiß Sünninghausen steigt in die Bezirksliga auf, Fortuna Walstedde guckt in die Röhre. Wieder wurde es nichts mit der Meisterschaft. Warum sein Team den Titel verpasste, was besser werden muss und was in der nächsten Saison möglich ist, dazu äußert sich Eddy Chart.

Der 59-Jährige ist seit 2015 Trainer der ersten Mannschaft.

Was überwiegt zwei Wochen nach dem Saisonende: der Stolz über eine größtenteils starke Saison oder immer noch die Enttäuschung über den verpassten Aufstieg in die Bezirksliga? 

Eddy Chart: Der Stachel sitzt noch ziemlich tief. Aber man muss realistisch bleiben. Wenn man bedenkt, dass wir über einen längeren Zeitraum auf sieben, acht Spieler – in Wadersloh waren es sogar elf – verzichten mussten, darunter mehrere Leistungsträger, und das alles gut kompensiert haben, dann ist das schon eine sehr, sehr gute Leistung. Nichtsdestotrotz: Wenn man diese Chance hat und sie dann nicht nutzt, ist es klar, dass man enttäuscht ist. Wir haben die ganze Saison gearbeitet, um Erfolg zu haben. Die Winter-Vorbereitung ist super verlaufen, nicht nur von den Ergebnissen her. Das hat uns optimistisch gestimmt. Aber die Rückrunde war für uns wie eine Seuche. Dass wir in der entscheidenden Phase so viel Verletzungspech hatten, ist bitter. Das muss man erst mal verkraften.

Ist Sünninghausen ein würdiger Meister? 

Chart: Die Tabelle lügt nicht. Wenn einer so lange oben dabei ist und nur eine Niederlage kassiert, hat er es verdient. Ich habe es in der Hinrunde ein bisschen anders gesehen, habe damit gerechnet, dass sie es nicht durchziehen. Aber sie haben sich weiterentwickelt und viele Spiele in der Endphase entschieden. Das spricht für die Moral.

Die Saison 2017/18 des Fußball-Kreisligisten Fortuna Walstedde

Was traust du dem Team in der Bezirksliga zu? 

Chart: Das ist schon ein anderes Kaliber. Ich denke, das weiß Sünninghausen auch. Ich wünsche der Mannschaft und dem Trainer alles Gute und dass sie den Klassenerhalt schaffen. Das wird deren vorrangiges Ziel sein.

In den ersten acht Saisonspielen gab es nicht eine Niederlage – und nach dem 0:1 in Stromberg einer Serie von 16 ungeschlagenen Partien. Wie ist die magere Ausbeute von nur vier Punkten aus den letzten fünf Spielen zu erklären? 

Chart: Der Stachel saß nicht nur bei uns Trainern tief, sondern auch bei der Mannschaft. Das hat sich in den Spielen am Saisonende bemerkbar gemacht. Die Enttäuschung war groß, die Jungs waren nicht mehr richtig bei der Sache. Jeder hatte an die Meisterschaft geglaubt, und wir hatten alle Rückschläge weggesteckt. Und dann kam die schmerzhafte Niederlage gegen Sünninghausen (das 1:2 fiel in der Nachspielzeit/Anmerkung der Redaktion). Es war das Schlüsselspiel. Wir hatten die beste Mannschaft seit Wochen auf dem Spielfeld. Allerdings hätten vier, fünf Leistungsträger zwei, drei Wochen länger gebraucht, um das Spiel zu bestreiten. Leider hatten sie die Zeit nicht, um richtig fit zu werden. Wenn einer mehrere Wochen verletzt war, ist er nicht nach zwei Wochen wieder bei 100 Prozent. Wir mussten diese Spieler ins kalte Wasser werfen. Nach dem Sünninghausen-Spiel war es so, als hätte jemand den Stecker gezogen. Es war schwer, sich noch mal zu sammeln. Tatsache ist, dass man die Saison nicht schlechtreden sollte. Es ist schade, dass die Mannschaft nicht für ihren Aufwand belohnt wurde.

Gibt es einen Spieler, der das Trainerteam positiv überrascht hat?

Chart: Insgesamt ist die Mannschaft von der Spielanlage her besser geworden. Viele Spieler haben sich weiterentwickelt. Und wir werden weiter daran arbeiten.

Neunter Platz 2015/16, Vizemeister in der Vorsaison und nun Dritter: Ist die Fortuna im vierten Jahr unter deiner Regie reif für den Aufstieg?

Chart: Letzte Saison hatten wir gar nicht damit gerechnet, das hat sich so ergeben. Dieses Mal sind wir mit den Ambitionen, oben mitzuspielen, gestartet. Das ist uns teilweise sehr gut gelungen. Jetzt gilt es, an Kleinigkeiten zu schrauben. Dass wir solche Spiele wie in Benteler, dieses 4:4, und gegen Oelde (1:1 durch einen Treffer des gegnerischen Keepers in der Nachspielzeit) vermeiden. Das waren unnötige Punktverluste. Wir müssen noch akribischer arbeiten, voll und ganz auf unser Spiel konzentrieren und jeden Gegner ernst nehmen.

In welchen Bereichen muss sich die Mannschaft verbessern, um den großen Wurf zu schaffen? 

Chart: Wir haben wirklich eine sehr stabile Abwehr, aber auch Phasen im Spiel, in denen wir abwesend sind, nicht konzentriert, nicht fokussiert genug. Wir müssen über 90 Minuten auf der Höhe sein.

Am 1. Juli startet das Training. Sechs Wochen wird geschwitzt, ehe es am 12. August wieder um Punkte geht. Was erwartet die Jungs in der Vorbereitung? 

Chart: In der Anfangsphase werden wir an der Fitness feilen, im Trainingslager (wieder im sauerländischen Hallenberg) dann an den taktischen Sachen arbeiten. Hinzu kommen sieben Testspiele. Wir hatten noch einige Anfragen, aber sieben Tests sollten reichen. Wir wollen ja auch ein bisschen trainieren.

Welche personellen Veränderungen wird es geben? 

Chart: Mit unseren A-Jugendlichen haben wir bis jetzt neun bis zehn neue Spieler. Torwart Henry Bergmeier, Luis Buttermann, Sebastian Borgschulte und Stefan Post, die aus der A-Jugend kommen, haben ja schon bei uns trainiert beziehungsweise gespielt. Sehr talentierte Jungs, auf die ich mich freue. Man hat schon im Training gesehen, dass sie uns weiterhelfen können, wenn sie dranbleiben. Und Kai Berretz und Fabian Beckmann, die lange verletzt waren, kommen dazu. Das sind ja praktisch auch zwei Neuzugänge.

Gibt es bei den Neuen von auswärts schon Offizielles? 

Chart: Die externen Neuzugänge nennen wir lieber erst, wenn die Leute zum ersten Training kommen. Ich kenne das aus der Vergangenheit: Da hat man schon Neuzugänge genannt, und die sind dann doch nicht gekommen.

Und wer verlässt euch? 

Chart: Daniel Budde wird im Hintergrund im sportlichen Bereich eine Aufgabe übernehmen. Ansonsten gibt es niemanden, der aufhört.

Wie viele Namen hast du insgesamt auf dem Zettel? 

Chart: Wir sind ziemlich breit aufgestellt, werden mindestens 28 Spieler haben mit den A-Jugendlichen.

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