Fußball

Fortuna und Trainer Tenbrink trennen sich: Die T-Frage und ihre Folgen

Ein Stück weit Erleichterung sei die Trennung von Fortuna Walstedde für ihn, sagt der bisherige Trainer Michael Tenbrink. Foto: Kleineidam
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Ein Stück weit Erleichterung sei die Trennung von Fortuna Walstedde für ihn, sagt der bisherige Trainer Michael Tenbrink.

[Update] Nach nicht einmal 15 Monaten gehen Fortuna Walstedde und Michael Tenbrink getrennte Wege. Das bestätigten beide Seiten am Donnerstag. Die Entscheidung fiel am Mittwochabend – allerdings nicht in beiderseitigem Einvernehmen.

Walstedde – Die Verantwortlichen des Fußball-A-Kreisligisten und der Trainer, der das Amt im Sommer 2020 von Eddy Chart übernommen hatte, haben ganz unterschiedliche Sichtweisen.

Der Saisonstart war enttäuschend für Fortunas Fußballer. Erst die ernüchternde 0:7-Klatsche in Wadersloh, dann der Verzicht der ersten Mannschaft im Kreispokal und das 3:5 im zweiten Ligaspiel nach einer 2:0-Führung gegen Lette. Es folgte das eigentlich unerklärbare Heimspiel gegen die Ahlener SG. Zur Pause stand es 0:4, am Ende 7:4. Ein Sieg der Moral, der die Wende bringen könnte? Denkste! Zwischen den beiden völlig unterschiedlichen Halbzeiten stellte Michael Tenbrink die T-Frage. Die hat nun Folgen.

Unterschiedliche Auffassungen

Am Mittwoch fand vor dem Training ein Gespräch zwischen dem Sportlichen Leiter Daniel Budde und Tenbrink statt. „Daniel sagte, ich hätte mich selber in Zugzwang gebracht. Die Mannschaft habe es mental nicht verarbeitet, dass ich in der Halbzeit gesagt habe: ,Wenn ich das Problem bin, dann müsst ihr es mir sagen.‘“, berichtet Tenbrink. Dass das Team zunächst auf dem Platz die von ihm erhoffte Reaktion zeigte und sich anschließend doch gegen ihn aussprach, „ist alles, aber nicht logisch“, so Tenbrink. Aus seiner Sicht ist er entlassen worden.

„Das stimmt nicht. Entlassen wurde er nicht“, entgegnet Budde. „Es gibt unüberbrückbare Differenzen zwischen Mannschaft und Trainer.“ Nach dem Vorfall in der Kabine „sind die Jungs an mich herangetreten“, berichtet Budde. „Es sind Dinge, die sich angestaut haben und komplett wie so ein Schwall herauskamen. Wenn Michael so eine Frage stellt, muss er mit der Reaktion und den Konsequenzen leben – egal ob es im Affekt war oder nicht.“

Tenbrink bemängelt fehlende Kommunikation

Dass es Strömungen im Team gegen den Trainer gab, soll ebenfalls Thema beim Gespräch zwischen Budde und Tenbrink gewesen sein. „Daniel sagte, es gebe schon seit längerer Zeit Stimmen gegen mich“, sagt der Ahlener und bemängelt die fehlende Kommunikation. Kein Spieler sei persönlich an ihn herangetreten. Und wenn er Kritik geäußert habe, dann habe sich die ausschließlich auf den sportlichen Bereich bezogen. „Als Menschen sind sie für mich unantastbar“, sagt Tenbrink.

Zum Entschluss, dass beide Seiten von nun an getrennte Wegen gehen, sagt er: „Im Großen und Ganzen ist es nach den letzten Wochen ein Stück weit Erleichterung. Da bin ich ehrlich, weil ich deutlich gespürt habe, dass was im Busch ist.“ Tenbrink hatte selbst mit dem Gedanken gespielt, die Brocken hinzuwerfen. „Ja, klar“, sagt er und spricht die seit Wochen schlechte Trainingsbeteiligung an: „Das ging ja so, seitdem wir aus dem Trainingslager in Reken zurück waren. Das sind zwei Monaten, in denen immer nur sechs oder sieben beim Training waren. Da stellt man sich schon die Frage: Macht das Sinn, macht das für mich überhaupt noch Spaß?“

Wir haben den Eindruck, dass Michael bei uns nicht richtig angekommen ist.

Daniel Budde

Dass die Ergebnisse und die Beteiligung an den Einheiten nicht gut waren und es teilweise viele Verletzte gab – diese Themen hätten laut Budde auch die Verantwortlichen beschäftigt. „Auch wir vom Vorstand haben uns die Frage gestellt: Was funktioniert da nicht?“, sagt der Sportliche Leiter. „Wir haben den Eindruck, dass Michael bei uns nicht richtig angekommen ist.“ Mit der Situation ist Budde alles andere als glücklich. „Wir haben an das Projekt geglaubt und bedauern die Entwicklung sehr“, sagt er und moniert das „provozierende Verhalten“ Tenbrinks: „Es ist keine Entlassung in meinen Augen, wenn er selber die T-Frage stellt und eine Antwort kriegt.“

Koch übernimmt

Die (zum Teil jungen) Spieler nimmt Budde in Schutz. „Die Mannschaft ist nicht zerrüttet. Das ist ein eingeschworener Haufen, da sind Feuer und Leben drin.“ Um die Einheit am Mittwoch kümmerte sich der bisherige Co-Trainer Oliver Koch. Ob er eine Interimslösung bleibt oder neuer Chefcoach wird, ist unklar. „Auf jeden Fall wird er am Freitag das Training leiten und am Sonntag an der Linie stehen. Der Rest wird sich nächste Woche zeigen“, sagt Budde. Koch habe sich Bedenkzeit erbeten. „Dann sehen wir weiter“, sagt der Sportliche Leiter.

Einen Kommentar zur Trennung gibt es in der Freitagsausgabe des Westfälischen Anzeigers (WA Drensteinfurt 24. September).

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