Fußball

„Surreal“: SV Drensteinfurt steigt erstmals in die Landesliga auf

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Groß ist die Freude beim SV Drensteinfurt: Das Team von Trainer Oliver Logermann spielt nächste Saison eine Liga höher.

Drensteinfurt – Acht Jahre nach dem Aufstieg in die Bezirksliga haben sich die Fußballer des SV Drensteinfurt für ihre konstant guten Leistungen belohnt und steigen mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit erstmals in der Geschichte des 1910 gegründeten Vereins in die Landesliga auf.

Nach der Ekstase im Erlfeld bei der Meisterfeier 2012 fällt eine große Feier diesmal allerdings flach – zumindest vorerst. Covid-19 lässt eine angemessene Party aktuell nicht zu.

Mehrere Wochen hatten sowohl der SVD als auch der Rivale SG Bockum-Hövel gezittert. Steigt, weil erst zwei Drittel der Saison absolviert waren, der Herbstmeister (Bockum-Hövel) oder der Spitzenreiter zum Zeitpunkt des Abbruchs Mitte März (Drensteinfurt) auf? Am Mittwoch, nach einer Vereinsumfrage, zahlreichen Diskussionen und Videokonferenzen, lüftete der FLVW das Geheimnis. In der Bezirksliga 7 dürfen sowohl Drensteinfurt als auch Bockum-Hövel jubeln. Der Verband zeigte sich flexibel und präsentierte eine Lösung, von der beide Vereine profitieren. Einen Meister gibt es allerdings nicht.

„Wahnsinn! Ich habe zwar schon Aufstiege erlebt, aber so einen noch nicht“, sagte SVD-Trainer Oliver Logermann angesichts der außergewöhnlichen Situation auf Anfrage des WA. Er war erleichtert: „Wir haben es uns natürlich so gewünscht und freuen uns jetzt riesig. Es ist nicht zu 100 Prozent durch, aber gehen wir mal davon aus, dass es so kommt. Wenn, dann werden nur Kleinigkeiten geändert.“

Lösung „wirklich gut“

Die Lösung, die der Verbands-Fußball-Ausschuss (VFA) erarbeitet hat, findet Logermann „wirklich gut“. Er hatte mit der Anwendung der Quotientenregelung gerechnet. „Das hatte man zwischendurch schon so ein bisschen rausgehört. Ich hatte eigentlich die ganze Zeit ein gutes Gefühl, dass es für uns reicht. Es freut mich aber auch für Bockum-Hövel.“ Beide Mannschaften, die nach 20 Spieltagen nur ein Punkt trennte, hätten eine gute Saison gespielt und den Aufstieg verdient. Mit SG-Spielertrainer David Schmidt hatte Logermann zwischenzeitlich Kontakt. „Wir hatten uns schon vor ein paar Wochen zu einer guten Saison gratuliert – unabhängig davon, wie die Entscheidung ausfällt. Es wäre echt ärgerlich gewesen, wenn es für eine der beiden Mannschaften nicht gereicht hätte.“

--- Die Tabelle ---

In der WhatsApp-Gruppe der ersten Mannschaft überschlugen sich die Nachrichten nach Bekanntgabe der ausgearbeiteten Empfehlung. „Da geht einiges“, sagte Logermann. „Wir würden uns natürlich gerne alle jetzt schon sehen und ein bisschen was abreißen. Es fühlt sich ein bisschen unreal an.“

Logermann sieht den Aufstieg als „verdienten Lohn“ für die Arbeit in den vergangenen Spielzeiten an. „Wir waren immer oben dabei und irgendwann reif für die Landesliga.“ Es werde ein „großes Abenteuer“ für den Verein – passend zum 110-jährigen Bestehen – und eine „Riesenerfahrung“ für die Jungs, mal in der Landesliga und mit Schiedsrichter-Assistenten zu spielen. Der 35 Jahre alte Coach ist sich schon jetzt sicher: „Wir haben einen guten Kader und werden gut mithalten.“

„Die Truppe war reif“

Auch Alexander Moos, der Obmann der SVD-Seniorenfußballer, sprach von einer komischen Situation. „Es ist ein bisschen surreal.“ Moos ist natürlich glücklich: „110 Jahre SVD – und wir sind zum ersten Mal in der Landesliga.“ Und er ist überzeugt, dass die Mannschaft den Aufstieg auch sportlich geschafft hätte. „Die Truppe war einfach heiß und reif. Das hätten wir uns nicht mehr nehmen lassen.“

Dass der SVD und Bockum-Hövel aufsteigen, findet Moos fair: „Das ist super.“ So werde auch der sportliche Erfolg der Hammer, vor allem was die Hinserie betrifft, belohnt.

Für Moos nur noch Formalitäten

Am kommenden Montag, 11. Mai, muss die Ständige Konferenz des FLVW, die sich aus den 29 Kreisvorsitzenden und den acht Präsidiumsmitgliedern zusammensetzt, die Empfehlung des VFA absegnen. Final abgestimmt wird über die Wertung bei einem Verbandstag, der erst im Juni stattfindet, weil Fristen eingehalten werden müssen. „Das sind nur noch Formalitäten, die erfüllt werden müssen“, sagt Moos. Er ist sich sicher: „Das wird so durchgezogen.“

Einen Kommentar zum Aufstieg des SV Drensteinfurt gibt es in der Ausgabe des WA am Donnerstag, einen Bericht mit Stimmen der Spieler am Freitag.

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