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Fifa zocken für den SC Paderborn: Jonas Wirth gibt sein Debüt in der Virtual Bundesliga

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Von: Matthias Kleineidam

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Hat einen Vertrag beim SC Paderborn 07 unterschrieben: Jonas Wirth aus Drensteinfurt. Am Dienstag, 25. Januar, kommt der 16-Jährige zu seinem ersten Einsatz in der VBL. Fotos: SC Paderborn 07
Hat einen Vertrag beim SC Paderborn 07 unterschrieben: Jonas Wirth aus Drensteinfurt. Am Dienstag, 25. Januar, kommt der 16-Jährige zu seinem ersten Einsatz in der VBL. © SC Paderborn 07

Er hat das geschafft, wovon andere in seinem Alter träumen: Jonas Wirth ist Spieler in der Bundesliga – der Virtual Bundesliga (VBL). Der 16-Jährige aus Drensteinfurt ist E-Sportler und steht seit Kurzem beim SC Paderborn 07 unter Vertrag – und direkt vor seinem Debüt in der VBL.

Drensteinfurt – Es war ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk – und was für eins. Am Tag vor Heiligabend erhielt Jonas die Nachricht, dass er im neuen Jahr zum E-Sport-Team des Fußball-Zweitligisten gehört. Seine Reaktion: „Ich habe es erst gar nicht realisiert, war dann aber überglücklich, dass mein Traum zur Wirklichkeit geworden ist“, sagt der Schüler. Weil die ganze Familie – seine Eltern und sein Bruder Patrick – zu Hause war, wurde direkt auf die großartige Neuigkeit angestoßen. Und natürlich informierte Jonas gleich seine besten Freunde.

Apropos Weihnachten: Ende 2013 bekam er eine Playstation 3 geschenkt. Damit fing alles an. Als Achtjähriger absolvierte er die ersten sportlichen Wettkämpfe an der Spielkonsole. „Das ist schon sehr lange her“, erinnert sich Jonas – auch an seine ersten Duelle: „Ich habe regelmäßig mit meinem Bruder gezockt. Wir haben aus Spaß Fifa gegeneinander gespielt.“ Mit zehn Jahren spielte er erstmals online gegen Freunde und andere. „Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich besser bin als der Durchschnitt“, sagt Jonas.

Deutschen Meister geschlagen

Das Niveau stieg im Laufe der Jahre weiter, der Ehrgeiz auch. Im November 2021 wurde es ernst für den jungen Stewwerter. Jonas hatte sich bei einem EA-Turnier mit Teilnehmern aus aller Welt – das Mindestalter betrug 16 Jahre – für die Top 400 qualifiziert. Von acht Spielen musste er sechs gewinnen, um in die K.-o.-Phase zu kommen. Der E-Sportler kassierte zwar direkt eine Niederlage und im vierten Match die zweite. Doch danach hielt er dem Druck stand und feierte vier Siege in Serie. „Das passte perfekt“, berichtet Jonas. Unter anderem schlug er überraschend Umut Gültekin. Der 19-Jährige aus Hamburg, der für RB Leipzig spielt, ist nicht nur deutscher Einzelmeister (Preisgeld für den Titel: 40 000 Euro), sondern auch E-Footballer der Jahre 2020 und 2021 – eine Auszeichnung des Sportmagazins Kicker. Die erste K.-o.-Runde der besten 64 überstand Jonas noch, das Sechzehntelfinale war allerdings Endstation. „Das erste Spiel habe ich gewonnen, das zweite verloren“, blickt Jonas auf ein für ihn aufregendes und vor allem erfolgreiches Turnier zurück.

Denn dass er es immerhin in die Top 32 schaffte, hinterließ Eindruck. Die „Academy of eSports“ mit Sitz in Moers, die Talente an Vereine vermittelt, schrieb Jonas über Instagram an. „Beim SC Paderborn 07 läuft es nicht so gut“, erklärt der Drensteinfurter. Der SCP ist seit 2020/21 in der VBL dabei und steht in der Tabelle der Nord-West-Division (siehe Infokasten ganz unten) aktuell nur auf dem zwölften und damit vorletzten Platz. Es folgte ein Anruf der Verantwortlichen. „Ich sollte vorspielen.“

Fußballer beim SVD

Nicht nur virtuell, sondern auch reell: Ein weiteres Hobby von Jonas Wirth ist Fußball. Er ist bei den Minikickern gestartet und spielt mittlerweile in der U17 des SV Drensteinfurt. „Das ist ein sehr guter Jahrgang“, sagt der 16-Jährige, der sich mit den B-Junioren für die Leistungsliga qualifiziert hat. Seine Lieblingsposition ist die Sechs. Trainiert wird dienstags – der Termin kollidiert mit den Spieltagen der Virtual Bundesliga – und freitags. Angst, sich zu verletzen, hat Jonas nicht. „Immer Vollgas“, sagt er. Allerdings gibt er nun mehr acht. „Ich muss aufpassen, dass ich mir keine Finger breche.“ Das wäre schlecht für das Spiel mit dem Controller.

Gefragt, getan! Anfang Dezember fuhr Jonas nach dem Unterricht – er ist Schüler der Fritz-Winter-Gesamtschule in Ahlen – nach Paderborn, wo es eigene Räume für die E-Sportler gibt. Gegen einen jetzigen Teamkollegen spielte der 16-Jährige dreimal unentschieden. „Der Coach und vier weitere Leute haben die Matches beobachtet und waren sehr zufrieden. Eine Woche später habe ich einen Anruf von meinem Manager bekommen.“ Die „Academy of eSports“ berät Jonas. Der Vertrag läuft fürs Erste acht Monate, also bis Ende August. Ein Gehalt gibt es auch, zudem werden die Fahrtkosten erstattet.

Erst kurz vor Mitternacht zu Hause

Trainiert wird montags in Paderborn. Jonas fährt mit der Bahn zu den Einheiten. Los geht‘s gegen 15.30 Uhr. Die Zeit im Zug – pro Fahrt etwa eine Stunde – nutzt er zum Lernen. Ab 16.30 Uhr wird viereinhalb Stunden trainiert. Die anderen drei im Kader sind älter als Jonas. Doch er sei gut aufgenommen worden, versichert er. Gegen 22.30 Uhr ist er zu Hause. Dienstags ist Spieltag in der VBL. Die Partien beginnen um 18 und um 20 Uhr. Dann ist er sogar erst gegen 23.30 zu Hause. „Dann bin ich extrem müde, schlafe sofort ein“, sagt Jonas.

Seine Eltern sind natürlich nicht besonders begeistert, dass er an den ersten beiden Tagen der Woche erst sehr spät zu Hause ist. „Aber sie unterstützen mich immer und wollen erst mal schauen, wie es in der Schule weiterläuft“, sagt Jonas. Im Sommer möchte er das Fachabitur (Richtung Technik) in Münster in Angriff nehmen.

Fifa zocken – das macht der junge Drensteinfurter Jonas Wirth am liebsten. Foto: Kleineidam
Fifa zocken – das macht der junge Drensteinfurter Jonas Wirth am liebsten. © Kleineidam

Bei der ersten Liga-Aufgabe der Paderborner im neuen Jahr gegen Werder Bremen – der SCP feierte im zwölften Saisonspiel den dritten Gesamtsieg – war der Drensteinfurter zwar vor Ort, kam aber nicht zum Einsatz. „Ich hatte vorher erst zweimal trainiert“, erklärt er. Dafür weiß er seit Montag, dass er am kommenden Dienstag, 25. Januar 2022, sein Debüt geben wird – als zweitjüngster Spieler in der Geschichte der Virtual Bundesliga. Die Vorfreude beim 2,03 Meter großen Drensteinfurter ist riesig. „Die Aufregung kommt aber erst kurz vorher“, sagt Jonas, dessen Spielername Jonny ist.

Paderborn trifft zunächst auf den Tabellenfünften 1. FC Köln und dann auf den Spitzenreiter Hannover 96, der erst einmal verloren hat. Ausgetragen werden pro Partie zwei Einzel – eins auf der Playstation 5, eins auf der Xbox – und ein Doppel. Jonas wird gegen Köln ein Einzel auf der Playstation spielen, auf die er sich spezialisiert hat. „Xbox tue ich mir nicht an, da sind die Controller komplett anders“, sagt er. Es gebe aber auch Bundesligaspieler, die beide Konsolen beherrschen.

Ausgiebiges Training im eigenen „Reich“

Um noch besser zu werden, trainiert Jonas auch in seinem „Reich“, wie er sein Zimmer nennt. Dort gibt es neben der heiß begehrten Playstation 5 – der 16-Jährige aktualisierte sechs Stunden eine Seite, um ein Exemplar zu ergattern – einen Computer, drei Monitore sowie eine Webcam und ein Mikrofon, um mit anderen beim E-Sport zu kommunizieren. Am Wochenende trainiert Jonas pro Tag fünf, sechs Stunden.

In der VBL dürfen ausschließlich Vereine starten, die auch in den Fußball-Bundesligen vertreten sind. Sein Lieblingsclub FC Schalke 04 ist in der Nord-West-Division dabei, am 15. Februar kommt es zum Rückspiel. Beim ersten Aufeinandertreffen im Dezember verlor Paderborn 1:7 gegen die Königsblauen. Der FC Bayern München und Borussia Dortmund fehlen in der VBL noch. Das wird sich wohl ändern. „Ab der nächsten Saison soll jeder Bundesliga-Club eine E-Sport-Abteilung haben“, klärt Jonas auf.

Ich habe es erst gar nicht realisiert, war dann aber überglücklich.

Jonas Wirth

Sein großes Ziel ist es, mal für einen Erstliga-Club zu spielen. Professionell E-Sport zu betreiben, ist natürlich auch ein Traum. „Man kann alles verdienen“, sagt Jonas. Einer der besten Deutschen bekomme 4500 Euro im Monat.

Ausgeträumt ist dagegen mittlerweile der Traum von Patrick, das familieninterne Fifa-Duell mit seinem jüngeren Bruder zu gewinnen. „Früher haben wir jeden Tag gespielt. jetzt will er nicht mehr“, sagt Jonas lachend.

Virtual Bundesliga: 26 Clubs spielen in zwei Divisionen

Im Jahr 2012 hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) in Kooperation mit EA Sports mit der Virtual Bundesliga (VBL) als erste professionelle Fußballliga überhaupt einen E-Sport-Wettbewerb ins Leben gerufen. Seit ihrer Einführung hat die VBL eine stetig größer werdende Popularität. Die virtuelle Bundesliga ist bis heute der einzige direkt in das Spiel EA Sports Fifa integrierte Wettbewerb einer Profiliga. Die steigende Beliebtheit der VBL sowie die generell wachsende Relevanz des E-Sports und die Fokussierung der DFL auf Fußball-Simulationen haben in der Saison 2018/19 zur Einführung der VBL Club Championship geführt, an der in der aktuellen Spielzeit 2021/22 insgesamt 26 Clubs aus der Bundesliga und 2. Bundesliga teilnehmen. Analog zur vorherigen Saison mit ebenfalls 26 Erst- und Zweitligisten treten die Clubs in zwei Divisionen (Nord-West und Süd-Ost), die nach geografischen Parametern eingeteilt wurden, gegeneinander an. Die besten acht Clubs ermitteln in einem Finalturnier den deutschen Club-Meister im E-Football. (Quelle: www.dfl.de)

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