Fußball

HSV-Fans aus Drensteinfurt: „Der gleiche Mist wie jedes Jahr“

Nicht zu fassen: Hamburgs Sonny Kittel geht nach dem 1:1 jüngst gegen den Karlsruher SC enttäuscht über den Rasen im Volksparkstadion.
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Nicht zu fassen: Hamburgs Sonny Kittel geht nach dem 1:1 jüngst gegen den Karlsruher SC enttäuscht über den Rasen im Volksparkstadion.

Fußball-Zweitligist Hamburger SV hat in den fünf Spielen im April gerade mal drei Punkte geholt. Die Rückkehr in die Bundesliga nach drei Jahren Abstinenz ist unwahrscheinlich. Der WA hat bei drei HSV-Fans aus Drensteinfurt nachgefragt: bei Thorsten Tegtmeier, bei Nico Stude und bei Jochen Dittrich.

Drensteinfurt – Extrem ernüchternd – das sind die Ergebnisse des Zweitligisten Hamburger SV in den vergangenen Wochen und Monaten. Gerade mal drei Punkte holte der ehemalige Bundesliga-Dino in den fünf Spielen im April. Die Rückkehr ins Oberhaus nach drei Jahren ist zwar noch möglich, aber unwahrscheinlich. WA.de hat bei drei HSV-Fans aus Drensteinfurt nachgefragt: bei Thorsten Tegtmeier (49 Jahre), bei Nico Stude (19) und bei Jochen Dittrich. Der 70-Jährige ist seit Uwe Seelers Zeiten Anhänger des Traditionsclubs – „in guten wie in schlechten Zeiten“.

Nur drei Siege in 14 Spielen: Die Rückrunde läuft für den Herbstmeister extrem enttäuschend. Was sind die Gründe für die magere Ausbeute von 16 Punkten?
Tegtmeier: Sicherlich haben sich die Gegner besser auf das Spiel des HSV eingestellt als in der Hinserie. Viele Mannschaften spielen jetzt etwas mehr Pressing, damit kommt der HSV nicht ganz so gut zurecht. Leider versucht das Team immer mehr, das Spiel zu kontrollieren und keine Risikopässe in die Spitze zu spielen wie in der Hinrunde. Das hatte über Jatta, Leibold, Kittel sehr oft funktioniert, und die Vorlagen wurden dann oft durch Terrodde verwandelt.
Stude: Bei den Gründen bin ich mir nicht sicher. Ich glaube, dass auch der Trainer einige falsche Entscheidungen bei Wechseln und Taktiken gemacht hat. Die Mannschaft ist einfach offensiv viel ideenloser als in der Hinrunde. Auch Terodde kommt nicht mehr in die Show. Man hat das Gefühl, dass die Luft einfach raus ist – was natürlich nicht geht und unprofessionell ist.
Dittrich: Ich kann mir vorstellen, dass einige Spieler gar nicht aufsteigen wollen, da sie in der 1. Liga um ihren Platz bangen würden, wenn der eine oder andere neue Spieler kommt.
Zur Trainerdiskussion: Ist Daniel Thioune der Richtige, um den Hamburger SV zurück in Bundesliga zu führen? (diese Frage beantworteten die drei vor der Entlassung Thiounes am Montag, 3. Mai)
Tegtmeier: Ja, Thioune muss bleiben. Er baut die jungen Spieler Gott sei Dank mit in die Mannschaft ein. Fakt ist: Nach dem 19. Spieltag lag der HSV fünf Punkte vor Platz vier und alle haben gesagt, dass man die Arbeit des Trainer sehe. Und jetzt wird wieder alles infrage gestellt? In der Vergangenheit hat man ja gesehen, was die Trainerwechsel gebracht haben: nichts, nur weitere finanzielle Probleme. 23 Mal hat der HSV seinen Trainer gewechselt seit 2001. Zum Vergleich, auch wenn der ein wenig hinkt: Bayern München kommt in der gleichen Zeit auf zwölf Trainerwechsel, Spitzenreiter in der Sache ist Freiburg mit drei Mal. Hin und wieder muss man einem Trainer mal länger vertrauen etwas aufzubauen. Jetzt ist doch die Chance da, damit anzufangen. Geld ist eh nicht vorhanden, und Thioune baut jetzt schon die U23 mit ein. Dann spielen wir halt noch ein, zwei Jahre in Liga zwei und haben dann vielleicht eine Erstliga-taugliche Mannschaft. Mit dem aktuellen Team würde es wahrscheinlich nur eine einmalige Saison in der Bundesliga.
Stude: Ich denke, dass Thioune trotzdem noch der richtige Mann ist, und hoffe auch, dass sie weiter mit ihm Planen. Natürlich hat er einige falsche Entscheidungen getroffen, aber menschlich gab es seit vielen Jahren keinen Besseren mehr. Das einzige „Chaos“ in der Saison war die Präsidentschaftsdiskussion, aber auch die war halb so wild, wenn man sich damit genau auseinandergesetzt hat. So viel Ruhe gab es lange nicht mehr beim HSV. Und Thioune war in Interviews immer ganz nüchtern und neutral. Deswegen hoffe ich, dass sie auf jeden Fall an ihm festhalten.
Dittrich: Den Trainer halte ich schon für kompetent, an ihm wird‘s nicht liegen!
Verpasst der HSV nach dem Abstieg 2018 zum dritten Mal nacheinander knapp den Aufstieg oder wird es doch noch zu Platz zwei oder drei reichen?
Tegtmeier: Nein, wir haben keine Chance mehr auf den Aufstieg. Ich habe das auch schon nach der 1:2-Niederlage gegen Darmstadt gesagt.
Stude: Ich rechne fest damit, dass es der vierte oder fünfte Platz wird. Ich sehe keine Ansatzpunkte aus den letzten Spielen, dass es besser werden könnte. Mittlerweile überwiegt auch eher der Frust. Man ist aber gar nicht mehr so sauer, sondern denkt einfach, dass der gleiche Mist wie jedes Jahr losgeht.
Dittrich: Die Hoffnung auf einen Aufstieg in dieser Saison habe ich so gut wie aufgegeben, da müsste schon noch viel passieren. Wenn es noch was werden soll, müssen wir die letzten drei Spiele gewinnen.
Welche Mannschaften schaffen den Sprung in die Bundesliga?
Tegtmeier: Bochum, Fürth und Kiel. Ich glaube nicht, dass Kiel alle drei Nachholspiele verliert. Und der HSV muss die letzten drei Spiele auch erst mal gewinnen. Mein Tipp vor der Saison war ein nicht direkter Aufstieg. Von daher... Bochum war bei meinem Tipp aber auch nicht dabei. Ich hatte Fortuna Düsseldorf und Hannover 96 stärker erwartet. Wobei Düsseldorf ja theoretisch noch aufsteigen kann.
Stude: Bochum wird es auf jeden Fall schaffen. Und dem VfL gönne ich es auch. Ich denke auch, dass die Fürther den zweiten Platz holen werden, doch sie werden im Gegensatz zu Bochum keine Bereicherung für die Bundesliga werden. Den dritten Platz wird Kiel holen – vorausgesetzt das Team kommt mit diesem wahnsinnigen Terminplan klar. Das muss man abwarten. Es wird eine spannende Relegation gegen Bremen, Köln oder Bielefeld.
Dittrich: Bochum, Kiel und Greuther Fürth.
Mit welchen Gefühlen würden die Fans des Hamburger SV in eine vierte Zweitliga-Saison in Serie gehen?
Tegtmeier: Wir freuen uns im nächsten Jahr auf Schalke, vielleicht Bremen und Berlin. Ich denke aber eher, es werden Köln und Bielefeld.
Stude: Das wird auf jeden Fall eine wahnsinnig attraktive 2. Liga nächste Saison. Wenn es gut läuft, kommen 1860 München, Dresden und Rostock hoch sowie Bremen, Schalke und Köln runter. Das würde den Aufstieg zwar deutlich schwerer machen, aber es würden geile Spiele. In meinen Augen wird es auch eine deutlich spannendere und attraktivere Liga als die Bundesliga. Deswegen hoffe ich umso mehr, dass wir bald wieder die Stadien vollmachen können.
Thorsten Tegtmeier, 49 Jahre
Nico Stude, 19 Jahre
Jochen Dittrich, 70 Jahre

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