Skispringen

Vierschanzentournee-Fans: „Begeisterung hat Hannawald entfacht“

Der Pole Kamil Stoch geht als Favorit auf den Gesamtsieg ins letzte Springen in Bischofshofen.
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Der Pole Kamil Stoch geht als Favorit auf den Gesamtsieg ins letzte Springen in Bischofshofen.

Mit dem Springen im österreichischen Bischofshofen endet die Vierschanzentournee. Vor der letzten Station des prestigeträchtigen Wettbewerbs hat WA.de bei fünf Drensteinfurtern nachgefragt, was das Besondere an der Tournee ist, ob die Deutschen noch eine Chance haben und wer triumphieren wird.

Drensteinfurt/Walstedde – Das Finale der 69. Vierschanzentournee, das heute im österreichischen Bischofshofen stattfindet, verfolgen auch die Drensteinfurter. Die Paul-Außerleitner-Schanze ist die größte der vier Tournee-Anlagen und verspricht daher zum Abschluss besondere Spannung. Mit dem ersten deutschen Gesamtsieg seit 19 Jahren wird es aber wohl nichts. In der Gesamtwertung liegt der Skiflug-Weltmeister Karl Geiger 24,7 Punkte – umgerechnet fast 14 Meter – hinter dem führenden Polen Kamil Stoch. Vor der letzten Station des prestigeträchtigen Wettbewerbs hat WA.de bei vier Drensteinfurtern und einem Walstedder nachgefragt, was das Besondere an der Vierschanzentournee ist, ob die Deutschen noch eine Chance haben und wer triumphieren wird.

Faszinierendes

Tim Weichenhain ist ein großer Fan des Wintersports und fährt selber sehr gerne Ski. „Das muss eigentlich einmal im Jahr sein. Den diesjährigen Skiurlaub mussten wir leider aufgrund der Corona-Situation absagen“, sagt der Drensteinfurter. „Ich würde den Ski- immer einem Sommerurlaub vorziehen, da das Feeling und die Natur in den Bergen und speziell im Winter ein Traum sind.“ Mit dem Skifahren begonnen hat Weichenhain, als er zirka zwölf Jahre alt war. „Wir hatten die Möglichkeit, an einer Schulskifreizeit von der Realschule Drensteinfurt aus teilzunehmen. Seitdem fahre ich ein-, teilweise zweimal im Jahr in den Skiurlaub.“

Skispringen schaut sich der 26-Jährige besonders gerne an, wenn er die Zeit dazu hat. „Bei uns im Haus wurde und wird generell viel Wintersport geguckt. Die Vierschanzentournee verfolge ich aber, seitdem ich denken kann“, sagt Weichenhain. „Die Begeisterung hat Sven Hannawald mit seinem Tourneesieg 2002 entfacht.“ Hannawald schaffte es damals, alle vier Einzelwettkämpfe der Tournee zu gewinnen.

Tim Weichenhain

Das Faszinierende an dem Wettbewerb, den es seit 1953 gibt, ist für Weichenhain, „dass man über mehrere Tage auf mehreren Schanzen und unter verschiedensten Witterungsbedingungen Top-Leistungen abrufen muss“. Die Teilnehmer dürften sich keinen schlechten Tag erlauben, sondern müssten konstant gute Sprünge abliefern.

Und weil Karl Geiger durch seinen enttäuschenden 16. Platz beim Bergiselspringen in Innsbruck auf den vierten Platz des Gesamtklassement zurückfiel, wird es wahrscheinlich nichts mit dem ersten deutschen Sieger seit Hannawald. „Ich glaube nicht, dass die Deutschen noch eine Chance haben auf den Tourneesieg. Dafür sind die Polen zu stark, und die Leistung von Geiger und Eisenbichler schwankt zu sehr“, sagt Tim Weichenhain, der für die zweite Fußballmannschaft des SVD spielt. „Ich denke aber, dass Geiger auf dem dritten Platz in der Gesamtwertung landen wird.“

Den Tourneesieg würden die beiden Polen Kamil Stoch und Dawid Kubacki unter sich ausmachen. „Beide springen wahnsinnig konstant und liefern immer gute Sprünge ab“, sagt Weichenhain. Favorit sei Stoch. „Er wird sich das nicht mehr nehmen lassen. Dafür springt er zu gut und liegt zu weit vorne mit knapp 15 Punkten Vorsprung auf Kubacki.“

Gewisser Reiz

Seit seiner Kindheit ist Sebastian Ringhoff vom Skispringen fasziniert. „Ich verfolge es seit Jahren und war schon zweimal in Willingen. Es hat Spaß gemacht, die Atmosphäre ist super“, sagt der 28-Jährige. Er schaut sich auch die anderen Springen – vor allem die Einzelwettkämpfe – an, wenn es passt. „Die Vierschanzentournee aber ein bisschen intensiver, auch die Qualifikationen“, sagt er.

Sebastian Ringhoff

Für ihn, der eigentlich gar kein Wintersportler ist, hat die Tournee einen gewissen Reiz. „Der Wettbewerb mit den K.-o.-Duellen ist ein bisschen was anderes als die üblichen Springen.“ Und in Deutschland, eines von zwei Austragungsländern, habe die Tournee natürlich einen besonderen Status.

Dass ein Deutscher am Ende ganz oben stehen wird, hält der Vorsitzende des Junggesellen-Schützenvereins St. Hubertus Drensteinfurt für unwahrscheinlich. „Ich glaube nicht mehr wirklich daran – dafür halte ich Kamil Stoch als zu stark. Allerdings hat man beim letzten Springen gesehen, wie schnell es gehen kann.“ Entscheidend sei das dritte Springen gewesen. „Es ist jedes Jahr das gleiche. Bis Innsbruck hat man echt Hoffnungen, und dann stürzen die Deutschen irgendwie immer ab“, sagt Ringhoff. Daher werde es „leider mal wieder“ nichts mit dem ersten Gesamtsieg seit 2002.

Mut und Verrücktheit

Für Daniel Frie ist Skispringen eine „interessante Sportart“. Der Walstedder ist beeindruckt vom Mut und von der Verrücktheit der Sportler. „Wenn man einmal da oben gesessen hat, ist es, glaube ich, zumindest für die meisten Menschen unvorstellbar, dass man mit Skiern runterfährt und mit 90, 100 km/h abspringt.“

Daniel Frie

Die Vierschanzentournee verfolgt der 34-Jährige noch intensiver als die regulären Weltcupspringen – und das seit Jahren. „Einmal war ich live vor Ort. Das ist aber schon Ewigkeiten her.“ Mit seinen Eltern – Vater Heinz ist seit Kurzem Ortsvorsteher – war er beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen. Vor zwei Jahren hat sich Frie die Schanze und das Stadion genauer angeguckt – allerdings im Sommer.

Frie ist nicht nur vom Skispringen, sondern insgesamt vom Wintersport begeistert. „Alles, was mit Schnee und Eis zu tun hat, ist interessant. Aber Skispringen steht schon im Vordergrund.“ In diesem Winter fährt Frie nicht in den Urlaub, ansonsten fährt er regelmäßig Ski.

Die Chancen von Geiger und Eisenbichler auf den Tourneesieg seien verschwindend gering. „Das ist aussichtslos“, sagt Frie, der im Dezember als Beisitzer in den Vorstand von Fortuna Walstedde gewählt wurde. Er sieht den zweimaligen Gewinner Stoch oder Kubacki, dem die Schanze in Bischofshofen liege, am Ende vorn. „Die Polen machen einen guten Eindruck, und Granerud ist von der Form her auch einfach gut. Vielleicht reicht es für einen Deutschen irgendwie noch zum dritten Platz in der Gesamtwertung.“

Konstanz wichtig

Für Björn Philipper ist die Vierschanzentournee nicht mit den Nordischen Skiweltmeisterschaften zu vergleichen. „Bei der WM sind es nur zwei Sprünge. Wenn du zweimal gute Bedingungen hast und weit springst, gewinnst du das Ding wahrscheinlich“, sagt der Drensteinfurter. Bei der Vierschanzentournee sind es dagegen acht Sprünge. „Da gewinnt in der Regel der, der am konstantesten springt.“ Glück gehöre natürlich auch dazu. Die äußeren Bedingungen müssten mitspielen. Was Philipper faszinierend findet: „Von außen sieht es simpel aus. Aber die Balance zu halten, das finde ich phänomenal.“

Björn Philipper

Den Deutschen traut der 29-Jährige am Finaltag keine große Überraschung zu. „Das Rennen wird vermutlich Kamil Stoch machen. Ich glaube, dass Kubacki keine Chance mehr hat“, sagt er. Eventuell könne Halvor Egner Granerud noch in den Kampf um Platz eins eingreifen. Um „ordentlich Meter aufzuholen“, müsse der Weltcup-Führende aus Norwegen allerdings zweimal gute Bedingungen haben. „Geiger hat es in Innsbruck vermasselt, und Eisenbichler ist einfach nicht konstant genug.“

Philipper schaut sich Wintersport aus der Ferne an. „Ich gucke auch gerne Biathlon.“ Selbst auf Schnee aktiv ist er nicht. „Ich glaube, ich bin einmal Ski gefahren“, sagt der SVD-Fußballer.

K.-o.-Duelle spannend

Wenn die Vierschanzentournee läuft, schaltet auch Marcel Bonnekoh den Fernseher an. Das liegt unter anderem daran, dass zwischen den Jahren und zu Jahresbeginn sportlich sonst nicht so viel ansteht. Interessant sei der Traditionswettbewerb vor allem deshalb, weil zwei Springen in Deutschland stattfinden und „ein paar Deutsche mehr“ dabei sind als üblich. „Auch die K.-o.-Duelle sorgen für Spannung“, sagt der Co-Trainer des Fußball-Landesligisten SV Drensteinfurt.

Marcel Bonnekoh

Auch Bonnekoh glaubt, dass Geiger oder Eisenbichler Stoch und Kubacki nicht mehr überholen können. „Die Polen sind schon ziemlich stark“, sagt der 31-Jährige. Er selbst ist ein Hobby-Wintersportler. Bonnekoh fährt in normalen Zeiten regelmäßig Ski – „eigentlich immer in Österreich“, sagt er. „Mit Skispringen bin ich aber noch nicht in Kontakt gekommen.“

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