Fußball

Nieddu fühlt sich beim „familiären Haufen“ Fortuna Walstedde wohl

Seit 19 Jahren spielt Fabrizio Nieddu Fußball, seit dem Sommer für den A-Ligisten Fortuna Walstedde.
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Seit 19 Jahren spielt Fabrizio Nieddu Fußball, seit dem Sommer für den A-Ligisten Fortuna Walstedde.

Auch wenn es sportlich bislang nicht so gut lief – Fabrizio Nieddu, der vom Liga-Konkurrenten DJK Vorwärts Ahlen zu den Fußballern von Fortuna Walstedde gewechselt ist und im Sommer der einzige externe Neuzugang war, fühlt sich wohl beim A-Kreisligisten.

Walstedde – Und hatte das auch so erwartet. „Ich wusste ja, dass es ein familiärer Haufen ist“, sagt der 24-Jährige aus Bockum-Hövel nach seinen ersten fünf Monaten beim neuen Klub.

22 Jahre lang hatte Nieddu in Ahlen gewohnt. Als Fünfjähriger fing er bei LR Ahlen (heute Rot-Weiß Ahlen) mit dem Fußballspielen an – in der F3-Jugend. Bis zur D2 kickte er in Ahlen. Es folgte der Wechsel zur Hammer SpVg, weil sein Cousin Pascal Debowiak dort spielte. „Er hat mich dahin gelotst“, erinnert sich Nieddu. Von der D1 bis zur B1 lief er für die HSV auf – unter anderem in der U17-Westfalenliga. „Das war unter Michael Tenbrink sogar“, sagt Nieddu. Tenbrink ist zurzeit auch sein Coach bei Fortuna. In der A-Jugend trug Nieddu das Trikot des SC Roland Beckum und traf mit seinem Team, in dem viele Freunde spielten, in der Kreisliga unter anderem auf Walstedde.

Vor allem an eins denkt Nieddu, wenn er auf seine Jugendzeit zurückblickt: Als C-Jugendlicher nahm er an einem Probetraining des Rekordmeisters FC Bayern München an der Säbener Straße teil – und das als eingefleischter BVB-Fan. „Das war kurios. Ich war auf Klassenfahrt in Italien, Ski fahren. Auf dem Rückweg hat mein Vater mich in Nürnberg eingesammelt, dann sind wir für ein ganzes Wochenende nach München gefahren und sind auch im Stadion gewesen.“ Nieddu war einer von über 100 Teilnehmern beim Probetraining. „Das war so ein Highlight in meiner Jugend“, sagt er und fügt lachend hinzu: „Da hatte ich noch lange Haare.“ Profis des FCB bekam er damals aber nicht zu Gesicht.

Von Vorwärts zur Fortuna

Als Seniorenfußballer stand Fabrizio Nieddu bislang für vier Vereine auf dem Platz. Vor dem Wechsel zu Fortuna war er für Roland Beckum II, die Ahlener SG und Vorwärts Ahlen im Einsatz. Bei Vorwärts spielte er erst eine Saison in der dritten Mannschaft und dann zwei Jahre in der ersten.

Zur Fortuna zog es ihn im vergangenen Sommer. Und warum? „Eigentlich wollte ich schon ein Jahr zuvor wechseln, aber ich hatte Vorwärts mein Wort gegeben. Und wenn ich einmal mein Wort gebe, dann halte ich auch daran fest“, erklärt Nieddu. Torwart Felix Grote, mit dem er schon in Hamm zusammen spielte, hatte es zuvor mehrmals vergebens versucht, ihn nach Walstedde zu holen.

Bruder spielt bei RW Ahlen

Die ersten Monate beim neuen Klub verliefen sportlich eher enttäuschend. „Ich hatte mir mehr vorgestellt, weil die Vorbereitung gut lief. Für mich war es eine der besten Vorbereitungen, die ich je hatte. Der Kader war größtenteils komplett“, sagt Nieddu, dessen jüngerer Bruder Alessandro schon länger für Fortuna spielt – der andere (Giuliano) ist beim Regionalligisten RW Ahlen unter Vertrag.

„Corona-bedingt musste man sich anpassen, aber im Großen und Ganzen war ich der festen Überzeugung, dass wir am ersten Spieltag nach Enniger fahren und gewinnen. Schließlich haben wir wirklich Qualität auf dem Platz“, sagt Fabrizio Nieddu. Außerdem hatten die Walstedder fünf Tage vor dem Saisonstart das letzte Testspiel gegen Westfalia Rhynern II 3:1 gewonnen. „Da war richtig Euphorie in der Truppe, und dann fährst du nach Enniger und verlierst 1:4.“

Knoten gegen Ex-Klub geplatzt

Richtig bitter sei allerdings das 0:1 gegen Vellern gewesen. Es sind die einzigen drei Punkte, die der Vorletzte Vellern in fünf Partien geholt hat. Die Fortunen kommen als Tabellenneunter immerhin auf sieben Zähler. „Recht froh war ich natürlich, dass gegen Vorwärts der Knoten geplatzt ist“, sagt Nieddu. 3:1 hieß es am Ende gegen seinen Ex-Klub, für den er in der vergangenen Saison 17 von 20 Spielen bestritt und zwei Tore erzielte.

Was besser werden muss, wenn es nach der Winterpause weitergeht, ist für den 24-Jährigen „schwer zu sagen. Ich weiß ja nicht, auf welchem Stand wir dann alle sind. Ich wünsche mir einfach, dass wir alle möglichst bald wieder zusammenkommen und genauso ehrgeizig sind wie in der Vorbereitung. Das sah gut aus, das hat echt Bock gemacht.“

„Pöhlen“ mit dem Nachwuchs

Mit seinen Teamkollegen hält er während des erneuten Lockdowns vor allem über die Whatsapp-Gruppe Kontakt. Komplett fußballfrei ist die Zeit für Nieddu aber nicht. „Ich gehe oft mit dem Kleinen pöhlen. Er spielt schon sein zweites Jahr bei der SG Bockum-Hövel“, sagt der Vater eines fünfjährigen Sohnes. Mit ihm und seiner Freundin, die aus Bockum-Hövel stammt und bei der Stadt Hamm arbeitet, wohnt er zusammen. Der Sohn geht in Hamm in eine Kindertagesstätte. Beruflich ist Nieddu im Rettungsdienst tätig. Seit Oktober 2018 arbeitet er als Rettungssanitäter bei der Feuerwehr Beckum. „Den Brandmeister strebe ich auf jeden Fall an. Das ist erst mal das nächste Ziel und steht auf meinem Plan“, sagt er. Die Ausbildung dauert 18 Monate.

Auch, was die Fortuna betrifft, hat Nieddu Ziele: in der Tabelle klettern und dem Spiel seinen Stempel aufdrücken. Seine Lieblingsposition? „Ich bin ein Ballmagnet so wie Andrea Pirlo früher“, sagt Nieddu schmunzelnd. Er fühlt sich im Zentrum, als „tiefer Sechser“ wohl auf dem Platz. „Dort habe ich viel vom Spiel und kann viel entscheiden. Und am besten hält mir noch einer wie Joel Lange den Rücken frei.“

Beeindruckt von den Ansprachen

Mit seinem Trainer Michael Tenbrink kommt Nieddu gut klar. „Ich kannte ihn ja schon von meiner Zeit bei der HSV. Das war schon eine recht gute Zeit“, sagt er. „Ich habe selten so einen ehrgeizigen und akribisch arbeitenden Trainer gesehen.“ Beeindruckt ist Nieddu vor allem von Tenbrinks Ansprachen: „Er versucht wirklich, aus jedem 120 Prozent rauszuholen.“

Sieben Einsätze

Fabrizio Nieddu kam in allen sechs Meisterschaftsspielen von Fortuna Walstedde und im Kreispokal zum Einsatz. Gegen seinen Ex-Klub Vorwärts Ahlen (3:1), gegen Westfalia Vorhelm (1:1) und gegen Germania Lette (2:5) spielte er durch. Im Duell mit dem SuS Enniger (1:4) wurde er ebenso ausgewechselt wie beim 4:0-Erfolg in Oelde. Gegen RW Vellern wurde er eingewechselt, konnte die ärgerliche 0:1-Niederlage aber nicht verhindern. Sein erstes und bislang einziges Tor für Walstedde erzielte Nieddu beim 5:3-Erfolg im Pokal gegen die SpVg Oelde. Nach einem 0:3-Rückstand glich er zum 3:3 aus.

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