Fußball

Roland Jungfermann vermisst die Jungs des SV Rinkerode

War von 2017 bis 2020 Trainer des SV Rinkerode: Roland Jungfermann aus Münster.
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War von 2017 bis 2020 Trainer des SV Rinkerode: Roland Jungfermann aus Münster.

Drei Jahre, von 2017 bis 2020, war Roland Jungfermann Trainer in Rinkerode. In der ersten Saison verpasste er den Aufstieg mit den Kreisliga-A-Fußballern um Haaresbreite. Nun will der 54-Jährige den Sprung in die Bezirksliga endlich schaffen – allerdings mit dem SVR-Konkurrenten Warendorfer SU.

Rinkerode – Die ersten vier Monate als Coach der WSU seien „schon sehr intensiv“ gewesen, sagt Jungfermann. „Wir haben einen großen Kader und sind im Sommer frühzeitig angefangen, damit ich die Mannschaft kennenlerne.“ Was ihm aufgefallen ist: „Es ist eine sehr begeisterungsfähige und eine sehr ehrgeizige Truppe.“ Ein Beispiel: Die Jungs seien um 18.45 Uhr schon alle auf dem Platz, um fünf gegen zwei zu spielen, und nicht erst um 19 Uhr oder kurz danach.

Dass die Warendorfer die Tabelle der Kreisliga A2 anführen, liegt insbesondere an den vier Siegen an den ersten vier Spieltagen und einem Ergebnis, das selten vorkommt: dem 12:0 gegen Ascheberg. „Wir hatten in der Woche zuvor das Spiel gegen Aasee (1:1/Anmerkung der Redaktion). Da haben wir wirklich die schlechteste Leistung abgerufen, seitdem ich Trainer bin.“ Es habe an allem gefehlt: an Körpersprache, an Durchsetzungsvermögen, an Einstellung. „Da hatten wir eine gewisse Lethargie drin. Wir haben darüber gesprochen und hatten eine intensive Trainingswoche.“ Der nächste Gegner – Ascheberg hatte kurz zuvor seinen Coach entlassen – sei zur richtigen Zeit gekommen. „Wir waren richtig heiß“, sagt Jungfermann. Nach einer Viertelstunde stand es bereits 3:0. „Für eine Mannschaft, bei der es im Verein gerade nicht funktioniert, wird es dann immer schwieriger. Sie haben ein bisschen resigniert, wir haben nie nachgegeben und aus der zweiten Halbzeit eine Vollgasveranstaltung gemacht. Fast jede offensive Aktion war ein Treffer.“

--- Die Kreisliga A2 Münster ---

Ebenso ärgerlich wie überflüssig war die bislang einzige Niederlage eine Woche später bei Aufsteiger BW Ottmarsbocholt (0:1). „Das Spiel war genauso intensiv und auch genauso gut von uns. Wir haben sehr viele Chancen herausgespielt, aber halt keinen gemacht“, blickt Jungfermann auf die Partie zurück. Die WSU verschoss einen Elfmeter, schoss an den Pfosten und musste eine direkt verwandelte Ecke hinnehmen. „Wir haben aus dem Spiel heraus keine Chance zugelassen und verlieren trotzdem.“ Was das Fußballerische betrifft, bewertete der Münsteraner jedoch vor allem das Remis gegen Aasee als Rückschlag. „Das war deutlich schlimmer zu ertragen. Gegen Ottibotti kann ich der Truppe nicht viel vorwerfen.“

Dass seine Mannschaft den Ausrutscher nicht direkt korrigieren kann, weil die Amateurfußballer mindestens bis Ende November eine Zwangspause einlegen müssen, stört Roland Jungfermann nicht besonders. „Das betrifft ja nicht nur uns, sondern alle Mannschaften. In der kleinen Liga darfst du dir einfach keine großen Schwächen erlauben, wenn du oben mitspielen willst.“

Wacker ist der größte Konkurrent

Größter Rivale im Kampf um den Aufstieg ist für den 54-Jährigen Wacker Mecklenbeck. Warendorf ist zwar Spitzenreiter, doch Wacker ist punktgleich und hat ein Spiel weniger bestritten. Das direkte Duell hätte am 15. November stattfinden sollen. Der Tabellendritte Ottmarsbocholt könne, wenn alle wichtigen Leute dabei sind, jederzeit Mannschaften von oben ärgern. „Sie sind robust in den Zweikämpfen und bei Standards sehr gefährlich. Sie haben zwei, drei große Spieler dabei. Das ist schwer zu verteidigen.“ Für ganz oben werde es allerdings nicht reichen, mutmaßt Jungfermann. Herbern II sei zu unbeständig und abhängig davon, was von oben runterkommt. Ein weiteres Team neben Wacker habe er im Aufstiegsrennen aber auf dem Zettel. „Ich habe Selm noch nicht ganz abgeschrieben.“

Bei seinem Ex-Klub hat Jungfermann Anfang Oktober mal vorbeigeschaut. Er schaute sich das Heimspiel des SVR gegen Aasee II an, weil die WSU eine Woche später in Aasee antrat. Ansonsten hat er seit seinem Abschied nur den Test der Rinkeroder in der Vorbereitung gegen Landesligist Borussia Münster verfolgt. „Zeitlich habe ich es sonst nicht geschafft“, sagt Jungfermann – und gibt zu: Ich vermisse die Jungs und die anderen Leute, mit denen ich zu tun hatte.“

Wir tauschen uns ein bisschen aus. Ich habe den Vorteil, dass er immer gegen die Mannschaften spielt, gegen die wir danach ranmüssen.

Roland Jungfermann über Sven Kuschel

Der Kontakt ist nicht abgerissen. „Lucky (Betreuer Christian Lackhoff) und ich telefonieren zwischendurch. Mit Marc Düker, Julian Spangenberg (Co-Trainer unter Jungfermann beim SVR) und dessen Bruder habe ich mal einen schönen Abend verbracht. Und die Spieler, die Geburtstag haben, schreibe ich oder rufe ich an“, erzählt Jungfermann. Auch mit seinem Nachfolger Sven Kuschel schließt er sich kurz. „Wir tauschen uns ein bisschen aus. Ich habe den Vorteil, dass er immer gegen die Mannschaften spielt, gegen die wir danach ranmüssen. Daher bekomme ich immer ein paar Informationen.“ Jungfermann findet es „gut, dass ein bisschen Bewegung reingekommen ist bei Rinkerode, dass neue Leute dabei sind.“ Sonst wäre es schwierig für Kuschel und Jörg Raabe-Staljan geworden.

Direktes Duell im Dezember?

Für die Warendorfer SU ist der November ohne Pflichtspiel kein großes Problem. Denn vorerst fallen nur zwei Partien aus. Die seien locker nachzuholen. Dass das Duell mit dem SVR am 6. Dezember stattfinden kann, bezweifelt Jungfermann. „Der Verband hat gesagt: Wir geben den Vereinen zwei Wochen Trainingszeit.“ Daher sei ein Re-Start der Meisterschaft Anfang Dezember unwahrscheinlich. Blieben in diesem Jahr noch der 13. und 20. Dezember. „Das ist schwierig. Wer will die Prognose stellen.“ Jungfermann vermutet, dass die Winterpause verkürzt und im Januar weitergespielt wird, wenn das aufgrund der Corona-Lage möglich sein sollte. Damit die Spiele gewertet werden können, muss zumindest die Hinrunde beendet werden.

Weitsichtig ist, dass der Fußballkreis Münster die 38 A-Ligisten diesmal auf drei Staffeln aufgeteilt hat. Der Meinung ist auch Jungfermann. „Was hätten zwei 19er Ligen gebracht. Dann hätten wir so viele Spiele gehabt, das wäre nicht machbar gewesen“, sagt er. Für Jungfermann und sein Team gab es noch keinen Corona-bedingten Spielausfall. „Bei uns lief es gut“, sagt der Coach. Die WSU hat schon sieben Partien absolviert und nur noch 15 vor der Brust. Die könnte man bis Ende Juni über die Bühne bringen. Spätestens dann will Roland Jungfermann mit den Warendorfern den Sprung in die Bezirksliga geschafft haben.

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