Fußball

Ex-Trainer Eddy Chart schaut gern in Walstedde vorbei

Bei seiner Verabschiedung im Juni bekam Eddy Chart von Daniel Budde ein Mannschaftsbild überreicht.
+
Bei seiner Verabschiedung im Juni bekam Eddy Chart von Daniel Budde ein Mannschaftsbild überreicht.

Fast fünf Jahre lang war Eddy Chart auf den Sportplätzen im Fußballkreis Beckum anzutreffen – als Trainer von Fortuna Walstedde. Seit seinem Abschied schaut er sich – ganz zwanglos – die Spiele an, die ihn besonders interessieren. Ab und zu lässt sich der Hammer auch im Lambertusdorf blicken.

Walstedde/Hamm – Insgesamt 34 Jahre war Eddy Chart als Trainer tätig – in Walstedde von 2015 bis 2020. Dass sich die Wege nach der fünften Saison bei Fortuna Walstedde trennen würden, hatte bereits im Winter festgestanden. Die Covid-19-Pandemie sorgte allerdings dafür, dass die Saison im März erst unter- und später abgebrochen wurde. Das Spiel gegen Enniger am 8. März war für Chart das letzte als Fortuna-Coach.

„Dreimal haben wir im Juni immerhin noch trainiert“, sagt der 61-Jährige. „Die Zeit habe ich richtig genossen, muss ich ehrlich sagen. Es hat richtig Spaß gemacht noch mal. Die Trainingsbeteiligung war super, es waren jedes Mal mehr als 20 Mann beim Training.“ Besonders gefreut hat sich Chart auch über die offizielle und emotionale Verabschiedung. „Es war schon schön, dass wenigstens das möglich war.“

In der fußballfreien Zeit genoss der Hammer vor allem den Urlaub mit seiner Frau Monika auf Norderney. „Wir hatten zwar kein schönes Wetter. Aber an der Nordsee ist es sowieso immer schön, auch wenn es regnet. Da gibt es nur schlechte Kleidung, kein schlechtes Wetter.“

Kontakt nicht abgerissen

Der Kontakt zu den Fortunen ist nicht abgerissen. „Bei meiner Verabschiedung habe ich den Jungs versprochen, dass ich mich öfter sehen lasse“, erzählt Chart. „Wir sind ja nicht im Streit auseinandergegangen. Die Jungs sind charakterlich alle top, und auch das Umfeld in Walstedde war gut. Ich bin immer sehr gut klargekommen mit den Leuten.“ Der Grund für die Trennung sei ein „rein sportlicher“ gewesen.

Seinen Worten bei der Verabschiedung im Haus Volking ließ Eddy Chart längst Taten folgen – oder besser Besuche. Bei vier Spielen des A-Kreisligisten war er am Platz und habe Spaß gehabt. Das erste Heimspiel in der Meisterschaft gegen Rot-Weiß Vellern (0:1) hat er verfolgt, das zweite Ende September gegen Westfalia Vorhelm (1:1) mit seiner Frau, seinem Sohn André und den Enkelkindern ebenso. In der Vorbereitung hatte der Ex-Coach bereits bei den Tests gegen den TuS Uentrop und die zweite Mannschaft von Westfalia Rhynern zugeguckt. „Ich werde auch weiterhin vorbeischauen, wenn es möglich ist“, versichert Chart.

Reines Interesse statt Zwang

Seine freien Sonntage hat er aber auch auf anderen Sportanlagen verbracht. „Ich habe mir viele Spiele angeschaut – auch in der Vorbereitung. Wo ich gerade so drauf Lust hatte.“ Das Interesse stand also im Vordergrund, kein Zwang. „Fußball ist immer schön anzuschauen“, sagt Chart. Meistens war er bei Vereinen zu Gast, bei denen er früher mal Trainer war. „Sehr oft war ich in Heessen“ – und auch bei Auswärtsspielen des Bezirksligisten, zum Beispiel in Ostinghausen. Das „interessante Pokalspiel“ der SG Bockum-Hövel in Herringen verfolgte er ebenfalls vor Ort. Und nach Wiescherhöfen, wo Sohn André früher gespielt hat, fuhr er und schaute sich das Testspiel des Landesligisten gegen den „richtig guten“ A-Kreisligisten VfL Mark an.

Im Mai hatte Eddy Chart im Gespräch mit dem WA das Ende seiner Laufbahn als Coach angekündigt. Seine Worte damals: „Der Fußball hat nicht mehr den Stellenwert, den er mal hatte. Das ist nicht mehr meine Welt. Es fällt mir schwer, das zu akzeptieren. Es zu ignorieren und einfach so hinzunehmen, das kann ich nicht.“ Aktuell schließt er es zumindest nicht aus, dass er noch mal als Trainer einsteigt. „Man soll niemals nie sagen“, sagt Chart. „Ich kenne mich ja. Ich bin mit 27 Jahren angefangen und habe 32 Jahre nonstop als Trainer gearbeitet. Das ist mein halbes Leben, das kannst du nicht so abschütteln.“

Ich beneide die Trainer in der aktuellen Situation nicht. 

Eddy Chart

Durch die Corona-Zeit sei ihm der Abschied auf jeden Fall leichter gefallen. „Ich habe die Trainer in der aktuellen Situation bisher nicht beneidet. Du konntest dich nicht vernünftig vorbereiten, wusstest nicht, ob das Spiel am Sonntag überhaupt stattfindet, konntest eine Niederlage unter der Woche nicht gescheit aufarbeiten und die Fehler nicht korrigieren“, sagt der 61-Jährige. „Daher ist die Sehnsucht nicht so groß.“ Eine konkrete Anfrage gab es nach seiner Zeit bei Fortuna ohnehin nicht.

Dass es nach der von Bund und Ländern für diesen Monat angeordneten Pause im Amateurfußball Anfang Dezember nicht weitergeht mit den Meisterschaftsspielen, hält Chart für die richtige Entscheidung. „Das wäre unmöglich gewesen. Den Mannschaften hätte ja die Spielpraxis gefehlt. Du musst wenigstens eine Vorlaufzeit von zwei, drei Wochen haben“, sagt der erfahrene Coach. Ansonsten wären Verletzungen vorprogrammiert.

Chart gibt zu, dass das Coronavirus und die Ausnahmesituation nervig sind. „Man kann das alles gar nicht so in Worte fassen und nur hoffen, dass man demnächst ein bisschen entspannter und beruhigter sein und mit der Familie Weihnachten feiern kann. Dann wäre ich schon zufrieden.“

--- Interview mit dem neuen Trainer Michael Tenbrink ---

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare