Fußball

Das sagen die Vereine zur Annullierung der Saison im Gebiet des FLVW

Schicht im Schacht: Für Kevin Northoff (Mitte) und A-Kreisligist Fortuna Walstedde ist die Saison beendet.
+
Schicht im Schacht: Für Kevin Northoff (Mitte) und A-Kreisligist Fortuna Walstedde ist die Saison beendet.

Die Ständige Konferenz des Fußball- und Leichtathletik-Verbandes Westfalen (FLVW) hat festgelegt, die komplette Saison 2020/2021 im Amateurfußball zu annullieren. Der WA hat sich bei den Verantwortlichen der heimischen Vereine umgehört, was sie von der Entscheidung halten.

SV Drensteinfurt

Oliver Logermann, noch Trainer des SVD, bezeichnet diese als überfällig. „Die anderen Verbände haben sich ein bisschen leichter getan als der FLVW – allein aus juristischen Gründen“, sagt Logermann und schüttelt den Kopf: „Ich weiß nicht, warum es beim FLVW so lange gedauert hat.“ Die Verantwortlichen hätten sich anscheinend „ein Hintertürchen aufgehalten“ und es so lange hinausgezögert, bis es rein rechnerisch nicht mehr möglich war, die Saison zu werten. „Das ist jetzt der Fall.“

Logermann ist froh, Gewissheit zu haben. „Mir und vielen anderen war schon vor mehreren Wochen klar, dass nicht mehr gespielt wird. So wie sich die Pandemie entwickelt momentan, ist das einfach keine Überraschung. Es hätte mich sehr gewundert, wenn wir noch mal auf den Fußballplatz gekommen wären mit 20 oder 40 Leuten.“

Schade sei es dennoch, dass die Saison sportlich nicht zu Ende gebracht wird, obwohl Drensteinfurt nach dem Aufstieg mit nur einem Punkt Schlusslicht der Staffel 4 war und der Klassenerhalt schwer zu realisieren gewesen wäre. „Aus Sicht von uns muss man grundsätzlich sagen, dass wir, wenn der SVD nicht freiwillig zurück in die Bezirksliga gehen würde, zweimal von der Entscheidung des Verbandes profitiert hätten: letztes Jahr durch den Abbruch und den Aufstieg, in diesem durch den Klassenerhalt.“

Ich wünsche mir einen gescheiten Abschied.

Oliver Logermann

Nach der Entscheidung des Verbandes steht auch fest, dass der SVD kein Punktspiel mehr unter Logermann bestreiten wird. Der 36-Jährige hofft, dass er zumindest noch mal mit seinen Jungs trainieren kann, bevor er im Sommer zum Landesligisten BSV Roxel wechselt und das Traineramt an Volker Rüsing und Daniel Stratmann übergibt. „Ich wünsche mir einen gescheiten Abschied“, sagt der Münsteraner, der seit seinem Wechsel zum SVD Anfang 2012 erst Spieler, dann (spielender) Co-Trainer und zuletzt seit 2017 Chefcoach war.

Gespannt ist Logermann, ob es pünktlich mit der neuen Saison losgeht. „Keiner weiß, ob das klappt. Der 15. August ist angesetzt.“ Viele Trainer hätten zwar die Vorbereitung so weit durchgeplant, müssten aber mit Sicherheit noch etwas ändern, dadurch dass eventuell noch mehrere Wochen nicht trainiert werden darf.

Mitleid mit den Teams, die ganz oben in der Tabelle standen, den Aufstieg als Ziel hatten oder ihn womöglich als Außenseiter geschafft hätten (siehe Infokasten), hat Oliver Logermann nicht. „Man muss das ein bisschen relativieren. Es ist nicht so, dass wir bei drei Vierteln der Saison sind. Es sind erst acht Spieltage oder so absolviert.“ Von daher hätte noch eine ganze Menge passieren können. „Aber klar: Es ist schade und natürlich ärgerlich für die Mannschaften, die oben standen.“

SV Rinkerode

Auch Sven Kuschel, Trainer des A-Kreisligisten SV Rinkerode, ist erleichtert, dass die Hängepartie beendet ist. „Ich finde es gut, dass eine Entscheidung getroffen wurde, und habe nichts anderes erwartet, wenn ich mir die aktuellen Corona-Zahlen ansehe.“ Die Vereine hätten nun Planungssicherheit. „Damit kann jeder arbeiten. Was hättest du deinen Jungs sonst erzählen sollen? Geht weiter laufen, es geht bald wieder los – das macht auch keinen Sinn.“

Auch wenn der SVR, der als Siebter im Tabellenmittelfeld stand, nur noch vier Partien hätte spielen müssen, um die Hinserie zu beenden – Kuschel hätte nichts davon gehalten, den Spielbetrieb in den Ligen nach und nach zu beenden. Er hält die Entscheidung, alle Ergebnisse ab der Oberliga abwärts zu annullieren, für gut und gerecht. „Wie hätte es weitergehen sollen? Selbst bei uns in der Kreisliga hast du Mannschaften aus vier Kreisen oder Städten: aus dem Kreis Unna, dem Kreis Coesfeld, dem Kreis Warendorf und aus Münster.“ Das hätte aufgrund der Inzidenzen und der daraus resultierenden Maßnahmen nicht funktionieren können.

Um wieder unbeschwert Fußball spielen und danach in oder vor der Kabine sitzen zu können, hilft laut Kuschel nur eins: das Impfen. Der Rinkeroder Coach hofft, dass die Saison 2021/22 zeitig starten kann.

Fortuna Walstedde

Die Fortunen hatten ebenfalls mit der Nachricht in dieser Form gerechnet. „Wir begrüßen das natürlich, haben das letztendlich erwartet, und es ist eine faire Art und Weise, mit der Situation umzugehen“, sagt der Vorsitzende der Fußballabteilung, Olaf Lenz. Er ist auch 1. Vorsitzender des Gesamtvereins. „Fortuna Walstedde hat bei der letzten Sitzung der Vorsitzenden der Vereine im Kreis schon dafür votiert, die Saison zu annullieren.“

Sportlich hat der Entschluss des FLVW keine Auswirkungen auf die Teams im Seniorenbereich. Die erste Mannschaft von Coach Michael Tenbrink stand mit zwei Siegen, einem Unentschieden und drei Niederlagen in der Kreisliga A Beckum jenseits von Gut und Böse. Auch die Reserve hätte in der C-Liga aller Voraussicht nach nichts mit dem Aufstieg zu tun gehabt. Und die Frauen der SG Walstedde/Heessen hatten erst vier von 15 Partien der Hinserie absolviert. In der Kreisliga Unna/Hamm wäre es wahrscheinlich eh nicht zu einer Wertung gekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare