Fußball

Eddy Chart über seine fünf Jahre als Trainer von Fortuna Walstedde

Fünf Spielzeiten hatte Eddy Chart als Trainer das Sagen bei der ersten Mannschaft. Zwei Mal wurde Fortuna Walstedde in der Kreisliga A Beckum Vizemeister. Foto: Kleineidam
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Fünf Spielzeiten hatte Eddy Chart als Trainer das Sagen bei der ersten Mannschaft. Zwei Mal wurde Fortuna Walstedde in der Kreisliga A Beckum Vizemeister.

Walstedde – Nach fünf über weite Strecken erfolgreichen Jahren trennen sich die Wege von Eddy Chart und Fortuna Walstedde. Für den Coach aus Hamm ist das schlagartige Ende der Saison besonders schmerzlich.

Zum einen bleibt ihm (vorerst) ein angemessener Abschied verwehrt, zum anderen sieht es danach aus, als würde Chart seine Laufbahn als Trainer nach 34 Jahren beenden. „Ich bin mir selbst noch nicht schlüssig, ob ich in der nächsten Zeit was anderes machen möchte. Von daher hätte ich mir einen besseren Abschluss gewünscht. Es ist schon sehr traurig, wenn man nach 34 Jahren so aufhört, ohne was dafür zu können“, sagt der 61-Jährige.

Seit 2015 war er Trainer von Fortunas erster Mannschaft – und hat damit maßgeblichen Anteil an den Erfolgen der jüngeren Vergangenheit. In den fünf Spielzeiten unter Chart erreichte Walstedde die Plätze neun, zwei, drei, zwei und sechs im Endklassement.

„Schon enttäuschend“

In seiner letzten Saison, die abgebrochen wurde, kamen die Fortunen bei 20 Spielen nur auf neun Siege und kassierten sieben Niederlagen. Charts Bilanz für 2019/20 fällt daher „schon enttäuschend“ aus. „Sicherlich war mehr drin. Aber man muss auch berücksichtigen, dass wir in der Anfangsphase der Saison viele ehemalige A-Jugendliche eingesetzt haben, um ihnen die Möglichkeit zu geben, Spielpraxis zu bekommen – nicht immer nur aus personellen Gründen, sondern auch, weil die Jungs es sich im Training verdient hatten.“ Des Öfteren habe das Trainerteam vier, fünf, sechs junge und unerfahrene Spieler von Beginn an spielen lassen. „Dass die Jungs eine gewisse Zeit brauchen, war klar.“

--- WA-Berichte Eddy Chart ---

Besonders deprimierend war für Chart die Zeit von Ende Oktober bis Mitte November. In der blieben die Fortunen erstmals seit einer gefühlten Ewigkeit vier Spiele in Serie sieglos. „Da waren wir beide, André

(sein Sohn/Anmerkung der Redaktion)

und ich, schon nah dran aufzuhören. Da kam ja alles zusammen: eine schlechte Trainingsbeteiligung, Verletzungen, kein Erfolg. Eine Hiobsbotschaft jagte die andere. Es fiel mir sehr schwer zu diesem Zeitpunkt.“ Nun ist Eddy Chart froh, dass er nicht kapituliert und seine Engagement durchgezogen hat. „Das war immer mein Ziel. Gerade das hat mich davon abgehalten.“

„Es waren fünf schöne Jahre“

Die Trennung nach fünf Jahren – der Vertrag wurde im Winter von Vereinsseite nicht verlängert, im Sommer übernimmt Michael Tenbrink – fällt dem Hammer schwer. „Ich habe mich in Walstedde sehr, sehr wohlgefühlt. Es waren fünf schöne Jahre. Aber wie gesagt: Es war mehr möglich. Gerade in der zweiten und dritten Saison waren wir auf dem richtigen Weg.“

Vor zwei Jahren habe es die größte Möglichkeit gegeben aufzusteigen. 1:2 musste sich die Fortuna am fünftletzten Spieltag im April 2018 dem späteren Meister BW Sünninghausen geschlagen geben, der entscheidende Treffer fiel vor fast 500 Zuschauern in der 90. Minute. Mit einem Sieg wäre Walstedde an Sünninghausen vorbeigezogen – und dann vielleicht in die Bezirksliga aufgestiegen. „Nach der Niederlage haben wir uns zu früh aufgegeben. Das war schon ärgerlich“, blickt Chart zurück.

Langzeitprojekt

Daraus, dass er sein Engagement bei den Fortunen als Langzeitprojekt ansah, macht der 61-Jährige keinen Hehl. „Es war von uns angedacht, dass wir es längerfristiger, also noch zwei, drei Jahre länger machen“, sagt Chart. „Aber es hat was mit der Sinnhaftigkeit zu tun. Wenn du dich nur im Kreis drehst, macht es keinen Sinn. Ich bin trotz meines Alters jemand, der sehr erfolgsorientiert arbeiten möchte und dafür auch sehr viel opfert. Wenn das nicht auf Gegenseitigkeit beruht, macht es keinen Sinn aus meiner Sicht. Auf dem Stand zu bleiben, auf dem man ist, ist mir zu wenig.“ Was Chart bei all dem wichtig ist: „Es ist nicht so, dass ich mit der Mannschaft und dem Verein im Groll auseinandergehe. Menschlich sind es alles gute Typen.“

Was der Coach dem Kreisligisten in den nächsten Jahren zutraut? „Ich wünsche ihnen natürlich alles Gute. Um den Sprung zu schaffen, müsste die Mannschaft aber mehr investieren. Das ist das Einzige, was ich zu bemängeln habe. Ich hoffe, dass mal ein Ruck durch die Mannschaft geht. Wenn es alle wirklich begriffen haben, dass es nur zusammen und mit Fleiß geht, dann könnte da was passieren.“

„Das ist nicht mehr meine Welt“

Charts Trainer-Laufbahn könnte mit dem Heimspiel gegen Enniger am 8. März ein Ende gefunden haben. „Ich werde in diesem Jahr 62, hätte zwar viel Zeit, weil ich mittlerweile in Altersteilzeit bin. Aber mir fehlt die Überzeugung“, sagt der erfahrene Coach. „Die Zeiten haben sich geändert. Der Fußball hat nicht mehr den Stellenwert, den er mal hatte. Das ist nicht mehr meine Welt. Es fällt mir schwer, das zu akzeptieren. Es zu ignorieren und einfach so hinzunehmen, das kann ich nicht. Entweder mache ich es ganz oder gar nicht.“

Immerhin hat er nun mehr Zeit für seine drei Enkelkinder. „Die freuen sich“, sagt Eddy Chart. Das trifft auch auf seine Frau Monika zu. Sie hat in den vergangenen Jahrzehnten oft auf ihren Mann verzichten müssen. „Wenn ich an die Zeit zurückdenke, als ich in Bockum-Hövel oder Heessen Trainer und drei, vier Mal unter der Woche und sonntags von morgens bis abends unterwegs war, dann muss ich schon sagen, dass ich meiner Frau sehr dankbar bin, dass sie alles so mitgemacht hat“, sagt Chart. „Es war schon einiges, was sie geduldet hat, das ist mit zwei Kindern nicht selbstverständlich.“

--- Interview mit Eddy Chart ---

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