Eddy Chart im Interview: „Abschied ohne Abschluss wäre bitter“

Trainer Eddy Chart (61) ist mit Fortuna Walstedde nach 20 von 30 Saisonspielen Tabellensechster. Foto: Kleineidam
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Trainer Eddy Chart (61) ist mit Fortuna Walstedde nach 20 von 30 Saisonspielen Tabellensechster.

Walstedde – Das Heimspiel gegen den SuS Enniger (2:0) am 8. März könnte die letzte Partie für Eddy Chart als Trainer von Fortuna Walstedde gewesen sein. Seit 2015 ist der Hammer für die erste Mannschaft der Fußballabteilung verantwortlich, nach dieser Saison trennen sich die Wege.

Michael Tenbrink übernimmt das Amt beim A-Kreisligisten. Im Interview mit dem WA spricht der 61-jährige Chart darüber, wie er die aktuelle Situation empfindet, und schätzt ein, ob die Saison fortgesetzt wird und wie die bisherigen Ergebnisse im Falle eines Abbruchs gewertet werden könnten.

Schmerzt es, dass der Spielbetrieb bis auf Weiteres unterbrochen ist?

Auf jeden Fall. Ich mache das jetzt seit 34 Jahren, aber so eine Situation habe ich noch nie erlebt. Ich bin in all den Jahren, glaube ich, zweimal ausgefallen. Einmal mit einer Lungenentzündung und einmal hatte ich eine richtig schwere Erkältung, als ich mit Fieber im Bett lag. In den fünf Jahren bei Fortuna Walstedde habe ich einmal beim Training gefehlt – aus beruflichen Gründen.

Trainingseinheiten und Spiele fallen aus, was steht stattdessen an? Wie gestaltest du die neue Freizeit?

Ich versuche, den Tag ein bisschen zu füllen, mich zu beschäftigen. Ich habe mir, als André (sein Sohn/Anmerkung der Redaktion) ausgezogen ist, ein kleines Fitnessstudio eingerichtet – ein kleines Zimmer, mit einem Fernseher, Ergometer und einer kleiner Fitnessstation mit Gewichten bis zu 70 Kilogramm. Dort mache ich dreimal die Woche meine Übungen. Zum Warmmachen fahre ich auf dem Ergometer, dann mache ich ein bisschen Krafttraining, aber nur als Fitnesstraining. Das mache ich bestimmt schon acht oder neun Jahre. Früher bin ich mindestens zwei-, dreimal pro Woche joggen gewesen, aber wegen meiner Hüfte und meines Knies, wegen der Arthrose, ist das nicht mehr möglich.

Haben die Spieler denn „Hausaufgaben“ für die außergewöhnliche Situation bekommen, um halbwegs auf der Höhe zu bleiben?

Nein, das haben wir nicht gemacht. Das wird individuell gehandhabt. Ich denke mal, die meisten machen sowieso was für sich. Sonst fällt ihnen die Decke auf den Kopf. Denkbar sind Waldläufe mit Intervallläufen usw. und nicht immer dieses Eintönige wie Langzeitausdauer-Training. In der Vorbereitung haben wir bei den Laufeinheiten einiges gemacht. Die Jungs spielen lange genug Fußball und wissen, worauf es ankommt. Dass sie auf Kraftschnelligkeit übergehen mit beispielsweise Treppen- oder Hügelläufen und kurzen Sprints. Kontrolliert werden die Spieler nicht. Da müsste man im Profibereich sein. Wir sind Amateure, aber ich denke mal, jeder ist ehrgeizig genug. Und ich hoffe, dass der Verband uns wie versprochen zwei Wochen Vorlaufzeit gibt, falls es weitergehen sollte, sodass wir nicht von null auf hundert schalten müssen.

Wie bleibt die Mannschaft während der Pause in Kontakt – in erster Linie über WhatsApp oder auch telefonisch?

Wir haben natürlich eine WhatsApp-Gruppe, durch die ich mitkriege, was so passiert. Wenn einer Geburtstag hat, wird geschrieben. Oder jemand setzt einen Spruch rein oder so.

Eine Einschätzung bitte: Wird die Saison fortgesetzt oder endgültig beendet?

Ich glaube nicht, dass sie fortgesetzt wird. Das ist meine persönliche Meinung. Es wäre natürlich schade für alle Beteiligten und am meisten für die, die in der Tabelle oben stehen. Alle hoffen, dass es zeitnah weitergeht. Sonst läuft dir die Zeit weg. Du kannst es nicht so wie bei den Profis machen, dass du sagst, wir fangen irgendwann im Mai an und verlängern die Saison um vier oder fünf Wochen. Wenn es so weit kommen sollte, steht die Urlaubszeit bevor. Dann gibt‘s wieder neue Probleme.

Geht es nicht weiter, wäre das Spiel gegen Enniger das letzte für dich als Trainer gewesen.

Das würde wehtun. Ich wäre definitiv nicht erfreut, wenn die Saison so zu Ende gehen würde. Ein Abschied ohne richtigen Abschluss wäre schon bitter.

Welches Szenario, was die Wertung und die Auf- und Abstiegsregelung betrifft, wäre bei einem vorzeitigen Ende der Saison aus deiner Sicht am sinnvollsten?

Für uns geht es ja um nichts mehr. Wir können uns höchstens noch um ein paar Plätze verbessern, in die Meisterschaft können wir aber nicht mehr eingreifen. Die beste Lösung wäre vielleicht, die aktuelle Tabelle zu nehmen. Wer wie in unserer Liga so dominant da oben steht wie Neubeckum (neun Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten SuS Ennigerloh), der hat es auch verdient aufzusteigen. Wenn die Saison annulliert würde, wäre alles für die Katz. Für mich wäre auch akzeptabel, wenn man nur die Hinrunde zugrunde legt und die Absteiger weglassen würde. Dann würden zumindest die, die wirklich was getan haben, belohnt. Dann wäre die Arbeit nicht umsonst gewesen. Irgendwelche Play-off-Spiele zu absolvieren oder Wildcards zu verteilen, davon halte ich nichts. Eins ist sicher: Eine gerechte Lösung für alle wird es nicht geben. Ich möchte nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken und die Entscheidung treffen. Es ist wirklich sehr, sehr schwierig.

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