Das halten die Drensteinfurter vom Bundesliga-Restart

Geisterspiel im Signal Iduna Park: Im Stadion von Borussia Dortmund, in dem normalerweise 81 365 Zuschauer bei Bundesligaspielen Platz finden, wird an diesem Samstag vor leeren Rängen das Revierderby zwischen dem BVB und Schalke 04 ausgetragen. Foto: dpa
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Geisterspiel im Signal Iduna Park: Im Stadion von Borussia Dortmund, in dem normalerweise 81 365 Zuschauer bei Bundesligaspielen Platz finden, wird an diesem Samstag vor leeren Rängen das Revierderby zwischen dem BVB und Schalke 04 ausgetragen.

Drensteinfurt – Zum Auftakt gleich das Revierderby Borussia Dortmund gegen Schalke 04: Während die Amateure weiterhin auf Fußball mit Körperkontakt verzichten müssen, geht es in der Bundesliga weiter. Der WA hat sich bei Drensteinfurter Fußballfans umgehört, was sie vom Restart der Profis halten.

Malte Wessel (Trainer der dritten Mannschaft des SV Drensteinfurt und Fan des FC Bayern München): „Bei der Wiederaufnahme des Profifußballs bin ich geteilter Meinung. Als leidenschaftlicher Fußballfan freut es mich natürlich sehr, endlich wieder Fußball sehen zu können. Fußball ist etwas Besonderes, und ich bin der Meinung, dass Fußball ein Stück Lebensfreude zurückbringt. Viele sehnen sich danach, ihren Verein wieder spielen zu sehen. Natürlich ist es aufgrund der Situation und der Geisterspiele nicht der Fußball, den wir alle kennen und lieben, aber man darf die Verantwortung und Gefahr nicht außer Acht lassen. Denn die Gefahr für die Spieler ist da, sich mit dem Virus anzustecken. Aus gesellschaftlichen Gründen stehe ich der Wiederaufnahme kritisch gegenüber. Während die Bevölkerung Kontakte meiden und eine Maske tragen soll, dürfen die Profisportler enge Zweikämpfe führen. Des Weiteren ist es als kritisch anzusehen, dass die Profisportler regelmäßig getestet werden und in kürzester Zeit Ergebnisse erhalten und für Bereiche des öffentlichen Lebens zum Teil nicht ausreichend Tests vorhanden sind. Aus diesem Grunde sollte die Bundesliga eine Vorbildfunktion einnehmen und keinen Fall Salomon Kalou zulassen. Durch professionelles Verhalten kann auch etwas Positives entstehen. Ich hoffe, dass dies umgesetzt wird und auch die Bürger zu schneller Normalität zurückfinden können. Gerne würde ich auch selbst als Trainer mit meiner Mannschaft wieder arbeiten und zurück auf den Platz kommen.“

„Unverständlich!“

Thorsten Tegtmeier (Fan des Hamburger SV): „Es wird immer gesagt, die Profis sollen Vorbilder sein – für Amateure und besonders für Kinder und Jugendliche. Zurzeit ist Fußball spielen für den Nachwuchs und Amateure verboten und die Saison abgebrochen. So gut wie alle Sportarten sind eingestellt. Und jetzt kommen die Profis, die unbedingt spielen müssen, weil die Vereine sonst pleitegehen? Unverständlich! Erkläre mal den Kindern, dass sie nicht spielen dürfen, die Profis aber schon. Das kann man nicht in meinen Augen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Spieler bis zum letzten Spiel in Quarantäne bleiben. Das kann man auch nicht wirklich verlangen. Deswegen bin ich für ein Ende der Saison und einen Neustart gegebenenfalls im Januar oder dann, wenn es einen Impfstoff gibt. Sollen die Vereine die Verträge doch um ein Jahr verlängern und erst wieder Gehälter zahlen, wenn gespielt werden kann. Kein Profi wird verhungern. Klar ist Fußball ein Milliarden-Geschäft und so gerne ich auch Fußball schauen möchte – es kann nicht sein, dass für elitäre Menschen Fußball spielen erlaubt ist und die Spiele sogar noch im TV gezeigt werden.“

„Vielleicht gibt es eine Art Reinigungsprozess“

Florian Hammer (Fan des 1. FC Köln): „Ich habe den Fußball in letzter Zeit absolut nicht vermisst. Einerseits ist es schön, dass wieder weitere Normalität in den Alltag kommt, allerdings halte ich die gesamte, zwar notwendige Testerei für fehl am Platze, da es weit wichtigere Branchen, Menschen, Einrichtungen gibt, die eine solche Testreihe nötig hätten. Und am Rande bemerkt: Was sind unsere Profivereine doch vom Geld und den Geldgebern abhängig geworden. Vielleicht gibt es eine Art Reinigungsprozess im Profifußball.“

„Schwer zu vermitteln“

Dominik Heinsch (Coach der zweiten Mannschaft des SV Drensteinfurt und Fan von Borussia Dortmund): „Es gibt viel Pro und Kontra. Klar freue ich mich besonders auf das Derby an diesem Samstag, andererseits fehlt mir die Stimmung ohne Fans. Da kann es sein, dass sehr schnell Langeweile aufkommt – wie zum Beispiel im Champions-League-Spiel zwischen Paris und Dortmund. Ein Vorteil ist die Existenzsicherung für die Vereine, da viele bei einem Abbruch der Saison von der Insolvenz bedroht wären. Was aber auch wieder dagegenspricht, ist, dass Millionen Menschen und Kleinbetriebe in einer Krisensituation stecken und Kurzarbeit angemeldet haben. Deswegen ist es schwer zu vermitteln, warum so für die Fortsetzung der Bundesliga gekämpft wurde.“

„Fußball in Bild und Ton fehlte“

Roland Jungfermann (Trainer des SV Rinkerode und Fan von Borussia Mönchengladbach):

„Es ist ganz schwierig, eine optimale Lösung zu finden. Einerseits kann ich die Sportler wie auch die Verantwortlichen verstehen, schließlich ist es ein Beruf, den sie ausüben. Die andere Geschichte ist natürlich, dass Fußballprofi sein ein gewisses Privileg ist. Und wenn man überlegt, wie viele Eltern zu Hause bleiben müssen, weil sie die Kinder betreuen müssen, dann ist es ein zweischneidiges Schwert. Deswegen ist es nicht ganz so einfach. Ich persönlich freue mich, dass es wieder losgeht. Denn das, was uns fehlt, ist der Fußball in Bild und Ton, weil wir ja selber schon nicht mehr spielen können.“

„Hauptsache keine Entscheidung am grünen Tisch“

Thomas Wimber (Fan des FC Schalke 04):

„Ich finde es super, dass wieder gespielt wird. Es wird sicherlich komisch ohne Fans im Stadion, aber Hauptsache wieder Fußball und die Saison wird nicht am grünen Tisch entschieden.“

„Risiko ist überschaubar“

Dominik Busch (Fan des FC Bayern München):

„Ich freue mich, dass es wieder losgeht. Das gesundheitliche Risiko ist überschaubar und vor allem klar einzugrenzen. Der mögliche Schaden bei einem Abbruch der Bundesliga-Saison wäre meiner Meinung nach deutlich höher. Auch wenn Spiele ohne Fans sehr ungewohnt und die Fans ein wichtiger Faktor sind, kehrt jetzt eine weitere ,Normalität‘ zurück.“

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