Voltigieren

„Menge Arbeit“: Drensteinfurter Philip Goroncy startet bei WM in Frankreich

Startet bei den Junioren-Weltmeisterschaften im französischen Le Mans: Philip Goroncy.	Foto: Kleineidam
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Startet bei den Junioren-Weltmeisterschaften im französischen Le Mans: Philip Goroncy.

Der 18 Jahre junge Voltigierer Philip Goroncy aus Drensteinfurt nimmt an den Junioren-Weltmeisterschaften im französischen Le Mans teil. Seine Ziele für den direkten Vergleich mit Sportlern aus anderen europäischen Ländern, Nord- und Südamerika: Spaß haben und ins Finale einziehen.

Drensteinfurt – 2019 wurde er Westfälischer Meister der Junioren und Zweiter bei den Deutschen Jugendmeisterschaften, und im Mai dieses Jahres schaffte er mit dem Sieg beim Preis der Besten in Warendorf seinen bislang größten Erfolg. Doch der Wettbewerb, an dem Philip Goroncy in dieser Woche teilnimmt, toppt alle vorherigen. Der 18 Jahre junge Voltigierer, in seiner Altersklasse einer der bundesweit besten, startet bei den Junioren-Weltmeisterschaften im französischen Le Mans (28. Juli bis 1. August). Seine Ziele für den direkten Vergleich mit Sportlern aus anderen europäischen Ländern, Nord- und Südamerika: Spaß haben und ins Finale einziehen.

Schon vor den interkontinentalen Titelkämpfen war Goroncy erleichtert. „Lange Zeit war unsicher, ob die Weltmeisterschaften stattfinden dürfen“, sagte der Gymnasiast. Schließlich machte die Covid-19-Pandemie auch ums Voltigieren keinen Bogen.

Vor Ort Konkurrenten

Den Startplatz hat der Stewwerter seit Mitte Mai sicher. Im Anschluss an den Preis der Besten nominierte die AG Nachwuchs des Ausschusses Voltigieren des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) die Kandidaten für die Junioren-Weltmeisterschaften. Neben Goroncy vertreten Bela Lehnen (Moers) und Simon Stolz (Bodenheim) Deutschland im Einzelvoltigieren. Die Starterinnen tragen ebenfalls einen eigenen Wettbewerb aus, im Doppel- und Gruppenvoltigieren gibt es jeweils nur eine Konkurrenz.

„Wir fahren als deutsches Team hin, vor Ort sind wir aber Konkurrenten“, sagte Goroncy vor der gemeinsamen Abfahrt in der Nacht auf Montag. Am Sonntag trafen sich alle in Köln, wo auch die Pferde verladen wurden. Um 4.30 Uhr startete die etwa zehnstündige Fahrt mit dem Bus. „Um die 40 Leute sind dabei“ – darunter Athleten, (Bundes-)Trainer, Betreuer und Offizielle. Um einheitlich aufzutreten, wurden die Sportler komplett ausgestattet. Unter anderem gab es einen Anzug für die Eröffnungsfeier, die Corona-bedingt ausfiel, ein Nationaltrikot für die Pflicht und einen Trainingsanzug mit dem Bundesadler drauf. Auch die Kosten für Übernachtung und Verpflegung werden komplett übernommen.

Verfassungsprüfung zum Auftakt

Der Dienstag war ein Regenerationstag. „Der ist zum Akklimatisieren – auch für die Pferde“, erklärte Goroncy. Eineinhalb Tage müssten sich die Tiere von den Strapazen der Fahrt erholen. Die WM startet mit der Verfassungsprüfung. „Richter und Tierarzt schauen, ob das Pferd gesund ist, es muss vortraben.“ Danach gab es die Möglichkeit, ein offizielles Training auf dem Pferd zu absolvieren.

Erst die Pflicht, dann die Kür

Richtig ernst wird es für Philip Goroncy an diesem Donnerstag (29. Juli), wenn die Pflicht auf dem 16-jährigen Fuchs-Wallach Hendrikx, den Antje Döhnert an der Longe im Zirkel vorstellt, ansteht. Die Kür folgt am Freitag und ist auf nur eine Minute beschränkt. „Es ist trotzdem anstrengend. Wenn man vom Pferd runterkommt, ist man fertig“, gab Goroncy einen Einblick in seine Sportart. Die besten 15 erreichen das Finale am Samstag und Sonntag. „Dann wird das Programm noch mal gezeigt.“

Goroncy ging vor der Abfahrt davon aus, dass er es mit etwa 25 Konkurrenten zu tun bekommt. Sie kommen zum Beispiel aus den USA und Argentinien. Viele Europäer, darunter Franzosen, Italiener, Schweden und Norweger, nehmen ebenfalls teil. Den einen oder anderen Gegner kennt der junge Drensteinfurter. „Es sind ein paar gute dabei, auch die deutschen Konkurrenten darf man nicht unterschätzen.“

Wenn ich mich auf mich fokussiere und nicht den Spaß verliere, dann wird das Ergebnis stimmen.

Philip Goroncy

Die Ziele für die Junioren-WM betreffend, sagte Goroncy zunächst bescheiden: „Ich will zufrieden mit meinen Durchläufen sein. Wenn ich mich auf mich fokussiere und nicht den Spaß verliere, dann wird das Ergebnis stimmen.“ Dann wurde er etwas konkreter: „Im Finale möchte ich mich schon sehen.“

Schließlich soll sich der Aufwand lohnen. „Es steckt auf jeden Fall eine Menge Arbeit dahinter“, sagte Goroncy. Im Alter von sieben Jahren startete er mit dem Sport, begann beim RV Drensteinfurt. Es folgte der Wechsel zum RV Herbern, mittlerweile startet er für den RV Wehdem-Oppendorf, trainiert aber wegen der Nähe weiterhin größtenteils in Herbern.

Training an der Grenze zu Niedersachsen

Zur Vorbereitung auf die WM ging es zwei Mal pro Woche nach Oppendorf im Kreis Minden-Lübbecke (eine Strecke etwa 130 Kilometer), wo Trainerin und Longenführerin Döhnert zu Hause ist, und zwei bis drei Mal nach Herbern. „Der Aufwand war relativ groß“, sagte Goroncy, der aufgrund einer Bänderüberdehnung, die er sich Mitte Juni zugezogen hatte, zwei Wochen verletzt war. Eingeschränkt ist er nicht mehr. „Wenn ich es tape, bekomme ich es gut hin.“ Auch für zu Hause gab es einen Trainingsplan. Übungen für alle Muskelgruppen, Läufe und „ab und zu“ ein Besuch im Fitnessstudio standen auf dem Programm.

„Im Training steigt die Anspannung schon“, gab das Mitglied des ersten Nachwuchskaders eine Woche vor dem WM-Auftakt zu. „Aber ich versuche locker zu bleiben.“ Außerhalb des Trainings sei er relativ entspannt gewesen. Das wird sich in Le Mans, wo neben den Titelkämpfen der Junioren auch ein internationales Turnier für die besten Senioren stattfindet, das Goroncy abends als Zuschauer verfolgen möchte, sicherlich ändern.

Vater Fritz unterstützt vor Ort

Unterstützung bekommt der 18-Jährige, der im nächsten Jahr am Kardinal-von-Galen-Gymnasium in Hiltrup sein Abitur macht, beim bisherigen Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn aus der Familie. Fritz Goroncy begleitet seinen Sohn, reiste aber allein an. „Auch die Zahl der Begleitpersonen ist wegen der Auflagen begrenzt“, erklärte Philip Goroncy und zeigte sich auch in dieser Hinsicht erleichtert: „Es war lange nicht klar, ob er mitdarf.“ Der Vater darf – und wird sicherlich unfassbar stolz sein, wenn sein Sohn Deutschland bei den Junioren-Weltmeisterschaften vertritt.

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