Fußball

Das halten Spieler von SVD und Fortuna von der FLVW-Entscheidung

Ein Bild, an das man sich gewöhnen muss: Schutzmasken am Fußballplatz.
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Ein Bild, an das man sich gewöhnen muss: Schutzmasken am Fußballplatz.

Die Zahl derjenigen, die an Covid-19 erkranken, steigt rasant, die Sorgen nehmen ebenfalls zu. Trotzdem haben die Vorsitzenden der Kreise im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) sowie dessen Vertreter entschieden, die Saison fortzusetzen – zumindest vorerst.  WA.de hat bei Spielern der heimischen Seniorenmannschaften nachgefragt, was sie von dem Beschluss halten.

Christoph Lübke vom Landesligisten SV Drensteinfurt: „Ich finde die Entscheidung durchaus fragwürdig. Als Fußballer freust du dich natürlich, wenn du auf dem Platz stehen darfst, aber in der aktuellen Phase machst du dir vor den Spielen schon deine Gedanken, wie sinnvoll es ist, dass angepfiffen wird. Natürlich obliegt es jedem Spieler selbst, ob er zurzeit Fußball spielen möchte oder nicht.

Erschreckend finde ich, wie unterschiedlich die Hygiene-Konzepte, die ja eigentlich einheitlich sein sollten, an den verschiedenen Sportplätzen ausgelegt werden. Weiterhin ist mein Gefühl, dass der Verband die Spiele mit aller Macht durchpeitschen möchte, anders kann ich mir die Entscheidung, die gegen Borussia Münster getroffen wurde (nicht bei der IG Bönen angetreten, Spiel für Gegner gewertet/Anmerkung der Redaktion), nicht erklären.“

Verband will die Spiele mit aller Macht durchpeitschen.

Christoph Lübke

Marcel Brillowski vom A-Kreisligisten Fortuna Walstedde: „Ich denke, dass die Entscheidung, wie sie getroffen wurde, erst mal nachvollziehbar ist. Es macht aus meiner Sicht Sinn, von Woche zu Woche zu gucken und nicht voreilig die Saison abzubrechen. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man lieber zu vorsichtig sein kann, als unnötig Infektionsherde zu schaffen. So gerne wir auch alle auf dem Platz stehen würden, um Fußball zu spielen, die Gesundheit geht einfach vor. Und hierbei geht es nicht unbedingt um die jungen, fitten Leute, die auf dem Platz stehen, sondern eher um die Leute, die einer Risikogruppe angehören und sich durch die entstehende Infektionskette anstecken. Was ich allerdings ein bisschen fragwürdig finde, ist die Unterscheidung zwischen Kreisliga und Bezirks- oder Landesliga. Solange es ein erhöhtes Risiko gibt, finde ich, sollten keine Amateurspiele durchgeführt werden.“

Es macht Sinn, von Woche zu Woche zu gucken.

Marcel Brillowski

Franziska Homann von den Kreisliga-Frauen der SG Walstedde/Heessen: „Ich finde es momentan echt schwierig, das zu beurteilen. Ein bisschen Normalität mit regelmäßigen Spielen und Trainings tut uns sicher allen gut. Zumal die Begründung des FLVW ja auch war, dass das Risiko einer Infektion auf dem Fußballplatz sehr gering sei.

Andererseits finde ich aber auch, dass langsam mal deutliche Einschränkungen notwendig werden, um das Infektionsgeschehen weiter einzudämmen. Und da ist es natürlich am einfachsten, beim Amateurfußball anzufangen. Wenn es um die Gesundheit geht, steht ein Hobby für mich erst mal an zweiter Stelle.

Ein bisschen Normalität tut uns sicher allen gut.

Franziska Homann

Ich kann die Entscheidung des FLVW erst mal nachvollziehen, könnte aber auch mit einer Saisonunterbrechung leben, wenn damit die gesamte Infektionslage verbessert werden kann und andere gesellschaftliche Einschränkungen vermieden werden können.“

Tim Wiebusch vom B-Kreisligisten SV Drensteinfurt II: „Aus meiner Sicht ist es nicht sinnvoll, bei einer so hohen Infektionszahl die Saison fortzusetzen. Eine Pause würde sehr sinnvoll sein. Warum? Wir können kaum planen, ob ein Spiel stattfindet oder nicht. Auch wenn viele sagen, dass man sich an der frischen Luft nicht beziehungsweise kaum anstecken kann, hat das Beispiel der ersten Mannschaft (ein Corona-Fall) schon gezeigt, dass es sicherlich anders ist. Es ist nun mal Kontaktsport mit Husten, Anschreien und tief Durchatmen. Dass man sich das Virus schnell einfangen kann, ist meines Erachtens damit gegeben. Wären wir bei der Formel 1, wäre das etwas anderes.

Eine Pause würde sehr sinnvoll sein.

Tim Wiebusch

Persönlich rückt Fußball in der jetzigen Situation in den Hintergrund, weil man sich mehr darauf konzentriert, das Virus nicht zu bekommen als Fußball zu spielen. Heißt bei uns in der Mannschaft: Jeder entscheidet individuell, ob er noch spielt oder nicht. Die Mannschaft und auch der Trainer zeigen volles Verständnis, wenn jemand nicht spielen möchte – so sollte es in einer Mannschaft auch sein. Beruf oder Studium gehen vor. Viele können es sich nicht erlauben, dass sie aufgrund einer Quarantäne 14 Tage zu Hause bleiben müssen. Dadurch wird die Mannschaft ein wenig zerrissen. Das macht es nicht einfacher, am Spieltag genug Spieler zu finden.“

Verbandsweite Saisonunterbrechung vorerst nicht geplant

Im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) soll es fürs Erste keine flächendeckende Saisonunterbrechung im Amateur- und Jugendspielbetrieb geben. Darauf verständigten sich die Vorsitzendenden der 29 FLVW-Kreise und Vertreter des FLVW. Gleichwohl betrachten die Funktionäre das Infektionsgeschehen mit Sorge – lokale oder regionale Fußballpausen sind weiterhin möglich.

Einig waren die sich Teilnehmer der Videokonferenz, dass das Risiko einer Infektion auf den Fußballplätzen äußerst gering sei. „Der Fußball ist nicht dafür verantwortlich, dass die Inzidenzwerte steigen. Es gibt bislang keine nachweisbaren Fälle, in denen sich Spielerinnen und Spieler untereinander auf dem Spielfeld angesteckt hätten“, betonte der für den Amateurfußball verantwortliche Vizepräsident Manfred Schnieders. „Wir möchten nicht den Eindruck erwecken, die Saison durchzuprügeln. Aber dort, wo es möglich ist, wollen wir den Spielbetrieb anbieten.“ Zudem gebe es aus der Staatskanzlei der NRW-Landesregierung aktuell keine Signale, das Fußballspielen zu untersagen.

Besonders die Kreisvertreter aus Risikogebieten mahnten jedoch zur Vorsicht. Beckums Kreisvorsitzender Peter Wiethaup: „Vereine wollen nicht zu Hotspots werden“. Die Sorgen der Vereine nimmt man in Kaiserau zur Kenntnis – und sehr ernst: „Wir wissen um die große Herausforderung für unsere Vereine, ihre Funktionäre und Spieler. Die Lösungen müssen aber lokal statt global gefunden werden“, sagte der der FLVW-Präsident Gundolf Walaschewski. Entscheidungen der Gesundheitsbehörden werde man vollumfänglich unterstützen. „Sollte sich das Infektionsgeschehen oder die politische Verfügungslage ändern, ist der FLVW jederzeit in der Lage, flexibel und angemessen auf die Auswirkungen für den Spielbetrieb zu reagieren.“

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