Coronavirus setzt auch die Schachfreunde Drensteinfurt matt

Die U20 der Schachfreunde Drensteinfurt wurde Vizemeister in der Verbandsjugendliga. Gespielt haben (von links) Erik Saphörster, Finn Röser, Johann Borgmann, Arne Saphörster, Moritz Tillkorn und Anton Lozbin.
+
Die U20 der Schachfreunde Drensteinfurt wurde Vizemeister in der Verbandsjugendliga. Gespielt haben (von links) Erik Saphörster, Finn Röser, Johann Borgmann, Arne Saphörster, Moritz Tillkorn und Anton Lozbin.

Der Teil-Lockdown schränkt auch das Vereinsleben der Schachfreunde Drensteinfurt stark ein. Für die Kinder und Jugendlichen bietet der Klub, der trotz der Pandemie keine Mitglieder verloren hat, momentan Online-Training an. Um die Zwangspause zu überbrücken, nehmen einige an einer „Quarantäne-Liga“ teil.

Drensteinfurt – „Das ganze Gesellige fehlt total“, sagt Daniel Tillkorn, der 2. Vorsitzende der Schachfreunde, und erläutert: „Gerade die etwas Älteren kommen freitags zum Vereinsabend, damit sie mit anderen Kontakt haben und reden können. Und das kannst du beim Schachspielen natürlich ganz gut – wenn es um nichts geht“. Die Treffen im Kulturbahnhof fehlen nun. Und Tillkorn befürchtet, dass es vor März nicht weitergehen wird.

Im vergangenen März waren mit dem Beginn der Covid-19-Pandemie auch das Vereinsleben und die Saison zum Erliegen gekommen. Das letzte Spiel der ersten Mannschaft in der Bezirksklasse Münster war am 29. Februar, also vor mehr als neun Monaten. Bernd Broeckmann (1. Vorsitzender aus Hamm), Yannic Bröker, Daniel Tillkorn, Marco Theisinger, Joachim Bars, Paul Fischer, Christophe Revaux und Johann Dik gewannen 6:2 gegen die Drittvertretung der SF Beelen. Die für Ende März geplante Partie bei der viertplatzierten SG Nordkirchen und das letzte Saisonspiel gegen Zug um Zug Everswinkel, das für Mitte Mai angesetzt war, fielen aus. „Die Spiele wurden komplett ausgesetzt“, sagt Tillkorn. Abgebrochen wurde die Saison allerdings nicht, nur unterbrochen. Die beiden letzten Spieltage sollen ein Jahr später als ursprünglich geplant von März bis Mai 2021 nachgeholt werden, damit die nächste Saison pünktlich im September beginnen kann. „Aber ob es was wird, das steht alles in den Sternen.“

Daniel Tillkorn, 2. Vorsitzender der Schachfreunde Drensteinfurt

In der Tabelle liegt Drensteinfurt hinter dem ASV Senden als Zweiter mit fünf Siegen und zwei Niederlagen auf einem Aufstiegsplatz. Der SK Ostbevern/Westbevern sitzt den Schachfreunden mit einem halben Brettpunkt Rückstand im Nacken. Der vorletzte Gegner Nordkirchen hat zwei Mannschaftspunkte weniger und ist damit auch noch in der Verlosung. Der Aufstieg in die Bezirksliga sei ganz klar das Ziel, sagt Tillkorn. „Das hatten wir schon vor der Saison ausgegeben.“ Allerdings werde es kein Selbstläufer. „Everswinkel ist schwach, aber gegen Nordkirchen wird es noch mal ganz schön schwierig.“

Was die Verantwortlichen freut: „Wir haben ein paar Neuzugänge, auch zwei richtig starke aus Sendenhorst“, berichtet Tillkorn. Neben André Fleischmann spielt Maurice Prokscha künftig für Drensteinfurt, „Ein starker Jugendlicher. Das wird ein Guter“, sagt Tillkorn über Prokscha. Ärgerlich sei, dass beide in den entscheidenden Begegnungen noch nicht mitspielen dürfen. „Und dann gibt es noch andere, die sich dafür interessieren, bei uns zu spielen“, sagt Tillkorn, der als Regionalleiter der Schule für Musik im Kreis Warendorf tätig ist.

Vizemeister und Verbandsmeister

Lediglich die U20 hatte die Saison 2019/20 beendet und wurde hinter dem SK Münster II Vizemeister in der Verbandsjugendliga – mit sechs Siegen und nur einer Niederlage. Finn Röser, Anton Lozbin, Arne und Erik Saphörster, Moritz Tillkorn, Leon Wehrwein, Henri Breitscheid, Johann Borgmann und Levin Schürmann waren im Einsatz.

Für positive Schlagzeilen sorgten zu Beginn des Jahres aber nicht nur die erste Mannschaft und die U20. Die U12 der Schachfreunde wurde mit Trainer Broeckmann Verbandsmeister. Völlig überraschend setzten sich die jungen Stewwerter Moritz Tillkorn, Henri Breitscheid, Johann Borgmann und Levin Schürmann im heimischen Kulturbahnhof gegen die Konkurrenz durch und qualifizierten sich für die NRW-Meisterschaften, die im März in Dortmund stattfinden sollten. „Die sind komplett ausgefallen. Es ist noch nicht klar, ob es eventuell online nachgeholt wird. Irgendeine Lösung müssen sie finden“, sagt Daniel Tillkorn.

Sein zwölfjähriger Sohn Moritz hatte sich darüber hinaus als Einzelvizeverbandsmeister für die NRW-Meisterschaften qualifiziert. Und die haben im Sommer in der Stadthalle Hiltrup stattgefunden – als Schnellschachturnier an einem Tag. „Es war eins der wenigen Turniere, die stattgefunden haben“, sagt Daniel Tillkorn. Moritz habe dabei auf jeden Fall Erfahrungen gesammelt.

Mit Maske am Brett

Er und die anderen aus der erfolgreichen U12-Mannschaft sind mittlerweile rausgewachsen aus der Altersklasse und spielen jetzt in der U14. Darüber hinaus gibt es bei den Schachfreunden eine U16 und die U20. Bis zu den Herbstferien konnten die U16-Jugendlichen drei Runden in der Meisterschaft absolvieren – „mit Maske am Brett usw.“, sagt Tillkorn. Seitdem „ist alles auf Eis gelegt“. Mit drei Siegen führt die U16 die Tabelle der Verbandsjugendklasse B an. Saisonstart war Ende September, die letzten vier Runden sind auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Zeit zwischen den verschärften Maßnahmen überbrückte der Verein mit Open-Air-Schach. „Solange das Wetter es zuließ, haben wir draußen gespielt.“ Als es zu kalt wurde, kehrten die Schachfreunde kurzzeitig in die Räume des Kulturbahnhofes zurück. „Im Jugendtreff konnten wir uns schön verteilen“, sagt Tillkorn. „Wir haben bis zu den Herbstferien jeden Freitag genutzt, den wir kriegen konnten, und dann war Feierabend.“

Mitte September waren die Corona-Pokal-Turniere gestartet. „Wir haben die Senioren und die Kinder und Jugendlichen geteilt, damit sie nicht miteinander in Kontakt kommen und die Älteren geschützt werden“, erklärt Tillkorn. Die Resonanz bei den Älteren sei verständlicherweise allerdings überschaubar gewesen. „Die Turniere konnten wir auch nicht zu Ende spielen.“

Es hat sich kein Einziger abgemeldet.

Daniel Tillkorn

Aktuell bieten die Schachfreunde für die Kinder und Jugendlichen als Abwechslung zum Alltag jeden Dienstag Online-Training an. „Und wir spielen zurzeit auf einem Schach-Server eine ,Quarantäne-Liga‘. Daran darf jeder teilnehmen, der Lust hat. Du kannst dir den Verein, für den du spielen möchtest, aussuchen“, sagt Tillkorn. Auf- und Abstieg gibt es auch. „Wir sind in der untersten Liga angefangen, in der 15. Liga.“ Absolviert werden Schnellschachpartien mit wenigen Minuten Bedenkzeit. „Zweimal die Woche donnerstag- und sonntagabends. Es ist nicht verpflichtend, jedes Mal dabei zu sein. Man muss nur mitspielen, wenn man Zeit und Lust hat.“

Erfreulich ist aus Sicht von Daniel Tillkorn und seinen Vorstandskollegen, dass der Verein weiterhin zirka 50 Mitglieder zählt. Trotz der Pandemie ist die Zahl nicht zurückgegangen. „Es hat sich kein Einziger abgemeldet“, sagt Tillkorn – und hofft, dass die Einschränkungen möglichst schnell beendet werden, damit das Vereinsleben der Schachfreunde wieder Fahrt aufnehmen kann.

Die „Quarantäne-Liga“ ist im Internet unter www.lichess.org zu finden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare