Handball

„Undurchsichtige Situation“ für die Trainer der HSG

Mittlerweile ein ungewohntes Bild: Ihr letztes Spiel absolvierten die Handballer der HSG Ascheberg/Drensteinfurt, hier Till Mersmann, am 11. Oktober 2020 in eigener Halle gegen die Warendorfer SU II (33:18).
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Mittlerweile ein ungewohntes Bild: Ihr letztes Spiel absolvierten die Handballer der HSG Ascheberg/Drensteinfurt, hier Till Mersmann, am 11. Oktober 2020 in eigener Halle gegen die Warendorfer SU II (33:18).

„Das neue Jahr fängt genauso an wie das alte aufgehört hat.“ Jochen Bülte, Coach der Frauenmannschaft der HSG Ascheberg/Drensteinfurt, spricht seinen Trainerkollegen wohl aus der Seele. Seit Ende Oktober ruht der Spielbetrieb im Handballkreis Münsterland, ein Ende der Zwangspause ist nicht in Sicht. 

Drensteinfurt – „Es ist eine undurchsichtige Situation im Moment“, sagt Bülte. Und eine völlig skurrile Saison für die Frauen der HSG. Sie haben in der Staffel 2 der Kreisliga noch nicht eine Begegnung absolviert. Fünf Spiele waren wegen des Lockdowns im November und Dezember abgesagt worden, die Auftaktpartie wegen eines Corona-Verdachtsfalls. Nun folgen zwei weitere Ausfälle. Betroffen sind das für den 17. Januar angesetzte Auswärtsspiels gegen die HSG Gremmendorf/Angelmodde und das für den 24. Januar geplante Heimspiel gegen die DJK SV Mauritz. Für Bülte war die Verlängerung des Lockdowns keine Überraschung. „Dass er nicht nur bis zum 10. Januar geht, sondern weiter bis zum Ende des Monats, war relativ klar“, sagt der Sendenhorster.

Auch mit dem Spiel am 7. Februar gegen die HSG Preußen/Borussia Münster wird es wohl nichts werden. Unwahrscheinlich ist zudem, dass die HSG am 20. Februar beim TV Friesen Telgte antreten darf. „Ich glaube auch, dass es mit Ende Januar noch nicht getan ist. Es kann ja sein, dass sie mit einem Light-Lockdown weitermachen“, so Bülte. Und was Lockerungen betrifft, sind nach den Erfahrungen aus dem Frühling 2020 mit Sicherheit erst die Außensportarten an der Reihe, ehe die Hallen geöffnet werden. „Das könnte ich mir vorstellen. Es wäre natürlich ein bisschen schade, aber irgendwo auch logisch bei den Zahlen aktuell.“

14 Spiele haben die HSG-Frauen in dieser Saison insgesamt zu bestreiten. Das ist zu schaffen, sollte die Saison spätestens im März beginnen und bis Juni verlängert werden. Geplant hatten die Verantwortlichen des Handballkreises Münsterland, dass die Spielzeit im April endet.

Wenn der Lockdown bis Mitte März geht, kannst du die Saison im Prinzip abhaken.

Jochen Bülte

Denkbar ist auch, dass nur die Hinserie ausgetragen und gewertet wird. Sieben Spiele seien zwar machbar, „aber es kann passieren, dass du gegen die ganz schweren Gegner zu Hause spielst und gegen die leichten auswärts und dass du dann kein Land siehst“, merkt Bülte an. Seine Meinung: „Wenn der Lockdown bis Mitte März geht, kannst du die Saison im Prinzip abhaken. Dann brauchst du auch nicht über eine Hinrunde nachdenken.“

Schließlich brauchen die Mannschaften eine Vorlaufzeit, ehe es wieder um Punkte geht. „Selbst wenn es irgendwann wieder losgeht und wir wieder in die Halle dürfen, was meines Erachtens in etwas weiterer Ferne ist, müssen wir ja erst mal trainieren. Wir müssen im Prinzip eine komplette neue Vorbereitung machen“, sagt der Coach. So lange, wie die Pause aktuell schon dauert, sei sie eigentlich zwischen den Spielzeiten. Bülte könnte sogar mit einem kompletten Abbruch leben. „Selbst wenn alle Stricke reißen, die Saison nicht stattfinden und die neue erst im September starten würde, dann ist es so.“

Gemeinsame Work-outs

Dass er aktuell überhaupt nicht planen kann, was die Vorbereitung nach dem Lockdown angeht, sei eine „blöde Situation“. Er geht davon aus, dass sich seine Spielerinnen trotz der Einschränkungen fit halten. „Sie machen individuell was und Krafttraining übers Internet“, erklärt Bülte. Die Handballerinnen der HSG schließen sich über Videokonferenzen zusammen und absolvieren die Übungen gemeinsam. „Die meisten machen schon mit“, hofft Bülte, aber zwingen könne er niemanden. Allerdings ist ihm auch die Problematik klar: „Handballsport kannst du nur richtig ausüben, wenn du in der Halle stehst. Zu Hause zu trainieren, ist nicht das gleiche.“

Im Gegensatz zu den Frauen hat die erste Mannschaft der Männer in der Kreisliga Staffel 3 „nur“ noch zwölf Spiele zu bestreiten, sollte die Saison regulär beendet werden. Die Handballer aus Ascheberg und Drensteinfurt waren im Oktober immerhin schon zweimal im Einsatz. Im November und Dezember fielen jeweils zwei Partien aus. Im Januar finden zwei weitere nicht statt: das Derby am 17. Januar gegen die zweite Mannschaft der SG Sendenhorst und das Heimspiel sieben Tage später gegen Sparta Münster II. Danach hätte die HSG sowieso eine vierwöchige Pause gehabt. Für den 20. Februar ist bislang die Partie bei der Warendorfer SU II geplant.

Geduld ist gefragt

Heinz Huhnhold hatte zwar gehofft, dass die Infektionszahlen über den Jahreswechsel deutlich sinken. Der Bund-Länder-Beschluss, die Einschränkungen zu verlängert, kam jedoch auch für den HSG-Trainer alles andere als unerwartet. „Mir war klar, dass es im Januar noch nichts wird.“ Geduld sei gefragt. „Wir müssen abwarten, ob die Erweiterung des Lockdowns mit härteren Maßnahmen zum Erfolg führt.“ Huhnhold hegt Zweifel und befürchtet, dass die Pause für die Amateur- und Freizeitsportler noch länger dauern wird.

Auch für den 53 Jahre alten Hammer ist zurzeit nichts planbar in Sachen Handball. „Ich kann nicht viel machen und hoffe, dass alle Männer bei der Stange bleiben und nicht sagen, ich höre auf.“ Bislang habe er in dieser Hinsicht allerdings noch nichts Negatives gehört. Huhnhold ist froh, dass sich einige seiner Spieler selbstständig ein bisschen fit halten. „Das ist schwer – noch dazu bei dem Wetter. Nur Laufen ist natürlich auch langweilig.“

Ich kann nicht viel machen und hoffe, dass alle Männer bei der Stange bleiben.

Heinz Huhnhold

Etwas Ruhe ist nicht nur über die Feiertage eingekehrt, sondern auch in der Whatsapp-Gruppe der HSG-Mannschaft. „In der Gruppe ist es momentan auch ziemlich still, aber was will man auch schreiben.“ Das neue (Handball-)Jahr hat halt genauso angefangen wie das alte aufgehört hat.

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