Corona-Lockdown

„Sind echt geschockt“: Fitnessstudios müssen erneut schließen

Vera Igelbrink und Carsten Schake sind verärgert. Sie haben die Hygieneregeln in der Wellness Oase eingehalten, neue Ausdauergeräte (Bild) angeschafft und in Raumluftfilteranlagen investiert. Trotzdem muss das Fitness- und Gesundheitsstudio für 29 Tage schließen.
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Vera Igelbrink und Carsten Schake sind verärgert. Sie haben die Hygieneregeln in der Wellness Oase eingehalten, neue Ausdauergeräte (Bild) angeschafft und in Raumluftfilteranlagen investiert. Trotzdem muss das Fitness- und Gesundheitsstudio für 29 Tage schließen.

Die einschneidenden Corona-Maßnahmen, die am Montag in Kraft treten und bis Monatsende gelten, haben zur Folge, dass auch die Fitnessstudios schließen müssen. Neben dem Fitnesscenter Drensteinfurt wird auch die Wellness Oase für mindestens 29 Tage geschlossen sein. „Das ist überhaupt nicht verständlich“, sagt Inhaberin Vera Igelbrink.

Drensteinfurt – Sie haben die Hygienevorschriften befolgt, die Nachverfolgbarkeit sichergestellt und trotz der Corona-Krise viel Geld investiert, um Mitglieder und Mitarbeiter noch stärker zu schützen. Und nun das: Vera Igelbrink und Carsten Schake müssen das Gesundheits- und Fitnessstudio wieder schließen. Von Montag an bis Ende November ist der Betrieb im Zuge neuer Corona-Schutzmaßnahmen untersagt.

„Wir sind echt geschockt“, sagt Igelbrink, Inhaberin der Wellness Oase: „Das ist überhaupt nicht verständlich, weil wir die behördlichen Auflagen erfüllt haben.“ Schake betont: „Wir haben sogar mehr gemacht, als wir mussten, um die Mitglieder und uns zu schützen.“ Die Hygieneregeln würden unter anderem durch regelmäßige Desinfektion „extrem eingehalten“, die Nutzung einer App ermögliche eine Zugangsbeschränkung, und eine Nachverfolgung von möglichen Infektionsketten sei ebenfalls gegeben. Außerdem wurden zwei Raumluftfilteranlagen für das Gebäude an der Raiffeisenstraße angeschafft, die im November installiert werden, und die Ausdauergeräte ausgetauscht, um das Training effektiver zu machen.

Mindestens 29 Tage geschlossen

„Wir waren mutig, haben investiert“, sagt Igelbrink. Trotzdem muss die Wellness Oase vorerst für 29 Tage schließen. Igelbrinks Meinung: „Es müsste differenziert werden, sonst ist hinterher alles dicht.“

Dass viele Vorkehrungen zum Schutz aller getroffen wurden, bestätigt Olaf Lenz. „Das Hygienekonzept wird gut umgesetzt, die Gefahr, sich anzustecken, ist gering“, sagt der 51-Jährige aus Ameke, der regelmäßig im Studio ist. „Ich gehe angstfrei hierhin, fühle mich total wohl und kann sicher trainieren.“

Auch die anderen Mitglieder könnten die erneut verschärften Maßnahmen von Bund und Ländern, was Fitnessstudios betrifft, überwiegend nicht nachvollziehen, so Igelbrink und Schake. „Für viele ist es unbegreiflich. Sie sehen ja, was hier geleistet wird.“

Physiotherapie weiterhin möglich

Während die Fitnessgeräte fürs Erste nicht benutzt und die Kurse nicht angeboten werden, ist die Praxis für Physiotherapie unter der Woche weiterhin von 8 bis 20 Uhr geöffnet. Denn medizinisch notwendige Behandlungen (auf Rezept) sind wie beim ersten Lockdown im Frühjahr weiterhin erlaubt. Auch T-Rena, die Trainingstherapeutische Rehanachsorge, ein Programm der Deutschen Rentenversicherung, findet statt. „Aber denjenigen, die zum Beispiel aufgrund von Rückenbeschwerden eigenverantwortlich dabei sind und selbst zahlen, dürfen wir nicht helfen“, schüttelt Igelbrink mit dem Kopf.

Was auch nicht außer Acht gelassen werden dürfe: „Wir sind systemrelevant für die Gesundheit der Menschen. Durch gezieltes Training stärkst du dein Immunsystem – das ist das Allerwichtigste“, sagt Schake. Die Präsidentin des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV), Birgit Schwarze, schrieb zur erneuten Schließung: „Hierbei handelt es sich genau um das falsche Signal und eine unzumutbare Benachteiligung von Menschen, die ganz bewusst und gerade jetzt ihre Immunabwehr stärken wollen und sollen.“

Vom 17. März bis zum 10. Mai hatte die Wellness Oase zum ersten Mal Corona-bedingt geschlossen – acht Wochen lang. Nach der Wiedereröffnung hatte es nicht lange gedauert, bis sich alle an die neue Situation und die Vorschriften im Studio gewöhnt hatten. „Die Mitglieder waren erst ängstlich und zurückhaltend, dann aber froh und dankbar“, blicken Igelbrink und Schake zurück. Seit Ende Mai habe es eine deutliche Zunahme des Trainingsbetriebs gegeben. „Eine positive Stimmung kam auf, den Leuten ging es körperlich und psychisch besser.“

Er hat neun Kilogramm abgenommen und ist ausgeglichener.

Sara Woesmann über ihren Sohn Noah

Das kann Sara Woesmann bestätigen. Die 35-Jährige war am Donnerstag aufgrund von arbeitsbedingten Rücken- und Nackenproblemen zum dritten Mal im Gesundheits- und Fitnessstudio und hat nach eigenen Angaben „Blut geleckt“. Besonders vom Training profitiert hat aber ihr Sohn Noah. „Es wurde Zeit, dass er was tut. Besser als vor der Spielkonsole zu hocken“, sagt Woesmann. Vor drei Monaten startete der 14-Jährige, alle zwei Tage war er mit seiner Tante in der Oase. „Er hat neun Kilogramm abgenommen, fühlt sich wesentlich fitter und ist ausgeglichener“, sagt Sara Woesmann und ist begeistert. Ihr Sohn werde enttäuscht sein, wenn er hört, dass das Studio bis Ende November schließen muss.

„Versprechungen nicht eingehalten“

Dass die von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) angekündigte finanzielle Unterstützung für Unternehmen, die von den neuen Einschränkungen betroffen sind, bei ihnen ankommt, daran „glauben wir nicht“, sagt Vera Igelbrink. Die Versprechungen seien schon beim ersten Lockdown nicht eingehalten worden. „Die Voraussetzungen wurden immer wieder geändert.“ Immerhin ist Igelbrink optimistisch, dass die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie, die ihre Branche betreffen, „nur“ bis Ende November gelten. „Ich muss das glauben als Unternehmerin.“

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