„Geisterrennen gar keine Option“ für Rennverein Drensteinfurt

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Die 110. Auflage des Renntags in Drensteinfurt findet nicht in diesem Jahr statt.

Drensteinfurt – Die Drensteinfurter Trabrennbegeisterten sind hart im Nehmen. Schon so manche Krisenveranstaltung hat der Stewwerter Rennverein gemeistert. Gegen Covid-19 haben die Verantwortlichen aber keine Chance. Und „Geisterrennen sind gar keine Option“, sagt Heinz Kuhlmann.

Ob Schlamm- oder Regenschlacht oder tropische Temperaturen: Von äußeren Bedingungen hätten sich Aktive, Fahrer, Besitzer, Vereinsmitglieder und Zuschauer nicht entmutigen lassen, sagt der Sportliche Leiter Detlef Orth. „Es wurde trotzdem gewettet, was das Zeug hält. Immer wieder glänzte der Verein mit gut organisiertem Programm und Verlauf. Auch die Umsatzzahlen konnten sich trotz äußerst widriger Verhältnisse immer wieder sehen lassen.“ So flossen noch im vergangenen Jahr trotz regnerischem Beginn über 107 000 Euro durch die Totokassen. Und selbst, wenn das Ergebnis mal nicht ganz den Erwartungen entsprach, habe es niemals lange Gesichter beim Vereinspräsidenten Klaus Storck und seinem Team gegeben. „Mund abwischen, nach dem Rennen ist vor dem Rennen“, lautete dann das Motto der Stewwerter Vereinsmitglieder. „Dann wurden die Ärmel halt wieder aufgekrempelt, und ran ging es an die Vorbereitung fürs nächste Meeting im Erlfeld“, so Orth.

Renntag in Drensteinfurt

Doch 2020 ist alles anders. Im Erlfeld wird Ruhe herrschen am 16. August. Keine Pferde, keine Menschenmassen mit Wett-Tickets in den Händen und keine Warteschlangen vor den Würstchen- und Bierbuden. „Die 110. Auflage der Drensteinfurter Trabrennen muss vor einem Virus kapitulieren“, sagt Orth. Schweren Herzens habe Storck Mitte April bekannt gegeben, dass der Renntag aufgrund des Verbots für Großveranstaltungen bis zum 31. August abgesagt werden muss. „Ein Entschluss, der umsichtig und zwingend war und von allen Beteiligten mitgetragen wurde und wird“, so Orth.

„Berufs- und Einnahmeverbot“

Betroffen ist aber nicht nur der Rennverein Drensteinfurt. Alle großen Rennvereine wie Dinslaken, Gelsenkirchen, München, Hamburg oder Berlin mussten von Mitte März an ihre Tore schließen. Und auch die Grasbahnsaison der C-Bahn-Vereine wie Duhnen, Hooksiel, Rastede oder Stove fiel der Zwangssperre zum Opfer. Durch die zahlreichen Renntagabsagen seien auch die Trainer und Besitzer betroffen, denen praktisch Berufs- und Einnahmeverbot auferlegt würden, so Orth.

Renntag in Drensteinfurt Teil 2

„Das ist sehr, sehr schade. Drensteinfurt mit den guten Rennpreisen ist seit Jahren immer wieder ein schönes Zubrot für mich und meine Kollegen“, so der mehrfache Drensteinfurt-Cup-Gewinner Jochen Holzschuh. Auch die Initiatorin und Betreiberin des „Kinder-Paradieses“ zeigt sich traurig ob der Absage des Renntages. „Gerade für dieses Jahr hatte ich mir einige tolle Geschichten einfallen lassen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben“, sagt Susanne Fögeling.

Meetings ohne Zuschauer

Laut Orth wird momentan versucht, den Sport so langsam wiederzubeleben, indem den Veranstaltern erlaubt wird, sogenannte Geisterrennen durchzuführen. Das sind Meetings ohne Zuschauer, unter Einhaltung aller Hygiene- und Abstandsregeln für die Aktiven vor Ort. „Das ist gar keine Option für uns. Da werden wir nicht mitmachen. Unsere Renntage sind ohne Publikum gar nicht vorstellbar. Drensteinfurt lebt von seinen begeisterten Besuchern, und auch die Abstandsregeln wären ja auf einer proppevollen Bahn gar nicht nicht einhaltbar“, sagt Heinz Kuhlmann, der 2. Vorsitzende des Vereins. „Man stelle sich einmal die Warteschlange an den Wettkassen vor – bei Abständen von eineinhalb bis zwei Metern zwischen den Besuchern.“ Die Rennen würden zwar online übertragen, „aber das ist ja nicht Sinn unserer Renntage. Rennsport ist live und in Farbe“, betont Kuhlmann.

Renntag in Drensteinfurt Teil drei

Die Verantwortlichen um Storck und Kuhlmann hoffen, dass die Coronavirus-Pandemie über kurz oder lang überstanden sein wird und alle pferde- und wettbegeisterten Freunde des Sports dem Rennjahr 2021 entgegensehen können.

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