Kein Training, keine Spiele

Das sagen die Vereinsvertreter zur Zwangspause für die Fußballteams

Auch die Minikicker – hier die des SV Drensteinfurt beim Training – müssen mindestens viereinhalb Wochen auf Vereinsfußball verzichten.
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Auch die Minikicker – hier die des SV Drensteinfurt beim Training – müssen mindestens viereinhalb Wochen auf Vereinsfußball verzichten.

Die verschärften Corona-Maßnahmen treffen auch die Sportler. Die Sportstätten werden für den Monat November wieder geschlossen. WA.de hat bei Vertretern heimischer Fußballvereine nachgefragt, ob die drastischen Regeln nachvollziehbar oder gar überfällig sind.

Drensteinfurt/Rinkerode/Walstedde – Kein Training, kein Spiel, keine Tore, keine Punkte: Die verschärften Corona-Maßnahmen treffen auch die Sportler mit voller Härte. Die Sportstätten werden bundesweit von Montag (2. November) an für den kompletten Monat November wieder geschlossen. WA.de hat bei Vertretern heimischer Vereine nachgefragt, ob die drastischen Regeln nachvollziehbar oder gar überfällig sind und ob es im Dezember oder erst im neuen Jahr mit dem Spielbetrieb weitergeht.

Olaf Lenz, Vorsitzender der Fußballabteilung von Fortuna Walstedde: „Die Entscheidung ist absolut nachvollziehbar, weil die Gesundheit aller und damit natürlich auch der Sportler vorgeht“, sagt er. „Ich persönlich begrüße das auch und hätte schon etwas eher damit gerechnet, aber nicht wesentlich eher.“ Der Trainingsbetrieb bei Fortuna Walstedde ist ab sofort und bis Ende November eingestellt. „Wir folgen damit der Empfehlung des FLVW“, sagt Lenz. Dass noch Spiele stattfinden in diesem Jahr, kann er sich „nur sehr schwer vorstellen. Denn wir kennen die Situation mit dem Virus im Winter noch gar nicht.“ Lenz hält es für sinnvoll, erst im neuen Jahr wieder einzusteigen. „Man könnte drei, vier englische Wochen einstreuen, dann hätte man den einen oder anderen jetzt ausgefallenen Spieltag wieder drin.“

Die Entscheidung ist absolut nachvollziehbar.

Olaf Lenz

Daniel Budde, Koordinator für den Männerfußball bei Fortuna Walstedde: Auch für Budde ist die Entscheidung, den Amateursport einzustellen, „absolut“ verständlich. „Es hatte sich in den vergangenen Wochen ja schon angebahnt“, sagt er angesichts der vielen Spielabsagen vor allem im Fußballkreis Beckum. Das zunächst für den vergangenen Sonntag geplante Spiel der ersten Mannschaft gegen die SpVg Beckum II war wegen eines Corona-Falls beim Gegner vom Staffelleiter Sascha Bork schon vor zwei Wochen abgesetzt worden. „Als wir wussten, dass das Spiel nicht stattfindet, hat das Team auch gar nicht mehr trainiert. Wir hatten eine Vorahnung und wollten einfach kein Risiko eingehen“, erläutert Budde und nennt den Hauptgrund: „Fußball ist in der Kreisliga A nur ein Hobby und wir haben Familien zu Hause. Wichtig ist, dass alle gesund bleiben.“ Außerdem seien viele Spieler selbstständig oder arbeiten im Krankenhaus.

Als überfällig mag Budde die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz nicht bezeichnen. „Das maße ich mir nicht an. Die Politiker, die Offiziellen treffen die Entscheidungen.“ Dass im Dezember wieder gespielt wird, kann sich der sportliche Leiter von Fortunas Seniorenfußballern zwar vorstellen, allerdings würde er an der Sinnhaftigkeit zweifeln. „Es wären nur noch drei Wochen. Für mich stellt sich die Frage, ob sich der ganze Aufwand lohnen würde.“ Außerdem wären die Spieler nach langer Trainingspause anfälliger für Verletzungen. „Sollten die Zahlen der Infizierten im Januar wieder passend sein und wir wieder anfangen dürfen, wäre es für mich der logischste Schritt“, sagt Budde.

Es hatte sich ja schon angebahnt.

Daniel Budde

Jan Wiebusch, Seniorenobmann des SV Drensteinfurt: „Ich finde, dass es eine logische Konsequenz ist, die Saison zu unterbrechen“, sagt der Nachfolger von Alexander Moos. Gerade der SVD habe die Pandemie schon extrem zu spüren bekommen. Und „wenn überall Einschränkungen von der Regierung gemacht werden, sollte der Amateursport nicht ausgeklammert werden.“ Der Fußball sei nur ein Hobby, sagt Wiebusch. „Wenn das Risiko gegeben ist, dass man sich ansteckt, sollte man es minimieren.“ Auf dem Platz sei das Risiko, sich zu infizieren, zwar gering – „so heißt es immer“ –, aber in der Kabine beim Umziehen, Duschen oder bei der Ansprache sei die Situation anders.

Was Wiebusch in den vergangenen zwei Wochen bemerkt hat: „Ich bin ja selber ab und zu noch beim Training beziehungsweise beim Spiel und habe mit den Leuten geredet. Mehrere hatten zuletzt ein mulmiges Gefühl.“ Die erste und die zweite Mannschaft waren zum Teil ja schon in Quarantäne. „Da hat keiner mehr Bock drauf“, betont Wiebusch.

Er ist der Meinung, dass man schon eher über derartige Maßnahmen hätte nachdenken müssen. „Ich habe schon vor vier Wochen gesagt, als es in der Ersten einen Corona-Fall gab, dass es alles keinen Sinn macht“, so Wiebusch. Er glaubt zwar, dass die Einschränkungen im Dezember wieder aufgehoben werden. „Ich stelle mir aber die Frage, ob es Sinn macht, die Hinserie im Amateursport dann fortzusetzen. Du hast gar keine Zeit zu trainieren. Vielleicht lässt man es lieber und startet erst im Frühjahr wieder.“

Mehrere hatten zuletzt ein mulmiges Gefühl.

Jan Wiebusch

Andreas Watermann, sportlicher Leiter des A-Kreisligisten SV Rinkerode: Auch der langjährige Spieler und Kapitän der ersten Mannschaft, der sich seit Längerem in anderer Funktion für den Verein engagiert, findet die Entscheidung von Bund und Ländern, den Spiel- und Trainingsbetrieb im Amateursport einzustellen, „absolut verständlich“ und spricht von einem „richtigen Schritt“. Er habe es immer wieder mitbekommen, „dass es zahlreiche Spieler gibt, die Vorbehalte haben, überhaupt noch zu spielen, weil sie es sich aus beruflichen Gründen nicht erlauben können, dass sie in Quarantäne geschickt werden.“ Das sei schon ein wenig in Richtung Wettbewerbsverzerrung gegangen, sagt Watermann. „Wir haben es im Umfeld schon selbst mitbekommen, wie schnell es geht, wenn man sich in geschlossenen Räumen aufhält. Und da gehört die Kabine nun mal auch dazu. Von daher ist es der richtige Schritt, die Bremse reinzuhauen.“

Der Zeitpunkt, die Maßnahmen zu verschärfen, passe. „Dass die Zahlen so explodieren, steht ja im Prinzip erst seit letzter Woche fest, wenn ich es richtig beobachtet habe“, sagt Watermann. „Auch aus sportlicher Sicht hat man rechtzeitig reagiert.“

In welcher Form und wann der Spielbetrieb fortgesetzt wird, sei die Frage. „Ich bezweifle, dass es im Dezember der Fall sein wird.“ Das liegt für ihn nicht nur an der Pandemie, sondern auch an den Witterungsbedingungen in der kalten Jahreszeit. „Das kann auch reinspielen – auch wenn mittlerweile fast alle einen Kunstrasen haben“, sagt der sportliche Leiter des SVR.

Der richtige Schritt, die Bremse reinzuhauen.

Andreas Watermann

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