Umfrage des WA

Wirkt sich Pandemie auf die Mitgliederzahlen der Vereine aus?

Das Eltern-Kind-Turnen der DJK Olympia Drensteinfurt wird zurzeit nicht angeboten. Seit Mitte März muss sich der Nachwuchs schon gedulden. Foto: Kleineidam
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Das Eltern-Kind-Turnen der DJK Olympia Drensteinfurt wird zurzeit nicht angeboten. Seit Mitte März muss sich der Nachwuchs schon gedulden.

Wie hat sich die Coronavirus-Pandemie und die mehrmonatige sportliche Zwangspause auf die Mitgliederzahlen der Drensteinfurter Sportvereine ausgewirkt? Und wie haben die Sponsoren reagiert? Diese Fragen hat WA.de den Vorständen gestellt.

Fortuna Walstedde

„Es hat sich gar nicht ausgewirkt“, sagt Clemens Kuhn, der 1. Vorsitzende der 1061 Fortunen. „Es gibt übliche Abmeldungen wie vom Kinderturnen, weil die Kinder zu alt sind. Aber es gibt keinen mir bekannten Austritt, der irgendwas damit zu tun hat, dass wir über einen gewissen Zeitraum Sportangebote nicht oder eingeschränkt anbieten konnten.“ Für Kuhn ist das „erfreulich. Ich hätte es nicht unbedingt so gedacht, muss ich ganz ehrlich sagen.“

Was das Sponsoring betrifft, kann Kuhn noch keine Aussage treffen. „Bisher ist noch nichts zu spüren. Da müssen wir wirklich noch ein bisschen abwarten. Wenn man das aus Wirtschaftskreisen hört, werden Insolvenzen ja erst im Herbst oder Ende des Jahres erwartet. Und dann müssen wir mal sehen, wie das bei uns so aussieht. Es ist nicht auszuschließen, dass es uns dann auch trifft.“ Die Fortuna habe „hohe Einnahmequellen“ durch die Bandenwerbung.

In Walstedde ist die Turnhalle der Lambertus-Grundschule seit Montag für die Fortunen wieder geöffnet – unter Berücksichtigung des Hygienekonzeptes, das der Verein der Stadt vorgelegt hat. „Wir können sie in den Ferien nutzen, und sie wird auch genutzt“, sagt Kuhn. Zudem nutzt die Breitensportabteilung den Kunstrasenplatz, wenn das Wetter dies zulässt. Die Gymnastikhalle werde aufgrund des Umbaus der Schule allerdings auch nach den Sommerferien nicht nutzbar sein. „Sie können wir erst mal auf Monate nicht nutzen“, so der 1. Vorsitzende. „Schön ist das nicht. Wir müssen schauen, wie wir ein Alternativprogramm auf die Reihe kriegen.“

DJK Olympia Drensteinfurt

Beim mit rund 1200 Mitgliedern größten Sportverein in Stewwert „ist im Moment nichts direkt spürbar. Es gibt nicht spürbar mehr Kündigungen als in den anderen Zeiträumen“, sagt der 1. Vorsitzende der DJK Olympia, Gerhard Geske. „Was wir natürlich nicht haben, sind die Zugänge im aktiven Sportbetrieb.“

Wegen der Pandemie hatte der Vorstand bereits im März beschlossen, die Mitgliedsbeiträge für das erste Halbjahr vorerst nicht abzubuchen. Der Verein wird die Beiträge in „angemessenem Umfang“ reduzieren und die Mitglieder in der kommenden Woche informieren. „Wir werden aktiv auf die Mitglieder zugehen“, sagt Geske.

Der Sportbetrieb bei der DJK geht nach dem Ende des erneuten Lockdowns weiter. „Wir werden die Ferienzeit nutzen, um Angebote zu machen – aber nicht vollflächig“, berichtet Geske. Manfred Bartmann zum Beispiel möchte in der Ferienzeit Fahrradtouren anbieten. „Das versuchen wir über das Hygienekonzept zu ermöglichen“, sagt Geske. „Dank der Unterstützung der Stadt Drensteinfurt dürfen wir die Hallen nutzen. Inwieweit die Gruppen in der Lage sein werden, das zu tun, wird sich noch herausstellen.“

Sponsoring sei bei der DJK nicht sehr stark ausgeprägt, sondern nur punktuell zu erkennen. „Bei der HSG Ascheberg/Drensteinfurt sicherlich mehr“, erläutert Geske.

SV Rinkerode

Beim rund 1450 Mitglieder zählenden Sportverein Rinkerode gibt es keine Austritte. Überrascht ist der 1. Vorsitzende Udo Nees davon nicht. „Die juristische Lage ist relativ klar. Wir haben ja Kündigungsfristen“, sagt er. Und es stehe nirgends, dass der Verein den Sport anbieten müsse und es ein Sonderkündigungsrecht gebe. „Wir hatten zwei, drei Nachfragen, ob wir das Geld für das erste Halbjahr zumindest zur Hälfte zurückzahlen“, berichtet Nees. Auch von den Sponsoren habe sich niemand zurückgezogen. „Im Prinzip hat sich da auch nichts geändert.“ Gerade die Identifikation mit dem Verein spiele in dieser Hinsicht eine große Rolle.

Mittlerweile läuft das vielfältige Angebot beim SVR wieder an. Die Hallen sind nach dem Lockdown wieder geöffnet. „Sie sind in der Zeit gereinigt worden, wir können in den Ferien sechs Wochen rein. Das ist schon mal was. Sonst waren es nur die letzten drei, weil es vorher eine Generalreinigung gab“, sagt Nees.

SV Drensteinfurt

Dem Sportverein Drensteinfurt, der Ende Juli/Anfang August sein 110-jähriges Bestehen feiern wollte und das 2021 zum 111-Jährigen nachholen möchte, gehören rund 700 Mitglieder an. „Es gab keine großartigen Kündigungen, also nichts, was über das Normale hinausgeht“, sagt der 1. Kassierer Stephan Müller und spricht von „keinen gravierenden Änderungen“. Wenn es eine Kündigung gegeben habe, sei auch nie als Grund die Pandemie genannt worden. Vereinzelt habe es Anfragen gegeben, ob die Mitgliedsbeiträge wegen der langen Pause zum Teil erstattet werden. „Große Aufruhe gab es aber nicht“, so Müller.

Dieter Heeren, der 1. Vorsitzende des SVD, hatte schon im April angekündigt: Bei einer rückwirkenden Erstattung wäre der Verwaltungsaufwand viel zu hoch. „Eventuell gibt es 2021 einen reduzierten Beitrag. Wir werden finanziell eine Bilanz ziehen, wenn die Krise überstanden ist, und dann Vorschläge erarbeiten für die Mitgliederversammlung.“

Die Sponsorenrechnungen gehen laut Müller im Sommer raus. Von daher sei noch nicht klar, ob es in diesem Bereich weniger Einnahmen geben wird als im Vorjahr.

TC Drensteinfurt

„Wir haben die Pandemie prinzipiell ganz gut überstanden“, sagt der 1. Geschäftsführer des Tennis-Clubs Drensteinfurt, Gerhard Herrmann. Einige Wochen gab es natürlich Einschränkungen auf der Anlage an der Kleiststraße, doch gerade in der Anfangszeit seien die Aschenplätze häufig genutzt worden. Und die Mannschaften, die sich dazu entschlossen hatten, an der Übergangssaison teilzunehmen, sind zum größten Teil im Spielbetrieb. „Die Leute dürfen auch wieder in die Umkleide und duschen unter den entsprechenden Hygienevorschriften“, sagt Herrmann.

Die Mitgliederzahl sei in der letzten Zeit nicht zurückgegangen. „Die Stammmitglieder sind geblieben. Wir haben sogar viele, insbesondere Jugendlichen, die ihren Sport nicht mehr ausüben konnten und die Sommerpause nutzen, um Tennis zu spielen. Teilweise sind es welche, die früher schon Mitglieder waren, aber es sind auch Neue dabei.“ Für die habe sich der TCD ein „Sonderangebot“ überlegt. „Sie dürfen gegen ein geringes Entgelt unsere Tennisanlage nutzen“, erklärt der Geschäftsführer des 277 Mitglieder zählenden Clubs.

Auch Förderer seien nicht abgesprungen. „Wir haben ehrlich gesagt relativ wenig Sponsoren“, sagt Herrmann. Ärgerlich sei, dass der TCD seine Kooperation mit der Kita Zwergenburg coronabedingt aktuell nicht fortführen kann. „Das war immer ein Quell von neuen Mitgliedern und fehlt uns ein bisschen. Aber wir stehen weiter in Kontakt.“

TC Rinkerode

Auch beim Rinkeroder Tennis-Club gibt es – abgesehen davon, dass nur eine Seniorenmannschaft an der Meisterschaft teilnimmt und im Nachwuchsbereich nur die U8 startet – keine Auswirkungen. „Ganz und gar nicht. Wir haben nicht einen Abgang“, sagt der 1. Vorsitzende Frank Pinnekamp und freut sich, dass die Pandemie in dieser Hinsicht spurlos am TCR vorübergegangen ist. Sponsoren hat der Club keine. „Wir sind ein kleiner, privater Verein.“

RV Drensteinfurt

Glimpflich davongekommen sind auch die Stewwerter Reiter. Die Anzahl der Mitglieder liegt weiterhin bei etwa 180. Keiner habe wegen der Corona-Krise gekündigt, sagt der 1. Vorsitzende Andreas Kurzhals. Auch die Sponsoren hätten dem Verein die Stange gehalten. „Da sind wir sehr dankbar.“

Aber es sei eine „Riesendiskussion über die Pflichtstunden entstanden, weil man die nicht ableisten konnte. Wir verlangen das oder berechnen die sonst weiter. Da müssen wir im Vorstand noch drüber sprechen“, sagt Kurzhals.

Ärgerlich sei die Zwangspause insbesondere für die Voltigierer des RVD gewesen, die mehrere Wochen nicht trainierten durften. Nun seien alle heilfroh, dass sie wieder reiten dürfen. „Vorher war es eine gewisse Selbstverständlichkeit“, merkt Kurzhals an und betont: „Jetzt sieht man erst mal, wie wertvoll ein Sportverein ist.“

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