Christoph Lübke: Führungsspieler, der sich heimisch fühlt

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Christoph Lübke kommt auf 17 Einsätze für Drensteinfurt in der Liga, 15-mal hat er durchgespielt.

Drensteinfurt – Als „zweikampfstark“ und „Führungsspieler“ bezeichnete Trainer Oliver Logermann im vergangenen Juli Christoph Lübke, als er dessen Wechsel zum Fußball-Bezirksligisten SV Drensteinfurt bekannt gab. Die beiden Eigenschaften treffen perfekt auf den 28-Jährigen zu.

Zweikämpfe verliert er so gut wie nie, und die Führungsrolle innerhalb der Mannschaft füllt er zur vollsten Zufriedenheit der Verantwortlichen aus.

Lübke ist zwar kein Kapitän, aber derjenige auf dem Platz, der die meisten Kommandos gibt. „Ich würde mich nicht als Lautsprecher auf dem Platz bezeichnen, aber in einer gewissen Art und Weise macht es mir Spaß, den Jüngeren Hilfestellungen zu geben, wenn ich merke, dass irgendwo etwas nicht richtig läuft. Daher werde ich ab und zu mal ein bisschen lauter“, sagt der Rechtsfuß. Lübke, der mit seiner Freundin in Münster wohnt, sieht sich allein aufgrund seines Alters in einer Führungsrolle: „Es ist nun mal so, dass ich mit inzwischen 28 zur älteren Garde gehöre.“

Mit TuS Hiltrup in der Westfalenliga

Das Fußballspielen lernte Lübke beim TuS Hiltrup. Dort durchlief er die Jugendmannschaften. Bis 2015 trug er das Trikot seines Heimatvereins. „Ich habe fünf oder sechs Jahre für Hiltrups Senioren gespielt.“ Der größte Erfolg: „Der Aufstieg von der Landes- in die Westfalenliga war schon das Geilste“, blickt Lübke gern an die Saison 2010/2011 zurück.

2015 wechselte der Bereitschaftspolizist (siehe Infokasten unten) beruflich nach Düsseldorf. „In den ersten eineinhalb Jahren habe ich dort gar kein Fußball gespielt, wollte mich erst mal ein bisschen an den Wach- und Wechseldienst und an die neue Stadt gewöhnen.“ Doch Lübke merkte schnell: Ohne Fußball geht es nicht. „Ich habe mir etliche Spiele angeguckt, bin von Sportplatz zu Sportplatz, wenn es die Zeit hergegeben hat.“

Über Niklas Wesseln, den er von seiner Zeit beim TuS kannte, als dieser in Nottuln spielte, kam der Kontakt zum Rather SV zustande. Von 2017 bis 2019 lief er für den Klub im Nordosten Düsseldorfs auf. „Ich habe dort zweieinhalb richtig schöne Jahre verbracht, ehe es zum Glück nach Münster ging“, sagt Lübke und erklärt: „Vier Jahre ist die Mindestverwendungszeit nach der Ausbildung, die man in einer anderen Behörde bleiben muss.“

Drensteinfurts Coach Logermann konnte ihn von einem Wechsel zum SVD überzeugen. „Wir stehen dadurch, dass wir in einem Kegelklub sind, eigentlich immer in Kontakt.“ Lübke sagte zu und freute sich, „die alten Jungs aus Hiltruper Zeiten wiederzusehen“. Sportlich laufe es „sehr gut“ diese Saison. Zwischendurch war der Spitzenreiter der Staffel 7 elf Spiele in Serie ungeschlagen, zehn Siege gelangen in dieser Zeit.

Einen großen Anteil am Erfolg hat Christoph, genannt „Chrissi“, Lübke. Bei 20 Spielen des SVD kommt er auf 17 Einsätze und ein Tor. 15-mal hat er durchgespielt, zweimal wurde er ausgewechselt. Gefehlt hat er unter anderem im Heimspiel gegen die SG Bockum-Hövel (0:2) und in der Partie beim TuS Freckenhorst (1:3), beide Begegnungen gingen verloren. Eine Statistik, die für sich spricht.

Wie er die ersten neun Monate beim SVD erlebt hat? „Ich muss sagen, dass ich mich richtig gut aufgenommen gefühlt habe – vom Team und vom Umfeld“, sagt Lübke. Dadurch, dass er schon viele Leute kannte, sei ihm die Eingewöhnung leichter gefallen – „auch wenn ich zu Beginn noch in Düsseldorf gewohnt habe und nicht häufig beim Training war.“ Auch mit den Ur-Drensteinfurtern wie Dennis Popil oder Steffen Scharbaum, der 2019 zum SVD zurückgekehrt ist, komme er bestens klar. „Sie begegnen einem immer mit einem Lächeln beim Training“, berichtet Lübke und unterstricht: „Ich habe mich direkt heimisch gefühlt.“ Aufgrund der Zwangspause, was den Mannschaftssport betrifft, vermisst er seine Teamkollegen natürlich. „Das letzte Spiel ist tatsächlich schon fast sieben Wochen her. Es ist Wahnsinn.“

Äußerst ärgerlich wäre es für den Bezirksliga-Tabellenführer und Aufstiegsaspiranten auch, sollte die Saison annulliert werden. „Ich tue mich mit Spekulationen ein bisschen schwer“, sagt Lübke. Einen Abbruch nach 20 Spielen und keine Wertung „fände ich aufgrund des Tabellenplatzes schade. Ich will nicht sagen, dass die ganze Saison umsonst war. Ein paar Erinnerungen aus manchen Spielen werden bleiben.“

Eigentlich wünscht sich der 28-Jährige einen „ehrlichen Aufsteiger. Mir wäre es lieber, dass wir nach 30 Spieltagen nicht an erster Stelle stehen, die Saison dafür aber durchgezogen haben, als die Saison nach 20 Spielen einfach abzubrechen und wieder von null anzufangen. Da habe ich echt keinen Bock drauf.“ Selbst mehrere englische Wochen, wenn wieder gespielt werden dürfte, würde er dafür in Kauf nehmen. „Absolut. Von mir aus könnten wir sonntags, mittwochs, sonntags spielen. Aber gut, das ist meine Meinung“, sagt Lübke – wohl wissend, dass die Entscheidung auch für die Verantwortlichen beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) alles andere als leicht ist.

Während der Trainingspause hält sich Christoph Lübke selbstverständlich fit. Er vernachlässige den Sport auf keinen Fall, sagt er. „Ich bin nicht der größte Läufer, eine solide Grundausdauer habe ich aber definitiv. Ich lege den Fokus aktuell eher auf Ganzkörpertraining – auch wenn es nur 20 Minuten am Tag sind.“

Zusage für die nächste Saison

Auch in der nächsten Saison wird Lübke für den SV Drensteinfurt spielen. „Ich habe mir ein paar Tage Gedanken gemacht. Aber die anderen bleiben auch. Von daher war es für mich eigentliche keine Frage, ob ich für ein weiteres Jährchen zusage.“ Sollte die jetzige Saison annulliert werden, „nehmen wir den Aufstieg halt nächstes Jahr in Angriff“, so Lübke.

Dass Lübke nicht nur „zweikampfstark“ und ein „Führungsspieler“, sondern auch charakterfest ist, beweist sein Verhalten während der Zwangspause. Er ist selbst auf Alexander Moos, den Obmann der SVD-Seniorenfußballer, zugegangen und hat ihm mitgeteilt, dass er zunächst für zwei Monate („solange der Ball ruht“) auf seine Aufwandsentschädigung verzichte. „Ganz ehrlich: Mir geht‘s gut, ich kriege mein Gehalt bei der Polizei. Von daher wüsste ich nicht, warum ich auf die Aufwandsentschädigung bestehen sollte, wenn ich seit Wochen nicht mehr gegen den Ball getreten habe.“

Bereitschaftspolizist

Christoph Lübke arbeitet bei der Bereitschaftspolizei in Münster. „Unsere Steckenpferde sind Fußballspiele und Demonstrationen.“ Da die aufgrund der Corona-Pandemie aktuell nicht stattfinden, „haben wir andere Aufgaben. Wir führen Razzien und Verkehrskontrollen durch, haben Bereitschaft.“ Die Dienstpläne unterscheiden sich von Woche zu Woche und sind von den Einsatzanlässen abhängig. Lübke betont: „Ich bin beschäftigt und das ist wirklich wertvoll in der jetzigen Zeit.“ mak

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