Jan Eustergerling hat beim Boulen "besonders Spaß"

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Der 17-jährige Jan Eustergerling wirft, Julia Kroos schaut zu.

Drensteinfurt - Es ist nass, es ist windig, es ist kalt. Doch das Wetter schreckt Jan Eustergerling und Björn Beyer nicht ab. Sie wollen Sport treiben und Spaß haben – beim fünften und letzten Boulenachmittag des Jahres für Menschen mit Behinderung im Erlfeld.

„Nicht so feste“, sagt Thomas Volkmar. Er ist Mitglied der SVD-Boulefreunde, spielt an diesem Nachmittag zusammen mit Jan und gibt dem 17-Jährigen aus Enniger, der geistig behindert ist, Tipps. Diesmal hat Jan allerdings zu weit ausgeholt. Die 700 Gramm schwere Boule-Kugel prallt gegen die hintere Umrandung des 12 mal 4,5 Meter großen Spielfeldes. Danach läuft es besser. Die beiden lassen ihren Gegnern – Björn spielt zusammen mit Julia Kroos – keine Chance. „Der reicht“, sagt Volkmar. Mit einem lang gezogenen „Jaaaa“ jubelt Jan über die gewonnenen Punkte und fragt: „Vier, oder?“ Volkmar dämpft die Euphorie ein wenig: „Nein, drei höchstens.“ Zwischenstand: 4:1.

In der nächsten Runde läuft es nicht so gut. „Der Wind ist kacke“, sagt Jan. Trotzdem erhöhen die beiden – auf 5:1. Es sieht nach einer klaren Angelegenheit aus. „Jan, sollen wir denen auch mal einen Punkt geben?“, fragt Volkmar, um ihn kurz darauf wieder zu motivieren: „Bist du wirklich 17? Ein 17-Jähriger kann doch weiter werfen, oder?“ Das wirkt. „Eins, zwei, drei, vier. Wir führen 9:1“, sagt Jan und strahlt über beide Ohren. „Vier Stück brauchen wir noch.“

Björn – der 19-jährige Drensteinfurter hat die Glasknochenkrankheit – ist im Vergleich zu Jan ein ruhiger Typ, was nicht nur am Zwischenstand liegt. „Jetzt kriegen wir‘s, Björn“, sagt Kroos im nächsten Durchgang. „Ja, wir haben einen Punkt.“ Auch Björn freut sich. Doch zu früh gefreut. Volkmar hat noch drei Kugeln. Im letzten Versuch kommt er ganz nah dran ans neonrote Schweinchen. „Das gibt‘s nicht“, ärgert sich Kroos. Dann schreitet Zuschauer Ferdi Schmal ein. „Der Dunkle ist doch näher“, sagt der Präsident des Kreissportbundes. Es wird gemessen. Am Ende der Runde einigen sich beide Teams auf eine Punkteteilung: Es steht 10:2. „Drei Stück brauchen wir noch“, sagt Jan und aktualisiert die kleine Ergebnistafel am Spielfeldrand.

Der nächste Durchgang geht allerdings an Julia Kroos und Björn – 10:3. Auch danach hat Jan ein kleines Formtief. Es reicht trotzdem – 11:3. „Schwein gehabt“, sagt Björn. Die Niederlage können er und seine Spielpartnerin nicht mehr abwenden. Denn die nächsten Punkte gehen wieder an Thomas Volkmar und Jan. Es steht 13:3. „Haben wir gewonnen?“, fragt der 17-Jährige – und klatscht dann als glücklicher Sieger mit Volkmar ab.

„Gewinnen macht mir besonders Spaß“

In der Spielpause gibt es beim zweistündigen Adventsboulen Plätzchen und Weihnachtspunsch zum Aufwärmen – natürlich ohne Alkohol. Auf die Frage, warum er auch beim fünften Mal mit seinem Bruder Nils (17) dabei sei, antwortet Björn kurz und knapp: „Weil es mir Spaß macht.“ Jan kostet nicht nur das Gebäck, sondern auch seinen Sieg in vollen Zügen aus. „Das Gewinnen macht mir besonders Spaß“, sagt der Junge aus Enniger, der auf die Vinzenz-von-Paul-Schule geht, eine Förderschule für geistige Entwicklung in Beckum. Seine Schulkollegin Sarah Kemper unterhält die 16 Teilnehmer, darunter acht mit einer Behinderung, derweil mit einer Rede im Stehen. „Sie redet zu viel“, sagt Helmut Kemper nicht ganz ernst gemeint über seine Tochter. Sarah hat das Down-Syndrom.

Björn hat das erste Spiel, das er mit Julia Kroos deutlich verloren hat, inzwischen schon fast vergessen. Der 19-Jährige freut sich vielmehr über die kleine Aufmerksamkeit der SVD-Bouleabteilung kurz vor Weihnachten, einen Umschlag samt Schokoriegel. Und er fiebert der nächsten Boule-Runde entgegen. Dieses Mal spielt er nicht gegen, sondern mit Thomas Volkmar. - Matthias Kleineidam

Regelmäßiges Treffen

Die Mitglieder der Bouleabteilung „Klack ‘09“ des SV Drensteinfurt und die Initiative „Eine Stadt für alle“ bieten den Boulenachmittag für Menschen mit Behinderung seit August an jedem dritten Freitag des Monats an. Alter und Art der Behinderung spielen keine Rolle. Das nächste Treffen ist am 16. Januar ab 16 Uhr. Rekordbeteiligung bisher: 16 Gäste mit Behinderung im Alter von 17 bis 75 Jahren. Weitere Infos erteilen Thomas Volkmar, Telefon 0157-33116266, und Julia Kroos, Tel. 0151-15992857. „Nächstes Jahr wollen wir auch an andere Vereine herantreten“, sagt Kroos von der Initiative. - mak

Finanzielle Unterstützung

Der Kreissportbund (KSB) Warendorf hat von der Aktion Mensch Fördermittel zur Durchführung des Projektes „Inklusion im Kreis Warendorf“ bekommen und unterstützt damit auch die Boulenachmittage für Menschen mit Behinderung beim SVD. „Ich freue mich, dass das Projekt so gut angenommen worden ist“, sagte Ferdi Schmal, Präsident des KSB Warendorf, am Freitag bei einem Besuch in Drensteinfurt und kündigte an, die Aktion auch für die kommenden zehn Termine finanziell zu unterstützen. „Sport dient der Inklusion. Im Sport kann man Inklusion gut umsetzen“, betonte Schmal. - mak

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